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Coronatests in Kitas: Stadt wählt „bequemsten Weg“

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Von: Julia Radgen

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Mund auf, Stäbchen rein. Mit sogenannten Lollitests sollen Eltern ihre Kitakinder zweimal die Woche testen.
Mit sogenannten Lollitests können Kitakinder einfach getestet werden. Der Gesamtelternbeirat wünscht sich solche Tests und wiederlegt Argumente aus dem Ausschuss © DPA

Der Haupt- und Finanzausschuss hat einen Antrag der SPD zu kostenlosen freiwilligen Corona-Tests in Langener Kitas diskutiert. Die restlichen Fraktionen im Ausschuss stimmten jedoch dagegen – mit der Begründung, dies sei zu aufwendig und Bürgertests die bessere Alternative. Der Gesamtelternbeirat (GEB) der Langener Kitas ist enttäuscht:

Langen - Der Elternbeirat hatte zuvor in einem offenen Brief an die Stadt gewandt hatte und Hoffnungen in den Antrag der SPD gesetzt. „Es ist schade, dass sich sowohl der Magistrat als auch die anwesenden Fraktionen gegen ein freiwilliges Testangebot in den Kitas entschieden haben“, so der GEB in einer Stellungnahme zur Auschussberatung. So verpasse die Stadt aus Sicht der Elternvertreter die Chance, eine bessere Kontrolle über das Infektionsgeschehen zu erlangen.

Einige der Argumente, mit denen die Stadtverordneten ihre Ablehnung des SPD-Antrags formuliert haben, stoßen den Elternvertretern besonders sauer auf. Zum Beispiel, dass der Aufwand zu hoch sei. Laut Magistrat hätten die Kita-Mitarbeiter darum gebeten, nicht in den Einrichtungen testen zu müssen. „Wir fragen uns, ist es eine Zumutung, wenn eine Erzieherin oder ein Erzieher beim morgendlichen Stuhlkreis die Test-Lollis einsammelt, die die Kinder zuvor gelutscht haben?“ Einen darüber hinaus gehenden Arbeitsaufwand gebe es bei den vom RKI empfohlenen Testarten nicht. Bei der Entscheidung für Antigen-Selbsttests müssten die Mitarbeiter lediglich Tests an Eltern aushändigen.

Elternbeirat widerspricht Kostenrechnung des Langener Magistrats

Zum anderen hält der GEB die Kostenrechnung des Magistrats – dieser hatte die Ausgaben für Antigen-Selbsttests mit 150 000 Euro beziffert, für PCR-Tests mit 800 000 Euro – für nicht nachvollziehbar. „Da bei PCR-Pool-Tests nur ein Test pro Gruppe (20 Kinder) fällig wird, nicht pro Kind, müssten für eine faire Gegenüberstellung die Kosten für PCR-Tests durch 20 geteilt werden“, so der GEB.

Nicht haltbar findet der GEB auch das Argument, die Tests beanspruchten zu viel Zeit. „Der Gesamtelternbeirat hat zu keinem Zeitpunkt gefordert, dass Erzieherinnen oder Erzieher in Kitas Rachen- oder Nasenabstriche durchführen. Wir haben Lolli- oder Mundspültests gefordert.“ Die Durchführung dauere für alle Kinder zusammen nicht mehr als fünf Minuten. „Es wäre grundsätzlich begrüßenswert, statt Argumente gegen die Machbarkeit und Umsetzbarkeit von Tests aufzuzählen, lieber die Kommunen zu konsultieren, die regelmäßige Testungen in Kitas erfolgreich umgesetzt haben“, meint der Beirat. Positives Beispiel für PCR-Lolli-Pooltests etwa sei Obertshausen. Es gebe genug Vorreiter, die Lolli-Tests ohne großen Mehraufwand in den Morgenkreis integrieren.

GEB: Teststellen wären überlastet, wenn alle Eltern sie aufsuchen

Der Vorschlag, dass jeder seine Kinder ja einfach zum Bürgertest bringen könne, ärgert den GEB besonders. Es sei – unabhängig von der Pandemie – die generelle Aufgabe der Stadt, als Trägerin der Kitas, die Sicherheit der Kinder in den Einrichtungen zu gewährleisten. „Jetzt zu Zeiten von Corona gehört eben der Infektionsschutz dazu und selbst die Regierungsparteien des Landes sprechen in diesem Zusammenhang von Testungen in den Einrichtungen – dafür wurden vom Land Gelder sogar zur Verfügung gestellt.“

Dass im Ausschuss zudem suggeriert wurde, von den Eltern vorgenommene Selbsttests böten im Gegensatz zu Bürgertests nur „gefühlte Sicherheit“, findet der GEB unmöglich. „Das Aushändigen von Selbsttests ist ein niederschwelliges Angebot, das mehr Akzeptanz findet als Besuche in Testzentren“, meinen die Eltern. Zu arbeitnehmerfreundlichen Uhrzeiten seien die Teststellen in Langen ohnehin bereits stark ausgelastet. „Würden alle Eltern, die das wollen, dreimal wöchentlich in den Testzentren auflaufen, wären die Kapazitäten schnell erschöpft.“ Der hohe zeitliche und organisatorische Aufwand, mehrmals in der Woche zum Testen zu fahren, sei für viele Familien sicher eine Hürde. Auch die Infektionsgefahr an der Teststelle und die Tatsache, dass die wenigsten überhaupt kindgerechte Tests anbieten, sprechen für den Elternbeirat dagegen.

Es sei für Eltern von Kleinkindern nicht nachvollziehbar, warum Tests in Kitas für unnötig erklärt werden, während für Grundschulkinder eine Pflicht besteht. „Kleine Kinder in Testzentren zu schicken, ist einfach nur bequem für die Stadt. Keine PCR-Tests in Kitas anzubieten, ist nicht nur bequem für die Stadt, es stellt auch eine große Hürde für Eltern dar, eine Infektion mit schwerem Verlauf an die Unfallkasse zu melden, da der Nachweis eines Indexfalles in der Einrichtung unmöglich wird“, wirft der GEB ein. Zudem hätten sich auch CDU und Grüne in der aktuellen Stunde im Landtag für Corona-Tests in Kitas ausgesprochen. Nicht zuletzt mit Verweis darauf hofft der Gesamtelternbeirat auf einen Richtungswechsel und darauf, „dass die Entscheidung vielleicht doch noch zugunsten einer sinnvollen Teststrategie ausfallen wird“.

Von Julia Radgen

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