Schäden am Mauerwerk

Stadtkirche Langen: Unliebsame Überraschungen bei der Dachsanierung

Eingepackt: Rund um die Stadtkirche ist ordentlich was los. Das Gerüst wurde für das alte Gotteshaus maßgeschneidert.
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Eingepackt: Rund um die Stadtkirche ist ordentlich was los. Das Gerüst wurde für das alte Gotteshaus maßgeschneidert.

Es wird fleißig gewerkelt, gehämmert und geschraubt – die Bauarbeiten auf der und um die Stadtkirche herum sind in vollem Gange. Nachdem die letzte Sanierung bereits knapp 30 Jahre her ist und seitdem nur notdürftige Reparaturen vorgenommen wurden, geht es nun dem über 60 Jahre alten Dach an den Kragen. In einem aufwendigen Verfahren wird die gesamte Dachfläche erneuert (wir berichteten).

Langen - Die Schäden wurden dabei nun erneut deutlich: Durch Undichtigkeiten an den Dachkehlen drang der Regen der letzten Tage ein und hinterließ unschöne Wasserflecken an der Decke im Inneren der Kirche. „Der Schaden wir jedoch vermutlich in den nächsten Tagen bereits beseitigt sein“, weiß Frank Oppermann vom Verein der Freunde der Stadtkirche, der die Baumaßnahmen begleitet.

Erste Fortschritte sind bereits zu sehen: Die alte Dachhaut auf der Nordseite und den Querschiffen ist verschwunden, nun wird die Südseite abgedeckt. „Die alten Teile werden an Ort und Stelle abgebaut und sehr sorgfältig zu Boden gebracht, damit möglichst wenig Staub entsteht“, erklärt Oppermann. Neu ist bereits die Dachschalung, also die Bretter auf den Dachsparren, die die Grundlage für den Dachaufbau bilden. Darauf ist eine spezielle Folie aufgebracht, die an den Nagelstellen aufquillt und so den Nagel vollkommen dicht einschließt.

Die Entsorgung des alten Daches und der Aufbau der neuen Schalung können jedoch immer nur Stück für Stück erfolgen, da auf keinen Fall Regen oder Feuchtigkeit in die Kirche gelangen darf. So muss bei einem zwischenzeitlichen Regenschauer immer wieder eine Pause eingelegt werden.

Im Zuge der geplanten Dachsanierung wurden im vergangenen Jahr schon per Drohne Aufnahmen des Sandsteingemäuers gemacht, um etwaige Beschädigungen zu entdecken. Beim Aufstellen des nigelnagelneuen und maßgeschneiderten Gerüsts ist man nun auf teilweise starke Schäden am Mauerwerk gestoßen: Mancherorts lösen sich Füllungen von reparierten Löchern, anderenorts fehlt schlicht die Fugenmasse zwischen den Steinen.

Beim Gerüst-Aufbau entdeckt: Im Mauerwerk fehlen Fugen.

Für Oppermann kommen diese bisher unbekannten Probleme jedoch nicht überraschend: „In den 90er-Jahren wurde zur Reparatur eine Stein-Ersatz-Masse verwendet – das war damals der letzte Schrei. Sie besteht aus Kunststoff und hält eben nur um die 30 Jahre. Da ist es kein Wunder, dass sich diese nun löst.“ Ein ähnliches Schicksal schreibt er dem Kölner und Frankfurter Dom zu. Diese seien auch mit einem Steinersatz geflickt worden und müssten nun ebenfalls erneuert werden. Im Gegensatz dazu seien die Schäden in Langen zwar relativ klein, jedoch ebenso dringend. Frank Oppermann veranschaulicht die Situation folgendermaßen: „Offene Fugen an Natursteinbauwerken sind wie schlecht aufgepumpte Reifen beim Auto. Es fährt noch irgendwie, bis es ganz kaputt geht. In offenen Fugen sammelt sich Feuchtigkeit, woraus Flechten entstehen. Durch Staubeinlagerungen darin bilden sich Moose und irgendwann wächst daraus eine Birke, welche durch die enorme Sprengkraft der Wurzeln tödlich für das Bauwerk ist.“

Aus diesen Gründen werden nun die kleinen Bruchstellen mit Ersatzmasse des heutigen Standards erneuert und offene Fugen mit Mörtel gefüllt. Bei größeren Schäden an Steinen ist die Reparatur hingegen nicht so einfach. Hierfür wird der Steinmetz sogenannte Vierungen einsetzen. Bei diesem Verfahren werden die alten Bruchstücke quadratisch aus der Mauer gelöst und ein millimetergenaues Ersatzstück aus Naturstein eingesetzt.

Oppermann stellt klar: „Wir machen hier keine Schönheitsreparaturen! Es geht lediglich um konstruktiv nötige Ausbesserungen, die zum jetzigen Zeitpunkt gemacht werden können, da im Moment wegen der Dachsanierung ohnehin ein Gerüst aufgebaut ist. Auch das Putzen der Mauervorsprünge und Kehlen dient nicht der Schönheit, sondern rein der Bauunterhaltung.“ Die Verantwortlichen im Vorstand der Evangelischen Kirchengemeinde erhoffen sich so – nicht zuletzt aus finanzieller Sicht – vermeiden zu können, dass in den nächsten 70 bis 80 Jahren das Gerüst wieder aufgebaut werden muss. (Von Moritz Kegler)

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