Symbolisch aufgeschlossen:

Stadtmuseum: Der Dornröschenschlaf hat ein Ende

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Einmal im Monat können Interessierte im Alten Rathaus wieder auf Zeitreise gehen: Symbolisch schlossen (kleines Bild, von links) Gerd Grein, Uwe Sandvoß, Stefan Löbig, Walter Metzger, Reinhold Werner und Professor Frank Oppermann das Museum auf.

Langen - Was lange währt, wird endlich gut: Nach mehr als fünf Jahren öffnet das Museum im Alten Rathaus wieder seine Pforten. Einmal im Monat ermöglichen Ehrenamtliche ab sofort das Eintauchen in die Geschichte der Stadt. Von Vanessa Kokoschka 

Möglich gemacht hat das eine Kooperation zwischen der Stadt, dem Verkehrs- und Verschönerungsverein und der Volkshochschule. Abgesehen von wenigen Führungen und Paaren, die sich in den Räumen des Alten Rathauses trauen ließen, war im Museum selbst in den vergangenen Jahren wenig los. Das soll sich nun mit der Wiedereröffnung ändern: ,,Wir wollen mehr Leben ins Museum bringen“, sagt Walter Metzger. Dafür schließt der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV) gemeinsam mit weiteren Heimatkundigen, dem Ersten Stadtrat Stefan Löbig und Uwe Sandvoß (Fachdienstleiter für kulturelle Bildung) das Museum mit einem großen Schlüssel symbolisch auf. Nicht mit von der Partie ist Bürgermeister Frieder Gebhardt: Er lässt sich wegen der Jahreshauptversammlung der Awo von Löbig vertreten. Zur Eröffnung seien mehr Besucher gekommen als erwartet, bemerkt Metzger: ,,Ich habe mit 70 bis 80 Leuten gerechnet. Dass es jetzt um die 100 sind, freut mich umso mehr.“

Bereits zuvor bemühten sich die Partner, das Museum attraktiver zu gestalten. Dafür luden sie in den vergangenen Wochen zu heimatgeschichtlichen Vorträgen oder Führungen durch die Altstadt ein. So referierten Heimatkundler beispielsweise über Langener Rotliegendes, Naturdenkmäler oder gar Begräbnisstätten. An diesem Konzept wollen die Kooperationspartner festhalten.

So wird das Museum in Zukunft nicht einfach nur aufgeschlossen, sondern das Angebot auch stets mit einem Begleitprogramm ergänzt.

Zur „Wiederaufschließung“ referiert Reinhold Werner über das Langen des vergangenen Jahrhunderts. Unter dem Titel „Langen Schwarz-Weiß“ zeigt er Bilder und alte Postkartenmotive – so nimmt Werner seine Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch das Langen des vergangenen Jahrhunderts. Aus dem großen Saal im Alten Rathaus geht es fotografisch die Frankfurter Straße entlang, an der Wallschule vorbei bis zum Lutherplatz. ,,Früher fanden dort Feste statt, die Kerb und auch der Tanz in den Mai“, erzählt Werner. Den nächsten Halt macht der Referent in der Schnaingartenstraße, Ecke Bahnstraße: Im Café Treusch – dort, wo auch heute noch ein Bäcker ist. ,,Und wenn uns die Brötchen dort nicht schmecken, dann gehen wir einfach auf die andere Straßenseite“, berichtet er. Denn dort stand bis in die 1970er Jahre das Café Liederbach.

Anschließend geht es noch schnell Geld abheben in der Bezirkssparkasse und dann zum Mittagessen in die Gaststätte Zur Stadt New York in der Darmstädter Straße.

,,Der Inhaber war eine Zeit lang in Amerika und war so beeindruckt von der Stadt, dass er seine Wirtschaft so genannt hat“, berichtet Werner. Mit dieser lockeren, zwanglosen, aber trotzdem lehrreichen Präsentation bringt der Referent seine Zuhörer zum Schmunzeln – und weckt vor allem Erinnerungen. Bei jedem Bild, das Werner zeigt, tuscheln die Besucher aufs Neue los: „Weißte noch damals?“ oder „Hat Deine Oma da nicht nicht gewohnt?“ sind nur zwei der Reaktionen.

Bilder: Stadtmuseum wieder eröffnet

Im Anschluss an den Vortrag steht es den Besuchern frei, das Museum selbst zu erkunden. In der „Ebbelwoi-Stubb“ gibt es Bembel und Gerippte, im Foyer hängen die impressionistischen Gemälde des Landschaftsmalers Hermann Bahner und ein Raum widmet sich den Werkzeugen von Maurern, Steinbrechern oder Pflasterern. Einige der Ausstellungsstücke stammen bereits aus der Jungsteinzeit.

Wem das zu lang her ist: Im Museum gibt es auch jüngere Exponate. Zum Beispiel den Verkaufstresen aus dem Kolonialwarenladen von Heinz Seipp. Wegen wachsender Konkurrenz schloss der Laden im Frühsommer 2001. Die Stadt übernahm das Inventar und stellt dieses inklusive alter Waage, Kaffeedosen und Vorratsgläsern aus.

Wer die Premiere verpasst hat: Bereits am Samstag, 7. April, bietet sich die nächste Möglichkeit. Dann geht es um die Rechtsprechung in früheren Zeiten.

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