Expertin demonstriert Handwerk

Stadtrundgang zeigt lokale Steinarten in Bauten auf

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Erst präsentierte Steinmetzmeisterin Sabine Schulda etwa 30 Interessierten ihr Können, dann zeigte Professor Frank Oppermann beim Stadtrundgang Beispiele für Langener Bauten mit den einzelnen Steinarten. Die Veranstaltung war die erste einer Reihe, die der VVV zur Reaktivierung des Stadtmuseums geplant hat.

Langen - Mit der Anreißnadel und dem Rechtscheit hockt Sabine Schulda vor dem Miltenberger Sandstein und markiert die Stelle, bis zu der sie ihn abklopfen will. Dann beginnt die Steinmetzmeisterin, ihn mit Zahneisen, Fäustel, Klüpfel und weiteren Werkzeugen zu bearbeiten. Von Vanessa Kokoschka 

Abschließend hält sie wieder ihr Instrument an den Stein und demonstriert: ,,So muss das aussehen: Da darf keine BILD-Zeitung mehr drunter passen.“ Die Präsentation ist Teil der Veranstaltung „Steinmetzhandwerk und Langener Rotliegendes“. Sie bildet – gemeinsam mit einer Stadtführung – den Auftakt einer Reihe heimatkundlicher Veranstaltungen, mit denen der Langener Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) in Zusammenarbeit mit der städtischen Vhs das Museum Altes Rathaus beleben will.

Rund 30 Zuschauern erklärt die Steinmetz- und Bildhauermeisterin Schulda den Unterschied zwischen den verschiedenen Steinbearbeitungen und Handwerkstechniken. Beim anschließenden Stadtrundgang zeigt Frank Oppermann auf, wo die Steinarten im Langener Stadtbild noch zu finden sind. Der Professor für Architektur an der Hochschule Darmstadt führt die Teilnehmer dafür von der Bachschule über die Stadtkirche bis zur Wallschule. Auf dem Rundgang lernen die Langener ihre Altstadt durch Oppermanns Ausführungen zum Stein neu kennen.

So erklärt der Professor den Neugierigen beispielsweise das Fugenbild am Kelterhaus vom „Hawwerkasten“. Oppermann beschreibt: ,,Im unteren Bereich gehen die Fugen komplett durch, im oberen Bereich ist es ungeordneter.“ Warum das so sei, könne man nicht mit absoluter Sicherheit sagen, aber der Experte vermutet: ,,Entweder waren zwei verschiedene Maurer am Werk oder die Steine kamen aus unterschiedlichen Steinbrüchen.“

Ein paar Schritte weiter steht ein Beispiel für einen typischen Odenwälder Sandsteinbau: die Stadtkirche. ,,Hier lässt sich gut erkennen, wie die Farben der Steine changieren“, erläutert Oppermann und deutet die Längsseite der Stadtkirche hinauf. Zwar sei die Kirche an sich nicht aus dem porösen und herben Langener Sandstein gebaut, dafür aber das Fundament und die Innenseite ihres Turms. ,,Und das schaut an manchen Stellen noch hervor“, weiß Oppermann. Weil der Langener Sandstein langsamer Wasser aufnehme als andere Arten, habe man Schieferplatten zum Fundament hinzugefügt. ,,Dachpappe gab es damals ja noch nicht – und das ist das Geheimnis der Stadtkirche“, sagt Oppermann und verblüfft mit dieser Feststellung sogar Alteingesessene unter den Zuhörern.

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