Stadtrundgang mit Volkskundler

Auf den Spuren Goethes durch Langen wandern

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Auch ohne seinen Rokoko-Dress wusste Gerd J. Grein die Teilnehmer seines Goethe-Stadtrundgangs durch Langen mit humorvollen Anekdoten zu erfreuen. Dir führte vom Wilhelm-Leuschner-Platz durch die Altstadtgassen bis zum Freibad.

Langen - Frankfurts berühmtester Sohn, Johann Wolfgang von Goethe, war nicht nur in der heutigen Bankenmetropole unterwegs. Auch in Langen machte der Dichter Halt. Gerd J. Grein weiß genau, wo sich der große Goethe in der Sterzbachstadt herumgetrieben hat. Von Vanessa Kokoschka

Goethe weilte vor allem in Langen, um sich mit seinem Freund Johann Heinrich Merck aus Darmstadt zu treffen. Dieser ist übrigens mit der Engels-Apotheke verbunden, aus der sich später der Merck-Konzern etablierte. Das alles berichtet Volkskundler Gerd J. Grein auf seiner Führung durch Langen. Allerdings muss der ehemalige Museumsleiter seine Zuhörer enttäuschen. Er trägt nicht das angekündigte Rokoko-Kostüm. ,,In guter Absicht habe ich es in die Reinigung gebracht und wollte es dann um halb eins abholen. Nur um dann festzustellen, dass sie um 12 Uhr schließt“, entschuldigt sich Grein.

Optisch also weniger zeitgenössisch als gewohnt, geht es für die Teilnehmer durch die Altstadt über den Hegweg, am Freibad vorbei und über die Bachgasse wieder zurück zum Wilhelm-Leuschner-Platz. Dabei stoppt Grein regelmäßig und gibt Anekdoten zum Besten. Goethe sei bei seinen Besuchen in Langen entweder in der Gaststätte „Zur Sonne“ oder im Wirtshaus „Zum Stern“, dem heutigen alten Rathaus, abgestiegen, wie die Teilnehmer des Rundgangs erfahren. ,,So genau weiß man das allerdings nicht“, räumt Grein ein. Dafür sei aber sicher, dass Langen auch abseits von Goethe hohen Besuch bekam. ,,Napoleon ist auf seinem Rückzug aus Russland im Gasthof ,Zur Sonne’ abgestiegen“, weiß Grein dafür.

Auch Goethes Eltern waren in der Sterzbachstadt zu Besuch – dreimal, jedes Mal um Urlaub zu machen. Was aus heutiger Sicht skurril klingt, war früher nichts Ungewöhnliches, klärt Grein auf. ,,Die weiteste Reise, die Goethes Eltern unternahmen, war nach Heidelberg. Für uns ist das ein Katzensprung, für sie war das damals eine Weltreise“, berichtet der Heimatkundige. Was Mutter und Vater Goethe genau nach Langen zog, wisse jedoch niemand. ,,Vielleicht um zu schauen, was ihr Bub hier treibt“, vermutet eine Teilnehmerin.

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Goethe hätte gerne schon als 15-Jähriger die Dreieich aufgesucht: um Teil der Arkadier zu sein. ,,Ysenburg von Buri verwaltete den Neuhof und hatte zwei Söhne. Die beiden gründeten damals die Gesellschaft der Arkadier und lehnten das Aufnahmegesuch Goethes ab“, erzählt Grein. Als Goethe bekannter wurde, versuchten von Buris Söhne ihn wiederzugewinnen – der Verschmähte verzichtete jedoch.

In Langen wie auch sonst ging Goethe seiner Leidenschaft, dem Wein, nach. Im hohen Alter allerdings verdünnte Goethe seinen Wein mit Wasser, berichtet Grein. Dafür sei er in einem Wirtshaus von den Studenten am Nachbartisch verspottet worden. ,,Goethe hat den jungen Männern dann folgende Zeilen geschrieben: „Wasser allein macht stumm, das sieht man bei den Fischen im Wasser. Wein allein macht dumm, das sieht man bei den Männern am Tische. Da ich keines von beiden nicht will sein, trink ich Wasser verdünnt mit Wein.“

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