Ständig Ärger mit der Altersfreigabe

Langen - Langener Kinos: „Hier sehen Kinder keine Sachen, die für sie nicht geeignet sind“

Tränen im Kino gibt es nicht nur auf der Leinwand oder im Zuschauerraum (wenn der Film so richtig romantisch ist), sondern oft auch vor der Kasse. Und dort gehen sie häufig einher mit langen Diskussionen, die von Seiten der Besucher manchmal sogar in Beleidigungen oder gar der Androhung körperlicher Gewalt münden. Jürgen Seebacher, Chef der Langener Kinos, kann davon ein Lied singen. Anlass ist fast immer „der dauernde Ärger mit der Altersfreigabe“. Sprich: Kinder oder Jugendliche wollen Filme sehen, die für ihr Alter noch nicht geeignet sind.

Laufen im Neuen UT oder der Lichtburg Streifen, bei denen Ärger programmiert ist, findet sich auf der Internetseite der Langener Kinos ein großer Hinweis. Aktuell ist das bei Twilight so, davor war es Tintenherz. Beide Filme sind von der FSK, der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, ab zwölf Jahren freigegeben.

Dies bedeutet für die Kinomitarbeiter noch einmal erschwerte Bedingungen. Denn der Gesetzgeber hat im Jahr 2003 eine Sonderregelung erlassen. Dadurch dürfen in diese Filme auch schon Kinder ab sechs, aber nur in Begleitung der so genannten Personensorgeberechtigten. „Und das sind in aller Regel nur die Eltern, nicht aber Großeltern oder Geschwister“, erklärt Seebacher. Trotzdem komme es oft genug vor, dass beispielsweise ein 16-Jähriger mit seinem sechsjährigen Bruder ins Kino wolle. „Wir telefonieren dann mit den Eltern und erklären das“, so Seebacher, doch immer wieder bekomme er zu hören: „Das macht kein anderes Kino, nur ihr.“

Dabei habe die Altersfreigabe durchaus ihren Sinn, betont er, auch wenn er sich wie beispielsweise in Österreich noch Zwischenstufen (ab 8, ab 10) wünschen würde. Oft sei das Problem, dass die Bücher schon von Jüngeren gelesen würden. „Aber Buch und Film sind völlig verschiedene Dinge.“ Beim Lesen entwickle sich die Geschichte in der Fantasie auf der Grundlage des bisherigen Wissens und Erlebens. „Wenn da jemand erstochen wird, ist er tot, spielt nicht mehr mit – und die Kinder finden das einfach schade“, sagt Seebacher, der selbst Vater zweier kleiner Kinder ist. Im Film dagegen seien die Fantasien des Regisseurs zu sehen, und der versuche natürlich, technisch alle Möglichkeiten auszureizen. „Das wirkt dann erheblich bedrohlicher als im Buch.“ Im dunklen Kinosaal mit der großen Leinwand sowieso: „Das ist auch ganz anders, als zuhause eine DVD zu schauen.“

Wenn kleinere Kinder mit ihren Eltern in einen Film ab zwölf gehen, sei zumindest hinterher eine Reflektion möglich, sagt Seebacher. „Deshalb bieten wir beispielsweise die Familienkarte an, damit die ganze Familie den Film sieht und hinterher darüber sprechen kann.“

Aber ansonsten gebe es keine Ausnahmen: „Wir haben einen kulturellen Auftrag und das ist ein wichtiger Auftrag“, so der Kino-Chef. „Und wir möchten, dass uns die Leute vertrauen und wissen: Hier sehen ihre Kinder keine Sachen, die für sie nicht geeignet sind. Und dieses Vertrauen setzen wir nicht für vier Euro Eintritt aufs Spiel.“

Ärger gebe es auch oft, wenn 14- oder 15-Jährige in die Spätvorstellung wollen. „Das Jugendschutzgesetz ist zwar total veraltet in dieser Hinsicht, aber es ist ein Gesetz“, sagt Seebacher. „Wir spielen aber im Gegensatz zu vielen anderen Häusern entsprechende Streifen auch im Nachmittagsprogramm, damit Jugendliche sie ohne Begleitung der Eltern sehen können. Mal ehrlich: Wir haben doch alle schon mal im Kino geknutscht, da wollen wir ja nicht, dass die Mutter daneben sitzt.“

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