Verkehr

„Angehupt“ und „zur Seite genötigt“: Initiative fürchtet um Radfahrer-Sicherheit

Zu wenig Abstand zu beiden Seiten: Die Mitglieder der Verkehrswende-Initiative VILE kritisieren, dass Fahrradfahrer wie hier auf der Südlichen Ringstraße gefangen sind zwischen sich öffnenden Türen der parkenden Autos und der Gefahr, viel zu eng überholt zu werden. Der schmale Radstreifen ist ein Beispiel für veraltete Radinfrastruktur.
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Zu wenig Abstand zu beiden Seiten: Die Mitglieder der Verkehrswende-Initiative VILE üben harsche Kritik.

In Langen (Kreis Offenbach) fürchtet die Verkehrs-Initiative VILE um die Sicherheit der Fahrrad-Fahrer. Vor allem ein Problem kann zur großen Gefahr werden.

Langen – Die Verkehrswende-Initiative Langen-Egelsbach (VILE) sammelt aktuell Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Ein wichtiges Anliegen in Sachen Radfahren: Es ist den Mitgliedern in Langen (Kreis Offenbach) nicht sicher genug. Ein großes Problem ist das Überholen durch Pkw.

Normalerweise sollte eine Schwimmnudel, auf den Gepäckträger geklemmt, zwischen einen Radfahrer und ein Auto passen, das diesen überholt. Denn das herausragende Schaumstoffutensil verdeutlicht den Mindestabstand von 1,5 Meter beim Überholen – den aber nur die wenigsten Autos einhalten. Gleichzeitig sollen Radfahrende einen Meter Abstand zu parkenden Autos halten.

Gefahr für Fahrrad-Fahrer in Langen (Kreis Offenbach): Radspur laut Initiative zu schmal

Unter anderem auf der Südlichen Ringstraße in Langen führt das regelmäßig zu Konflikten und gefährlichen Situationen. Die Verkehrswende-Initiative Langen-Egelsbach (VILE) weist nun mit einer Banner-Aktion auf dieses Problem hin. Zum einen will sie Autofahrende sensibilisieren, dass sie Radfahrende nur überholen dürfen, wenn sie genug seitlichen Abstand einhalten können. Zum anderen fordert die Initiative von Politik und Verwaltung eindringlich schnelle Verbesserungen – zum Beispiel auf der Südlichen Ringstraße. Dort ist der Radstreifen so schmal, dass Probleme vorprogrammiert sind.

Radfahrende riskierten so täglich ihre körperliche Unversehrtheit. „Fahrradfahrer haben auf der Südlichen Ringstraße stellenweise nur die Wahl zwischen Pest und Cholera“, sagt Kai Röth von VILE. Entweder sie fahren auf dem sehr schmalen Radstreifen direkt neben parkenden Autos und riskieren einen Unfall durch sich öffnende Türen (sogenanntes „Dooring“). „Oder sie halten den empfohlenen Sicherheitsabstand von einem Meter zu parkenden Autos ein, müssen dafür aber links vom Radstreifen fahren und werden dann von Autofahrern angehupt, eng überholt oder zur Seite genötigt“, so Röth.

Initiative VILE aus Langen (Kreis Offenbach): Fahrrad-Fahrer schweben in ständiger Gefahr

Die Mitglieder der Initiative haben mit einem Zollstock nachgemessen: Die effektive Breite des Radstreifens beträgt an einigen Stellen weniger als einen Meter – und das direkt neben parkenden Autos. In vielen Städten ist mittlerweile der markierte Gefahrenbereich – die „Türzone“, in der man auf keinen Fall fahren sollte – breiter als der Radstreifen. Für Fahrradfahrer bedeute das eine ständige Gefahr, die das Radeln nicht attraktiver macht.

Stephanie Merkel, Vertrauensperson des Radentscheids Langen, verdeutlicht: „Ich bin neulich mit meinen zwei Kindern im Lastenrad auf der B3 mit circa fünf Zentimetern Abstand überholt worden, weil die Autofahrerin sich unbedingt zwischen mir und der Verkehrsinsel hindurchzwängen musste. Hierbei kann einem Angst und Bange werden.“ Dass ihre Kinder alleine so eine Strecke mit dem Rad fahren, sei ihr viel zu gefährlich. „Und da das viele Eltern genau so sehen, erhöht das leider die Frequenz der Elterntaxis“, sagt Merkel.

„Konflikte sind vorprogrammiert“: Initiative VILE ärgert Radstreifen im Kreis Offenbach

Für die Verkehrswende-Initiative ist die Sache klar: Der Radstreifen auf der Südlichen Ringstraße gefährdet Radfahrende und dürfte heute aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr so geplant werden. Als schnelle Sofortmaßnahme fordert die Initiative, dass die Parkplätze rechts neben dem Radstreifen zeitnah umgewidmet werden, zum Beispiel in Fahrradabstellplätze oder entsiegelte Grünflächen. Das sollte nach Ansicht der Mitglieder auch im Interesse der Verantwortlichen bei der Stadt sein.

„Denn wenn dort ein Dooring-Unfall passiert, wird die Frage im Raum stehen, warum es hier noch eine Infrastruktur gibt, die schon lange nicht mehr den Regeln der Radverkehrsplanung entspricht“, so VILE. Oliver Glindemann, ebenfalls Vertrauensperson des Radentscheids Langen, führt aus: „Es kann nicht sein, dass hier ein Radstreifen aufgemalt ist, auf dem man aus Sicherheitsgründen nicht fahren sollte. Das versteht auch kaum ein Autofahrer – Konflikte sind vorprogrammiert.“

Veraltete Radinfrastruktur und gefährliche Straßenraumgestaltungen sind laut VILE an noch viel mehr Stellen in Langen ein Problem. Daher ruft die Initiative alle Langener Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich mit ihrer Unterschrift für den Radentscheid Langen (siehe Kasten) für eine Verbesserung auszusprechen. (Julia Radgen)

Die Initiative und der Radentscheid

Die Verkehrswende-Initiative Langen-Egelsbach (VILE) hat sich im Frühjahr diesen Jahres gegründet, um Langen und Egelsbach schöner und lebenswerter zu machen. Eine zentrale Forderung ist, dass öffentlicher Raum – aktuell hauptsächlich von fahrenden und parkenden Kfz beansprucht – wieder mehr von Menschen genutzt werden kann. Dazu soll der Rad- und Fußverkehr verbessert werden und Straßenräume attraktiv umgestaltet werden. Der Radentscheid Langen wurde von VILE-Mitgliedern initiiert und sammelt derzeit Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Aktuell sind bereits gut 470 zusammen. Ziel ist eine schnelle und deutliche Verbesserung des Ist-Zustands. Mehr Informationen, die detaillierten Forderungen von VILE und die Möglichkeit zur Unterschrift finden sich unter radentscheid-langen.de und in der Facebook-Gruppe „Radentscheid Langen“. (jrd)

Auch im August wurde bekannt, dass die Initiative Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammelte, als VILE öffentlich sichere Alternativen zum Auto forderte.

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