„Cavewoman“ in der Stadhalle

Steinzeit-Humor geht voll daneben

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Wer bei „Cavewoman“ Stefanie B. Fritz auf weiblich-subtilen Feinsinn in der Verarbeitung des Mann-Frau-Konflikts hofft, sieht sich bitter enttäuscht. Punktlandung gelingt der One-Woman-Show allenfalls vereinzelt Heike (Stefanie B. Fritz) vermisst ihren Tom – das Stadthallen-Publikum den Esprit der Bühnendarbietung ...  

Langen - Manche Konflikte sind so alt wie die Menschheit selbst. Schon Adam und Eva hatten mit typischen Beziehungsproblemen zwischen Mann und Frau zu kämpfen: Er der göttliche Konstruktionsfehler, sie stets bemüht, diesen wieder zu reparieren. Von Sina Gebhardt 

Bis heute hat die Evolution daran nichts ändern können und da kommt Stefanie B. Fritz ins Spiel. Die moderne „Cavewoman“ stand dem weiblichen Stadthallenpublikum am Donnerstag mit „praktischen Tipps zur Haltung eines beziehungstauglichen Partners“ zur Seite – Männerbesuch herzlich willkommen.

Einen Tag vor der Hochzeit hat Heike (Fritz) ihren künftigen Gatten Tom vor die Tür gesetzt. Der Grund? Weibliche Logik gepaart mit männlichem Fehlverhalten. Ist doch ganz klar, dass „Hau ab!“ eigentlich „Komm her!“ bedeutet, oder? Natürlich will sie den Liebsten trotzdem heiraten, schließlich wartet frau bereits seit ihrem achten Lebensjahr auf diesen Tag. Die frustrierte Höhlendame schwingt in der Folge die Keule aus gängigen Klischees – Kontrolltick, Schuhfetischismus, Problemzonenanalyse – und trifft voll neben das Schwarze.

Bei der One-Woman-Show nach Emma Piersons „Defending The Cavewoman“ erwartet man das amüsante Aufzeigen stereotyper Verhaltensmuster der Geschlechter und die humoristische Verarbeitung des Mann-Frau-Konflikts. Doch die plump gesetzten Pointen lassen jedwede weibliche Raffinesse vermissen („Sag mal was Schmutziges!“ – „Küche!“) und brechen Fritz das Genick. Dabei kann man der Schauspielerin und Sängerin nicht einmal mangelnden Arbeitseifer zu Lasten legen: Mit vollem Körpereinsatz tanzt und stolziert sie durch ihr Bühnenwohnzimmer mit selbstredend drei Schuhschränken, präsentiert ihr Brautkleid und legt sogar einen Wiener Walzer aufs Parkett. Das Resultat ist jedoch eine unausgewogene Mischung aus pathetischem Melodram und gehaltlosem Witz.

Vereinzelt gelingt Fritz eine Punktlandung, wie bei der imaginären Trau-Szene: Vor die Wahl gestellt zwischen Höhlenmann Tom und ihrem Schuhschrank, legt die Darstellerin eine filmreife, karikaturartige Slow-Motion-Flucht vom Altar zum heißgeliebten Möbelstück hin. Das ist aber auch schon wieder das Ende der guten Ansätze, denn dominiert wird das Stück von aufgewärmten Aufreißer-Sprüchen von vorgestern („Ich heiße Ulf. Den Namen solltest du dir merken, du wirst ihn die ganze Nacht schreien.“), frauenspezifischen 08/15-Gags („Je länger Kleider im Schrank hängen, desto enger werden sie.“) und nicht zuletzt dem vermeintlich lustigen Bilderraten zu Einkaufswaren. Bei richtiger Antwort wird Mann wie der trottelige, dressierte Köter, als der er hier verkauft wird, entsprechend gelobt: „Ja, fein gemacht!“ Und da sag noch einer, die Männer seien das unsensible Geschlecht! Man sehnt sich nach einem Stückchen subtilen Feinsinn, einer Spur des typisch weiblichen Zwischen-den-Zeilen-Lesens – aber Fehlanzeige: Cavewoman macht nur dem Namen des Programms alle Ehre, denn hier wird mit grobschlächtiger Keule steinzeitlicher Humor ausgeteilt.

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