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Vor Gericht: Stimmen haben Übergriff befohlen

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Wegen  bandenmäßigen Drogenhandels von Neu-Isenburg aus stehen sechs Angeklagte vor Gericht.
Wegen bandenmäßigen Drogenhandels von Neu-Isenburg aus stehen sechs Angeklagte vor Gericht. (Symbolbild) © Pixelio

Verschiedene Stimmen im Kopf sagen ihm, was er tun soll: Wegen Vergewaltigung im Zustand der Schuldunfähigkeit wurde am Landgericht Darmstadt ein 25-jähriger Dietzenbacher zur Unterbringung in einer forensischen Klinik verurteilt.

Langen – Der Vorfall spielte sich am 1. April 2022 in der Grünanlage der Langener Asklepios Klinik ab. Das Opfer, ein 20-jähriger Rodgauer, der zu der Zeit dort stationär in der Psychiatrie behandelt wurde, leidet noch heute an den Folgen des sexuellen Übergriffs und ist seitdem obdachlos. Er traf den Beschuldigten zufällig im Raucherbereich, wo dieser ihn ansprach, ob er Lust auf ihn habe.

Schizophrenie in Kombination mit Cannabis-Sucht

Was danach passierte, schildert der mehrfach wegen Beschaffungskriminalität und Körperverletzung vorbestrafte Angeklagte so: „Er war einverstanden, wenn ich ihm für den Geschlechtsverkehr einen Joint für zehn Euro verkaufe. Ich versprach ihm, Marihuana zu besorgen, daraufhin ist der Junge mit mir in den Park gegangen.“ Dort sollen die sexuellen Handlungen einvernehmlich stattgefunden haben, von denen der Dietzenbacher auch Fotos schoss. Die dritte Strafkammer will mehr über sein Sexualleben erfahren. Der Vorsitzende Richter Jens Aßling bohrt nach. „Eigentlich stehe ich auf Frauen, aber die Stimmen im Kopf haben mir gesagt, ich soll den Jungen ansprechen. Da konnte ich nicht widerstehen“, so der Beschuldigte.

Er könne mit den Stimmen zwar kämpfen, aber er verliere diesen Kampf immer. Der Dolmetscher hat teilweise Probleme, die wirren Aussagen vernünftig zu übersetzen. „Der Angeklagte leidet unter einer undifferenzierten Schizophrenie in Kombination mit Cannabis-Sucht“, resümiert der psychiatrische Sachverständige. Dr. Dieter Marquetand prognostiziert eine längere Behandlungsdauer. Alle sechs Monate wird im Maßregelvollzug der Gesundheitszustand begutachtet und über die weitere Behandlung entschieden.

Weitere Fälle

Der Mann wurde nach der Tat in der Vitos-Klinik in Haina eingewiesen und wird voraussichtlich auch dort bleiben. Eigenen Aussagen zufolge ist er therapiewillig. Bereits seit 2018 leidet er immer wieder an Symptomen der Schizophrenie, wurde mehrfach stationär in der Langener Klinik aufgenommen. Bei einem dieser Aufenthalte gab es bereits im vergangenen Jahr ähnliche Übergriffe an zwei weiblichen und einem männlichen Mitpatienten, das Verfahren dazu wurde aber eingestellt, weil man eine Gewaltanwendung anstatt Freiwilligkeit nicht nachweisen konnte.

Das ist im aktuellen Fall anders: Die Behauptung mit der Einvernehmlichkeit räumt der Geschädigte im Zeugenstand ganz schnell aus. Und erklärt, dass er dem Älteren den Joint angeboten habe, nicht umgekehrt. Was die ermittelnden Beamten bestätigen können: „Beim Beschuldigten wurde kein Cannabis gefunden.“

Schnell ist klar, dass nur eine weitere Unterbringung erfolgen kann. Aßling: „Es gibt überhaupt keinen Zweifel, ob der Sex seitens des Opfers gewollt war. Das war er nicht. Und der Zeuge ist absolut glaubwürdig.“ Die Gefahr weiterer Taten sei sehr hoch, da die Stimmen in seinem Kopf auch trotz medikamentöser Behandlung andauern würden. Selbst während der dreitägigen Verhandlung soll der junge Mann sie immer wieder gehört haben.

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