„Fußball im Herzen“:

Strahlkraft des gemeinsamen Hobbys

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Die „Herzenskicker“ von Sonnenblumen- und Janusz-Korczak-Schule.

Langen - Fußball, insbesondere Mädchenfußball, wird an der Sonnenblumenschule von je her großgeschrieben. Von Holger Borchard 

Jüngst hat die mehrfach vom Deutschen Fußballbund prämierte Grundschule im Langener Norden einen weiteren Akzent am runden Leder gesetzt: Unter dem Motto „Fußball im Herzen“ drehte sich eine Woche lang vieles um Gleichaltrige mit Behinderung und das Thema Inklusion. Obendrein lernten die Schülerinnen und Schüler im „Selbstversuch“ die Sportart Blindenfußball kennen.

Ein erster Baustein der Spiel- und Übungsformen im Rahmen der Projektwoche unter der Leitung von Markus Friedmann und Karin Krenn waren inklusive Trainingsinhalte. „Die Kinder haben das mit großem Interesse aufgenommen und erprobt“, berichtet Krenn. Für einen Vormittag hatten sich die Sonnenblumenschüler Gäste von der Janusz-Korczak-Schule eingeladen. Die Nachbarn von der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung trainieren gemeinsam mit ihren Gastgebern unter fachkundiger Anleitung eines Trainerteams aus dem Odenwald um Daniel da Silva. Da Silva und seine Mitstreiter betreuen regelmäßig eine inklusive Mannschaft unter dem Motto „Fußball für alle“.

„Jeder Mensch ist etwas Besonderes und bringt seine eigenen Fähigkeiten in eine Mannschaft ein“, erklärt da Silva dem Nachwuchs. „Für das Training bedeutet das Übungskonzepte, die allen Spielern Erfolgserlebnisse ermöglichen.“ Inklusion beschränke sich im Übrigen nicht auf Menschen mit oder ohne Behinderung, sondern schließe ebenso soziale Herkunft, Geschlecht, Migrationshintergrund und Alter ein. An diesem Vormittag glückt der Versuch, unterschiedliche Menschen mit der gleichen Leidenschaft zusammenzubringen. Besonders deutlich wird das beim Abschlusskick in gemischten Teams. Bei der Verabschiedung gibt es nur strahlende Gesichter. Da Silva verrät derweil, dass er die Inspiration für seine inklusive Trainerarbeit Thorsten Picha vom Hessischen Fußballverband verdankt.

Bilder: Einschulung 2017 in Langen und Egelsbach

Und jener – er ist seit September 2014 Inklusionsbeauftragter beim HFV – bringt wenige Tage später den Herzenskickern der Sonnenblumenschule nahe, wie es ist, Fußball zu spielen, ohne zu sehen. Auf dem Stundenplan steht Blindenfußball – „es kommt auf dein Gefühl im Fuß an, spür’ den Ball, halte ihn nah an den Füßen, er soll dazwischen pendeln und fast dran kleben“‘, leitet Picha einen Jungkicker an. Der Nachwuchs muss erst mal verstehen, wie ein Blinder Fußball spielt. Kein Kontrollblick nach unten, keine Ahnung, in welche Richtung man läuft oder schießt. „Das bekommen die Spieler durch akustische Signale eines sogenannten Guides vermittelt“, erläutert Picha ein Kernstück des Blindenfußballs. „Hinter dem Tor steht ein Sehender, der Kommandos gibt, an denen sich die Kicker orientieren und der Ball klingelt.“

„Das Projekt Fußball im Herzen war ein voller Erfolg“, sind sich Markus Friedmann und Karin Krenn einig. „Es hat den Kindern nicht nur großen Spaß gemacht, sie haben auch eine Vielfalt an neuen Möglichkeiten kennengelernt, sich mit der schönsten Sportart der Welt auseinanderzusetzen“, resümieren die Übungsleiter der Sonnenblumenschule.

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