Potenzialanalyse abgeschlossen

Straßenbahnverlängerung nach Langen könnte teurer werden als geplant

Langen: Die Karte zeigt vereinfacht den in der Potenzialstudie untersuchten Streckenverlauf im Kreis Offenbach.
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Langen: Die Karte zeigt vereinfacht den in der Potenzialstudie untersuchten Streckenverlauf im Kreis Offenbach.

In Langen (Kreis Offenbach) ist die Potenzialanalyse zur Verlängerung der Straßenbahnlinie 17 abgeschlossen. Durch eine Unterführung an den Dreieichbahngleisen entstehen hohe Kosten.

Langen – Nicht nur bei der Regionaltangente West (RTW), sondern auch bei der Straßenbahn will Langen (Kreis Offenbach) mitmischen. Im Februar haben die Stadtverordneten einstimmig beschlossen, dass Langen wie Frankfurt, Neu-Isenburg und Dreieich 14 000 Euro zur entsprechenden Potenzialuntersuchung beisteuert: Sie untersucht, wie die Verlängerung der Straßenbahnlinie 17 nach Langen gelingen kann.

Mit der Erweiterung der Studie soll das Potenzial einer Verlängerung der Straßenbahn um etwa drei Kilometer über Dreieich-Sprendlingen hinaus bis zum Wilhelm-Leuschner-Platz in Langen untersucht werden. Ob eine Verbindung zum Langener Bahnhof möglich und sinnvoll ist, bleibt übrigens späteren Untersuchungen vorbehalten. Neben der Frage der infrastrukturellen Machbarkeit sollten die Gutachter den Nutzen der Verbindung bilanzieren und eine Kostenschätzung abgeben. Doch wie steht es aktuell um das Projekt?

Kreis Offenbach: Anbindung nach Langen verursacht enorme Kosten

Nach Angaben von Bürgermeister Jan Werner wurde den Bürgermeistern der beteiligten Kommunen Ende Juni die abgeschlossene Potenzialanalyse für die Anbindung der Straßenbahn von Frankfurt über Neu-Isenburg und Dreieich bis nach Langen vorgestellt. Werner resümiert: „Eine Anbindung nach Langen lässt sich grundsätzlich herstellen. Allerdings müsste die Straßenbahn mittels einer Unterführung die Dreieichbahngleise kreuzen. Dadurch entstehen enorme Kosten, die aber noch nicht beziffert werden können.“ Die Krux: In der Potenzialanalyse für Langen sei lediglich festgestellt worden, dass eine Anbindung nach Langen nicht teurer als 91,2 Millionen Euro sein darf, um noch einen NKU-Wert (Nutzen-Kosten-Untersuchung) von 1,0 zu erreichen. Die NKU müsse allerdings mindestens 1,0 oder mehr ergeben, damit eine Förderung denkbar wird.

„Eine solche Potenzialanalyse ist als eine erste, noch sehr undifferenzierte Untersuchung zu verstehen. Aus diesem Grund wurde den vier Kommunen nun empfohlen, gemeinsam eine Machbarkeitsstudie zu beauftragen“, sagt Werner. Bis deren Ergebnisse vorlegen, werde es etwa zwei Jahre dauern. Die Kommunen rechnen mit Kosten von insgesamt 300 000 Euro.

Kreis Offenbach: Langener Bürgermeister ist von Straßenbahnlinie überzeugt

Vom grundsätzlichen Nutzen der Straßenbahnlinie ist der Langener Bürgermeister aber genauso wie seine Amtskollegen überzeugt – nicht zuletzt um die Verkehrlast im Ballungsraum auf umweltfreundliche Weise zu bewältigen. „Die Studie bietet unserer Stadt die Chance, die Möglichkeit einer deutlichen Attraktivitätssteigerung unseres Nahverkehrsangebotes auszuloten“, meint Werner. Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann hatte den Zusammenschluss der vier Kommunen zum Projekt als „weiteren Meilenstein der interkommunalen Entwicklung im Rhein-Main-Gebiet“ bezeichnet, mit dem die Städte versuchen, gemeinsam ihre Verkehrsprobleme ökologisch zu lösen.

Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel hatte beim Beitritt der Stadt Langen – für den er sich auch eingesetzt hat – erklärt, sowohl Neu-Isenburg als auch Dreieich würden nur am Rande von den S-Bahn-Linien nach Langen und Darmstadt erschlossen. „Ich kann mir von einer Straßenbahn in Verbindung mit der Regionaltangente West eine spürbare Entlastung vom automobilen Berufspendler und eine Stärkung unseres Einkaufsstandorts vorstellen“, so Hunkel. Sein Dreieicher Kollege Martin Burlon sieht die Straßenbahn vor dem Hintergrund des steigenden Zuzugs als „klimafreundliches Mobilitätsangebot, das die gesamte Region miteinander verbindet“.

Elektromobilität im Kreis Offenbach: Langen könnte Luftreinhalteziele unterstützen

Für die jetzt vier Partner spielt vor allem eine umweltfreundliche Verkehrsalternative im Ballungsraum Rhein-Main eine wichtige Rolle: „Eine Straßenbahnverbindung von Frankfurt über Neu-Isenburg bis nach Dreieich und Langen könnte ein zukunftsweisendes Angebot für die vielen Pendlerinnen und Pendler sein, die heute täglich im Westkreis Offenbach unterwegs sind oder von dort nach Frankfurt fahren. Dieses e-mobile Angebot würde auch die Luftreinhalteziele enorm unterstützen“, erklärten die Stadtoberhäupter gemeinsam.

Aber klar ist auch: Den Traum von der Straßenbahnverlängerung können sich die Kommunen nur mit finanzieller Unterstützung des Landes leisten. Da die Landesregierung stets betone, den Ausbau des Schienennetzes vorantreiben zu wollen, hoffen die Stadtoberhäupter auf Fördergeld.

Langen: Investition für die Klarheit

Aber zurück nach Langen: Im nächsten Schritt stellen die Planungsbüros den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt, Bau und Verkehr (UBV) in dessen nächster Sitzung am 1. September die Potenzialanalyse vor. Dann müssen die Stadtverordneten entscheiden, ob sie weitere rund 75 000 Euro für die Machbarkeitsstudie investieren wollen. Erst diese gibt nach Angaben des Langener Magistrats Klarheit über die Kosten für den Bau und die Unterhaltung sowie die Förderfähigkeit einer Straßenbahnanbindung. (Julia Radgen)

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