Ausnahmezustand in der Region

Sturmtief: Heftige Schäden, leblose Frau, schwerverletzter Junge

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Das Sturmtief „Fabienne“ wütete heftig in der Region

Offenbach - Der Deutsche Wetterdienst hatte vor einem Unwetter am Sonntag gewarnt, Langen, Urberach, Münster und Babenhausen hat es im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung am schlimmsten erwischt. Zudem wird ein achtjähriger Junge in Offenbach schwer verletzt.

Ein Unwetter, das etwa eine Viertelstunde wütete, hinterließ Spuren der Verwüstung: abgetragene Dächer, umgestürzte Bäume und Bauschilder, demolierte Autos. Sturmtief „Fabienne“ kam gegen 16.45 Uhr mit voller Wucht, wie ein Anwohner aus Langen berichtete. Er habe gerade mit seiner Frau und seinen beiden Kindern etwas in der Küche gegessen, als feuchte Dämmstoffteile gegen die Fenster klatschten. „Uns wurde angst und bange.“ Es habe sehr stark geregnet, Bäume fielen um, gegenüber riss es das Dach vom Haus, so der 39-Jährige. In Dreieich rückte die Feuerwehr zu 46 Einsätzen aus. Durch abgedeckte Dächer und umgestürzte Bäumer kam es zu erheblichen Schäden. Unter anderem war Im Stadtgässchen ein Baum auf fünf Autos gestürzt. Der Sachschaden wird auf mehrere 10.000 Euro geschätzt.

Um 16.50 Uhr erklärte die Rettungsleitstelle in Dietzenbach den Ausnahmezustand, wie Günter Fenchel, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Offenbach, sagte. Etwa 100 Notrufe gingen ihm zufolge ein. Eine Reihe von Fahrzeugen wurde durch herabfallende Bäume oder Äste beschädigt. In einigen Fällen galt es aber auch, Keller oder Unterführungen – wie etwa in Mühlheim – auszupumpen. „Wir haben trotz allem noch großes Glück gehabt“, sagte Fenchel. Verletzte wurden hier nicht gemeldet. Daher konnten viele Feuerwehrleute aus dem Kreis Offenbach in benachbarten Orten zur Verstärkung eingesetzt werden. Mehr als 250 Helfer waren insgesamt im Einsatz, darunter auch in Großostheim sowie in den Kreisen Groß-Gerau und Darmstadt-Dieburg. Dort waren bereits 450 Helfer von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Sanitätsdienst zugange.

Weniger Glück hatte ein siebenjähriger Junge in Offenbach. Er radelte auf der Rumpenheimer Straße als ihn ein herabfallender Ast am Kopf traf. Dabei wurde er schwer verletzt - seit Montag ist er jedoch wieder zu Hause. In der Offenbacher Leitstelle gingen ab 15 Uhr Notrufe ein. Es kam in Anschluss bis etwa 18.30 Uhr zu 17 Einsätzen. Es handelte sich dabei um die üblichen Unwetterszenarien wie umgestürzte Bäumen und Bauzäune, herabgefallene Äste sowie Wasser im Keller. Die Einsätze waren über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Während der Unwettereinsätze löste auch eine Brandmeldeanlage aus. Dies stellte sich glücklicherweise als Fehlalarm raus. Die Berufsfeuerwehr wurde bei den Einsätzen von der Freiwilligen Feuerwehr Bieber unterstützt.

Sturmtief „Fabienne“ richtet Schäden in Langen an: Bilder

„Fabienne“ hatte auch heftig in Münster, Babenhausen, Eppertshausen und Schaafheim getobt. Die John-F.-Kennedy-Schule in Münster bleibt heute aus Sicherheitsgründen geschlossen, da das Dach stark beschädigt ist. Rettungskräfte finden am frühen Sonntagabend auf der L3116 zwischen Schaafheim und Babenhausen eine 46-jährige Frau leblos in ihrem Auto auf.

Gebeutelt waren auch die Bewohner des Landkreises Aschaffenburg. Alleine in Großostheim waren elf Drehleitern vor Ort, um abgedeckte Dächer sichern und provisorisch abdichten zu können. Auf dem Flugplatz Ringheim hatte sich ein Flugzeug überschlagen; der Schwimmbagger eines Kieswerkes wurde umgeweht. Rund 600 Helfer waren an mehr als 300 Orten im Einsatz. In den Gemeinden Heimbuchenthal und Dammbach fiel der Strom aus. In Stockstadt wurde ein 55 Jahre alter Mann aus Groß-Rohrheim in seinem Wagen eingeklemmt und schwer verletzt.

Sturmtief „Fabienne“: Schäden in Südhessen in Bildern

In Darmstadt-Eberstadt stürzte ein 12 Meter langer Ast auf ein Hausdach und zwei Autos in der Heidelberger Landstraße. Wegen der Gefahr, die von dem Baum ausging, mussten Gebäude geräumt werden. Es wurden keine Personen verletzt. In Darmstadt-Bessungen sind Teile eines Daches auf mindestens elf Autos gestürzt. Das Haus ist unbewohnbar. In Weiterstadt wurde das Dach einer Apotheke abgedeckt. Rund 100 Bewohner wurden insgesamt jedoch in Notunterkünfte gebracht. Insgesamt gingen in Darmstadt laut Polizei mehr als 160 Notrufe ein. Auf der B459 zwischen Ober-Roden und Eppertshausen lagen etwa 50 Bäume auf der Fahrbahn. Die Dauer der Sperrung war unklar, am Montagmorgen war die Strecke weiterhin dicht. Auch auf die A5 zwischen Heidelberg und Darmstadt fielen Bäume.

„Fabienne“ hat auch zahlreiche Ausfälle und Verspätungen im Flug- und Bahnverkehr verursacht. Am Frankfurter Flughafen wurden laut dpa etwa rund 130 Flüge annulliert. Nicht befahrbar war die Bahnstrecke zwischen Büdingen und Mittel-Gründau. Auch musste der Betrieb der Riedbahn zwischen Mörfelden und Groß-Gerau von zwei auf ein Gleis umgestellt werden. Fernzüge wurden über die Main-Neckar-Bahn umgeleitet. Auf der Strecke Gießen-Fulda kollidierte zwischen Lauterbach und Bad Salzschlirf ein Zug mit einem Baum. Verletzt wurde niemand. Im Bad Hersfelder Stadtteil Kathus rutschte nach lang anhaltendem Regen eine Schlammlawine auf eine Straße. Die Feuerwehr musste mit Radschaufelladern die Fahrbahnen wieder säubern. (cz/dr)

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