Zermürbende Suche nach U3-Plätzen

Rechtsanspruch – und keinen juckt’s

Langen - Eltern von Kleinkindern brauchen auf der Suche nach U3-Plätzen starke Nerven. Kerstin Holland erzählt von ihren zermürbenden Erfahrungen. Von Cora Werwitzke 

Für Kerstin Holland sind Behördengänge inzwischen ein rotes Tuch – in erster Linie, weil sie nach ihren Worten jedes Mal sinnlos Nerven kosten. Die Langenerin bemüht sich seit über einem Jahr um einen Betreuungsplatz für ihren kleinen Sohn (2). Ihr Lebensgefährte und sie haben den Rechtsanspruch auf einen U3-Platz erfolglos eingeklagt. Jetzt – wenige Wochen vor dem dritten Geburtstag des Sohnemanns – rückt auch noch der sicher geglaubte Ü3-Platz außer Reichweite. Zu allem Überfluss sitzt dem Paar auch noch das Arbeitsamt im Nacken.

Damit spitzt sich die Lage bei der fünfköpfigen Familie auch aus wirtschaftlicher Perspektive zu. „Ich frage mich immer, wie das andere machen“, sagt die berufstätige Mutter sichtlich angefressen. Das Familienleben zu organisieren, raubt durch die fehlende Planungssicherheit viel Kraft, erzählt sie. Ein Schicksal, das Hollands mit etlichen Eltern teilen, die auf Betreuungsplätze für ihre Kleinkinder vertraut haben.

Ellenlange Wartelisten

Wie die Langenerin schildert, meldete sie ihren Sohn frühzeitig für einen U 3-Platz an. Bei der Stadt erfuhr sie wenig überraschend, dass weder Krippenplätze noch Kapazitäten bei Tagesmüttern oder Babysittern frei seien. Die Wartelisten waren und sind ellenlang, bei der Vergabe der Plätze spielen neben der Wartezeit weitere Kriterien eine Rolle („Prioritäten-Liste“). Als Mitglied beim Mütterzentrum bekam Kerstin Holland den Tipp, ihr Kind bei einem Spielkreis anzumelden – dort ist es seitdem drei Mal in der Woche für je drei Stunden.

Unabhängig davon klagte das Paar gegen den Kreis Offenbach – „vergeblich, wir wurden auf eine Tagesmutter mit freien Kapazitäten verwiesen“, berichtet Kerstin Holland: „Halbtags in Dietzenbach – das war völlig weltfremd“, schickt sie hinterher. Zwei Tagesmütter in Dreieich hätten ihren Sohn gerne aufgenommen, bekamen vom Jugendamt aber kein grünes Licht, um auf fünf Kinder aufzustocken. Es folgte die Hiobsbotschaft, dass durch Engpässe im Langener Ü3-Bereich nicht etwa im März zum dritten Geburtstag des Sohns ein regulärer Kita-Platz frei wird, sondern frühestens im September. „Die Misere nimmt kein Ende“, sagt Holland – und spielt damit darauf an, dass ihrem arbeitslosen Lebensgefährten jetzt auch noch das Arbeitslosengeld gestrichen werden soll. „Wie soll er denn überhaupt arbeiten gehen, wenn er zwangsläufig zu Hause eingespannt ist?“, fragt die Mutter lakonisch.

Klagen auf einen Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Im Rathaus hört Sandra Wettlaufer, Fachdienstleiterin für Kinderbetreuung, solche Schilderungen öfters. „Auf unserer zentralen Warteliste für den U 3-Bereich stehen 225 Kleinkinder – 86 sind noch unter einem Jahr alt, 139 sind Ein- bis Dreijährige“, berichtet sie. Dem gegenüber stehen 188 Betreuungsplätze, die aber nach den Worten der Fachdienstleiterin angesichts des Erziehermangels (insgesamt 20 Fachkräfte zu wenig) nicht alle belegt werden können. Fehlendes Personal ist auch die Ursache dafür, dass Dreijährige erst nach den Sommerferien in den „großen Kindergarten“ wechseln können: „Dann geht der älteste Jahrgang in die Schule und macht Platz für neue Kinder.“ Das ist laut Sandra Wettlaufer mittlerweile gängige Praxis.

Sind der Stadt und den Eltern also die Hände gebunden? Auf Anfrage gibt es in der Tat nicht viel, was die Fachdienst-Mitarbeiter empfehlen können. Es lohnt sich aber, folgende Tipps (wenn nicht längst geschehen) zu beherzigen:

  • Kind frühzeitig anmelden (vor der Geburt nicht möglich)
  • Bei der Tagespflegevermittlung im ZenJA vorstellig werden
  • Erörtern, ob es im Berufsumfeld der Eltern eine Betriebskita gibt
  • Recherchieren, ob in einer anderen Stadt (etwa am Arbeitsplatz) Kitaplätze frei sind. Den fälligen Kostenausgleich zwischen den Städten gewährt das Rathaus in der Regel.

Wer mit dem Gedanken spielt, den Rechtsanspruch auf einen U3-Platz beim Kreis einzuklagen, interessiert sich vermutlich für die Erfolgsaussichten: Wie Ralf Krambs von der Presseabteilung des Kreises auf Anfrage berichtet, kam es seit Inkrafttreten des Rechtsanspruchs im August 2013 erst zu fünf gerichtlichen Auseinandersetzungen. „Der Kreis hat noch keine verloren, er konnte immer Kapazitäten bei Tagesmüttern zur Verfügung stellen.“ Zu einer Klagewelle, wie seinerzeit befürchtet, sei es nicht gekommen.

Kerstin Holland kann darüber nur den Kopf schütteln. Sie wird weiter an Amtstüren klopfen: „Wir brauchen hier und jetzt Unterstützung – nicht irgendwann“, macht sie deutlich. Bisher sei ihr Eindruck, dass „unsere Probleme einfach nirgendwo jemanden interessieren“.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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