Gegen Populismus und Ausgrenzung

Theater auf dem Pausenhof

+
Fingierte Notaufnahme im Atrium: Das brisante Thema schlechte medizinische Versorgung pickte sich eine Gruppe des DS-Kurses für ihre Szene heraus.

Von Seenotrettung über Populismus bis zu Plastikmüll: 43 Dreieichschüler des Kurses Darstellendes Spiel haben sich gesellschaftspolitischen Themen auf neue Weise genähert. Innerhalb von sechs Wochen haben sie recherchiert, Szenen entwickelt und sie aufgeführt – in ungewohnter Atmosphäre.

Langen - Unter Jubel tritt der Schüler mit Trump-Maske vor die Menge. Er winkt und nickt dem Publikum zu. „Herr Trump, eine Frage“, sagt ein Schüler in der Rolle eines Journalisten. „Die Bäume sind nicht im besten Zustand. Was sagen sie dazu?“ Ach, das sei kein Problem, dröhnt es unter dem Antlitz des US-Präsidenten hervor: „Den Klimawandel gibt es doch gar nicht!“ In der Szene danach, vier Jahre später, wiederholt der Reporter seine Frage: „Diese Bäume hier sind alle umgefallen!“ Darauf hat Trump keine Antwort. Die Zuschauer bewerfen ihn und buhen ihn aus, bis er die Bühne verlässt. „Sag Nein zu Populismus!“, steht auf dem Schild, das ein Akteur dann hochhält. Die Botschaft, die die Elftklässler mit dieser Szene vermitteln wollen.

Die kurze Aufführung ist eine von sechs, die sich der Kurs Darstellendes Spiel (DS) der Q1 für ein besonderes Unterrichtsprojekt ausgedacht hat. Im Rahmen des Jungen Kultursommers Südhessen hatten die Jugendlichen sogar ein kleines Budget zur Verfügung, von dem sie Material kauften. Doch das Besondere waren die Umstände: Die Jugendlichen spielten auf dem Schulhof, eine Gruppe im Atrium des Gymnasiums. „Es war eine ganz andere Atmosphäre, als auf einer Bühne zu stehen“, sagt Schülerin Ellen.

Langen: Schüler gegen Populismus 

Die Jugendlichen hatten nur eine Doppelstunde Zeit, um ihre Aufführung zu proben. Innerhalb einer Woche haben alle Gruppen ihre Szenen vorgetragen. Groß angekündigt hatten sie die Performances nicht, sodass sie ihre Mitschüler überraschten – dabei waren die Teil des Projekts. Deshalb waren manche der jungen Darsteller nervöser also sonst, geben sie zu. „Wir haben uns Gedanken gemacht: Was ist, wenn keiner mitmacht? Aber es lief sehr gut“, erzählt Jasmina lächelnd. Ihr Mitschüler Daniel ergänzt: „Es war sehr ungewöhnlich, vor einem Publikum zu spielen, das nicht Bescheid weiß. Aber es war auch befreiend und viel besser, als wir erwartet hatten.“

Jede der Gruppen hatte nur eine 15-Minuten-Pause zur Verfügung. Nicht viel Zeit, um die wichtigen Themen herunterzubrechen, die sich die Schüler selbst ausgesucht hatten. Einige stammen aus den Millenniums-Entwicklungszielen der Vereinten Nationen – wie die Gleichstellung der Geschlechter. „Wir waren uns schnell einig, dass wir etwas zu 100 Jahren Frauenwahlrecht machen wollten“, erklärt Gruppenmitglied Leonie. „Denn hier ist es heute selbstverständlich, dass Frauen wählen dürfen – in anderen Ländern nicht.“ In ihrer Szene ließen sie nur männliche Schüler an einer Abstimmung teilnehmen – Mädchen und Frauen waren ausgeschlossen. Gegen diese unfaire Wahl protestieren dann Aktivistinnen: „Wir haben auch eine Stimme!“

Ein anderes Herzensthema der Jugendlichen ist die Seenotrettung von Flüchtlingen: In der Szene überquert eine Gruppe Schüler in einem rollenden Schlauchboot den Schulhof. Vor einem Zaun treffen die Neuankömmlinge auf zwei Gruppen: Die einen halten in Form von Transparenten Werte wie Freiheit, Liebe und Menschlichkeit hoch; die anderen Zitate von Politikern, die offene Migrationsgegner sind. Etwa „Rassismus ist eine Erfindung der Linken“, ein Ausspruch von Matteo Salvini. Am Ende werden die Flüchtlinge aber freundlich und mit viel Händeschütteln begrüßt.

Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung

Mit den Szenen zeichnen die Jugendlichen auch die Welt, die sie sich wünschen. Eine, in der Menschen nicht mehr wegen ihrer Hautfarbe oder ihres Nachnamens einen Job nicht bekommen. Und in der keine Plastikmassen im Meer landen. Die entsprechende Projektgruppe verteilte bei ihrer Aktion Jutebeutel: „Damit zeigen wir den jüngeren Kindern: Es gibt Möglichkeiten, Plastik zu vermeiden“, sagt Marlena.

Lehrerin Katrin Aurich ist stolz: „Die Schüler haben engagiert mitgearbeitet und viele ihrer Pausen geopfert.“ Nebenbei haben sie sogar ein bisschen Werbung für ihre Disziplin gemacht. Eine Gruppe von Schülerinnen erzählt, dass einige Fünftklässler ganz begeistert waren: „Sie wollen nun auch Darstellendes Spiel wählen. Das ist ein tolles Feedback für uns!“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare