Till Brönner und das Giovanni Weiss Quartett

Virtuose Gratulanten in der Stadthalle

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Trotz kürzester Probenzeit harmonierten Trompeter Till Brönner und Gitarrist Giovanni Weiss auf der Stadthallen-Bühne.

Langen - Die Echo-Gewinner Till Brönner und Giovanni Weiss gastierten zur Feier des 40-jährigen Bestehens der Jazz-Initiative Langen in der Neuen Stadthalle, wo sie ein musikalisches Feuerwerk entzündeten. Von Sebastian Krämer

Es kommt nicht besonders häufig vor, dass Startrompeter Till Brönner im Sitzen und mit Notenständer spielt. Wenn er dann allerdings während des dreistündigen Konzertes in der Neuen Stadthalle Langen auch noch komplett auf Gesangseinlagen verzichtet, muss es sich schon um einen besonderen Anlass handeln. Schließlich stand der 40. Geburtstag der Jazz-Initiative Langen an. Was mit einer kleinen Schar begeisterter Musikfans begann, hat sich binnen vier Jahrzehnten zu einem Verein mit mehr als 200 Mitgliedern gemausert. Jazzgrößen wie Emil Mangelsdorff oder Klaus Doldinger gastierten in der Alten Ölmühle, Heimstatt und gute Stube der Langener Jazzfreunde. Bei derart prominenten Zugpferden wie Brönner und dem Giovanni Weiss Quartett musste man allerdings in die größere Stadthalle ausweichen. Und im Publikum war zu erkennen, dass sich Brönner darauf versteht, jüngere Generationen für den Jazz zu begeistern. „Till, we love you!“, schallte es nach der Pause aus dem Saal. Bei so viel Begeisterung ließen sich die Musiker nicht zweimal bitten.

Das Programm war neben einigen wenigen Eigenkompositionen vor allem eine Liebeserklärung an die Standards des Jazzrepertoires. Wobei Brönner und Weiss in ihrer Moderation betonten, dass der Begriff „Standard“ vollkommen zu Unrecht einen negativen Beiklang habe. Hörte man, wie Saitenstreichler Giovanni Weiss im virtuosen Höchsttempo über das Griffbrett seiner Gitarre flog, konnte man sich dieser Meinung nur anschließen. Bekannt und dennoch erfrischend neu klangen Hits wie „Autumn Leaves“ in der Interpretation seines Quartetts.

Der 1980 in Hamburg geborene Sohn einer Sinti-Familie erinnert in seiner Spielweise ein wenig an Jazzlegende George Benson und wurde 2013 mit einem „Echo Jazz“ als bester Gitarrist ausgezeichnet. Gemeinsam mit seinem Bruder Jeffrey (Bass), Silvan Strauss (Drums) und Boris Netsvetaev (Piano) hat er sich der Musik Django Reinhardts verschrieben. Dabei stehen Jeffrey Weiss mit seinen rasanten Basslinien, Silvan Strauss mit genialen Grooves und der raffinierte Klangalchemist Netsvetaev ihrem Frontmann in nichts nach. So wurden mal Latin-Rhythmen eingewoben oder mehrstimmige Klavierfiguren herausgearbeitet. Strauss und Jeffrey Weiss zeigten zudem, dass es keiner ausladenden Soli bedarf, um ihr Können zu beweisen. Startrompeter Brönner fügte sich nahtlos ein, obwohl nur wenig Zeit für gemeinsame Proben war. Vielleicht war es gerade dieser Charakter einer Jamsession, der dem Auftritt eine ganz besondere Atmosphäre verlieh.

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