Lern- und Begegnungszentrum

Trotz Geldmangels: Bücherei-Team will Konzept ausbauen

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Vielfältiger Bestand, bequeme Arbeitsplätze: Die Stadtbücherei ist rege frequentiertes Lern-, Informations- und Freizeitzentrum – eine Entwicklung, die die Verantwortlichen mit der Fortschreibung ihres Bibliothekskonzepts weiter fördern wollen.  

Langen - Paradox, aber Fakt – und selbstverständlich Grund zur Freude: Die Stadtbücherei kann wachsende Nutzerzahlen und Medienausleihen aufweisen, obwohl die schlechte Finanzsituation der Stadt zur Kürzung des Medienetats geführt hat. Von Holger Borchard 

Den fordernden Rahmenbedingungen begegnen Büchereileiter Thomas Mertin und sein Team mit einem innovativen Konzept, das unter anderem Anleihen in Skandinavien nimmt. „In den nordischen Ländern Europas versteht man Bibliotheken viel stärker als Räume des Aufenthalts und der Begegnung als bei uns“, sinniert Thomas Mertin. „Dort ist eine Bücherei Lern-, Informations- und Freizeitzentrum – und in diese Richtung wird auch hierzulande die Reise gehen“, ist der Büchereileiter überzeugt.

Schon jetzt nutzen viele der rund 4 500 Besitzer eines Leserausweises die Stadtbücherei zum Lesen, Recherchieren, Stöbern und Lernen. Sie besuchen Lesungen, Vorträge oder Kinderveranstaltungen und leihen Bücher, Zeitschriften, DVDs oder Online-Medien aus. Möglich macht das ein intelligentes Nutzungskonzept, das Mertin & Co. erarbeiten und in den vergangenen Jahren umgesetzt haben. „Alles begann 2008 mit einem Treffen von Vertretern aus 20 hessischen Städten“, schildert Mertin. „Seinerzeit wurden Konzepte entwickelt, die basierend auf gemeinsamen Erfahrungen und allgemeinen Grundlagen auf die speziellen Belange jeder einzelnen Bücherei zugeschnitten waren.“ Festgeschrieben auf die Zeit von 2012 bis 2015, hat das Langener Konzept hervorragende Dienste geleistet, sind sich Mertin und dessen Dienstherr, Bürgermeister Frieder Gebhardt, sicher. „Nun war es an der Zeit, unsere Prämissen und Zielfestlegungen für die kommenden vier Jahre bis 2019 weiterzuschreiben – und das haben wir getan“, berichtet Mertin.

Effiziente Arbeitsabläufe, zeitgemäße technische Ausstattung und Kreativität lauten einige der Prämissen. Ganz wichtig: „Die Servicequalität darf nicht auf der Strecke bleiben“, betont Mertin. Steigern wollen die Verantwortlichen den Bekanntheitsgrad der Bücherei durch Veranstaltungen – bei derer sage und schreibe 200 pro Jahr steht man schon jetzt. „Diese Quote, verbunden mit steigenden Nutzer- und Ausleihzahlen, ist das Verdienst unseres gut ausgebildeten, hoch motivierten und freundlichen Teams“, spart Mertin nicht mit Lob.

Autorenlesungen, Ausstellungen, Bilderbuchkino oder Büchereiführungen stehen auf dem Programm. Weiterer Baustein des Netzwerks ist die enge Zusammenarbeit mit den Langener Kitas und Schulen. Gleiches gilt für die Verzahnung mit Vhs und Seniorenbegegnungszentrum Haltestelle, wobei insbesondere mit Blick auf die ältere Generation in den nächsten Jahren weiteres Potenzial gehoben werden soll. „Erreichen wir die geplanten Kennzahlen bis 2019, wird die Stadtbücherei sich wie erhofft als modernes Lern-, Informations- und Freizeitzentrum etablieren“, ist Uwe Sandvoß, Leiter des städtischen Fachdienstes Kulturelle Bildung, überzeugt.

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Circa 53.000 Medien für Kinder, Jugendliche und Erwachsene umfasst der Ausleihebestand der Stadtbücherei – Bücher, Zeitschriften, Hörbücher, Musik-CDs, DVDs, eBooks und eReader; Fach- und Lehrbücher außerhalb des Bestands können per Fernausleihe besorgt werden. Etwa 1 460 Stunden im Jahr ist der Langener Bücherhort geöffnet, dies zum Teil zu Zeiten, die gerade für Schüler und Berufstätige attraktiv sind. „Das Online-Portal zur Verlängerung ausgeliehener Medien ist gut genutzt, ebenso der E-Mail-Newsletter zum Veranstaltungsprogramm oder spezielle Angebote, wie Themenpakete für Schulen und Kitas“, fasst Mertin zusammen.

Ebenfalls im Fokus stehen die Themen „Sprachen lernen“ und „Deutsch als Fremdsprache“. „Integration, besonders mit Blick auf die Sprach- und Lesekompetenz, ist ein wichtiges Thema – Tendenz steigend“, sagt Mertin. „Durch die Zuwanderung von Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten können und müssen Büchereien durch ihr Medien-, Veranstaltungs- und Platzangebot verstärkt als wichtige Ressourcen im Bildungssektor wahrgenommen werden.“ Das Bibliotheksteam arbeite hierfür eng mit Partnern, wie den Anbietern von Deutschkursen, den Langener Buchhandlungen oder der Haltstelle zusammen. „Eines unserer Ziele im aktualisierten Konzept ist, dass jeder Teilnehmer eines Deutschsprachkurses mit seiner Lernklasse mindestens einmal in die Stadtbücherei kommt“, so Mertin.

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