Aufklärung über bedrohte Tiere

Auf Tuchfühlung mit einem Hai: Tauchtag im Freibad

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Nur wenige Tauch-Interessierte fanden den Weg ins Langener Freibad – sehr zum Bedauern von Dieter Hahn, Leiter der SKG-Tauchabteilung. Die Kooperation mit dem Langener Tauchverein Die See-Igel soll für den Unterwasser-Sport begeistern.  

Langen - Unter Wasser einem Hai begegnen – was für die einen einem Albtraum gleichkommt, ist für die anderen ein faszinierendes Erlebnis. Der mittlerweile siebte Tauchertag im Langener Freibad macht es mit einer lebengroßen Hai-Attrappe möglich. Von Timo Kurth 

Und poliert nebenbei das Image der Tiere auf. Beim Tauchen einem Hai zu begegnen, ist für viele immer noch eine Horrorvorstellung. Das liege nicht zuletzt an dem Bild eines mörderischen Ungeheuers, das Medien und Filmemacher immer noch zeichnen. Für Dieter Hahn, Abteilungsleiter der SKG-Taucher, sind solche Unterwasserbegegnungen dagegen ein fantastisches Erlebnis. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, diese Tiere aus der Nähe zu beobachten“ sagt der erfahrene Tauchlehrer, der die Raubfische gerne unter Wasser fotografiert.

Im Langener Freibad erhalten Anfänger die Möglichkeit, dieses Gefühl zumindest ansatzweise nachzuvollziehen. Beim Tauchertag der SKG Sprendlingen und des Langener Tauchsportvereins Die See-Igel „schwimmt“ die Attrappe eines lebensgroßen Riffhaies unter der Wasseroberfläche des Springerbeckens. „Die sind schon so groß wie ein ausgewachsener Mensch“, erklärt Hahn beim Blick ins Wasser, während ein Tauchanfänger seine ersten Erfahrungen sammelt.

Denn das erste Ziel der Veranstaltung ist es, mehr Menschen für den Sport zu begeistern. Beim mittlerweile siebten Tauchertag blicken die Veranstalter allerdings auf ein fast leeres Freibad. „Neptun ist heute leider nicht mit uns“, sagt der Tauchmeister leicht bedröppelt beim Blick in den Himmel. Dichte Wolken haben sich dort breitgemacht und sorgen für niedrige Temperaturen knapp unter 20 Grad. „Kein Schwimmbadwetter. Wir hatten eigentlich auf 200 bis 300 Leute gehofft. Egal, wir machen jetzt das Beste daraus.“

Schade ist das kümmerliche Besucheraufkommen allemal. Denn neben den kostenlosen Schnuppertauchkursen leistet der Tauchertag wichtige Aufklärungsarbeit zum Thema Hai. Die Taucher haben sich zu diesem Zweck die Artenschutzorganisation Sharkprojekt ins Boot geholt. Diese macht es sich zur Aufgabe, den Ruf der Tiere gerade zu rücken, über sie aufzuklären und ihren Lebensraum zu schützen. „Haie sind akut gefährdet. Business schlägt Meeresschutz, das ist leider immer noch so“, berichtet Hahn, der sich nebenbei ehrenamtlich als Referent für die Initiative engagiert.

Besonders in China sind Haiflossen eine teuer gehandelte Delikatesse. Den Fischen wird dafür bei lebendigem Leib die Flosse abgetrennt. „Ein Kilogramm Haiflosse ist vielerorts mehr wert als ein Kilogramm Kokain“, berichtet Hahn. Nachdem den Haien ihre Flossen abgeschnitten wurden, werden sie zurück ins Meer geworfen.

Das öffentliche Bild des Haies sei gänzlich falsch, betont Hahn. „Der Hai ist nicht gefährlich für den Menschen. Es ist genau umgekehrt.“ Menschenfresser? Fehlanzeige. „Es gibt acht Todesfälle durch Haie – und das per anno weltweit. Durch Hunde sterben in derselben Zeit gut 25 000.“ Die wenigen Unfälle mit den Tieren sind für das Team von Sharkprojekt meistens auf die Unerfahrenheit von Menschen zurückzuführen „Es gibt Studien, die belegen, dass Haie gar nicht auf Menschenblut reagieren.“ Angst vor den Tieren ist für Hahn unbegründet und das Resultat von Horrorfilmen und blutrünstigen Reportagen.

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Die Haie zu schützen, ist auch aus einem anderen Grund wichtig: Sie sind für das Gleichgewicht im Meer unerlässlich. „Ein Korallenriff, aus dem die Haie verschwinden, ist statistisch nach einem Jahr tot“, berichtet der Tauchlehrer. Zu kämpfen haben Haie – wie alle Meeresbewohner – mit der Überfischung der Ozeane und der zunehmenden Verschmutzung durch Plastikmüll. „Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist mindestens zwei vor zwölf“ appelliert Hahn an die Vernunft. Vor allem Kinder möchten die Taucher für ihren Sport begeistern und auf das Umweltproblem aufmerksam machen. „Denen übergeben wir früher oder später diesen Planeten.“

Echten Haien zu begegnen, ist dabei gar nicht so schwer: Die SKG-Tauchabteilung veranstaltet regelmäßig Expeditionen auf den Malediven oder den Philippinen. Mit Leih-Ausrüstung des Vereins sehen die tauchlustigen Gleichgesinnten bei diesen Unterwasserabenteuern regelmäßig auch Haie. „In so einem Springerbecken macht das natürlich nur halb so viel Spaß wie draußen in der Natur“, sagt Dieter Hahn. Bis es so weit ist, müssen die Tauchanfänger aber noch im Schwimmbad üben.

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