„Nur Gewinnmaximierung im Sinn“

BUND und Grüne weisen Vorwürfe von Sehring zurück

Langen - Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: In einer gemeinsamen Erklärung weisen Umweltschutzverbände und Grüne die Vorwürfe der Sehring AG im Streit um den Sand- und Kiesabbau im Bannwald scharf zurück. Mitunterzeichner ist dabei der Naturschutzbund (NABU), den Vorstandsvorsitzender Stefan Sehring in seiner Stellungnahme noch auf seiner Seite wähnte.

Entzündet hatte sich der neuerliche Streit an der Rodung von Bäumen auf dem Wall zwischen Waldsee und derzeitiger Abbaufläche der Südosterweiterung. Diese ist laut Sehring durch aktuelle Genehmigungen gedeckt, was der BUND in Frage stellt und auf unzureichende Antworten des Regierungspräsidiums Darmstadt als Genehmigungsbehörde verweist. Vorstandsvorsitzender Stefan Sehring hatte die Auseinandersetzung zu einer Generalabrechnung mit BUND und Grünen genutzt und beiden empfohlen, doch mal beim NABU nachzufragen. Dort sei man „begeistert über die reichhaltige Fauna und Flora am Waldsee, die überhaupt erst durch den Kiesabbau und die Renaturierung entstanden“ seien. Zudem hatte er den Kiesabbaugegnern „ausschweifenden Populismus und wiederkehrende Diffamierungen“ vorgeworfen.

Darauf reagieren BUND, NABU und Grüne nun gemeinschaftlich. „Wir weisen diese Provokation auf das energischste zurück und lassen es nicht zu, dass das Kiesabbauunternehmen versucht, uns in eine dubiose Täterrolle zu drängen, wo wir die bösen Umwelt-Chaoten sind, die wegen ein paar Fledermäusen oder Bäumen das Firmenimperium Sehring in den Ruin treiben“, erwidern die jeweiligen Vertreter Rainer Klösel (BUND), Klaus Kreft (NABU) und Jens Duffner (Grüne). Und sie stellen unisono klar: „Täter, Verursacher und Zustandsstörer an dem andauernden Naturraubbau im Langener Stadtwald ist das Kiesabbauunternehmen Sehring. Und Leidtragende und Opfer sind seit Jahrzehnten die Natur und der Umweltschutz. Sicherlich gibt es an der Kiesgrube inzwischen auch ein paar ökologische Vorzeigeobjekte. Doch kontinuierlich weicht die Firma Sehring von den ursprünglichen Planungen und Verpflichtungen ab. Wo zeitnah die partielle Waldinanspruchnahme durch den Kiesabbau direkt an Renaturierung und Wiederaufforstung gekoppelt sein soll, klafft in der Realität dann die Lücke zwischen Natureingriff und vorgesehener Wiedergutmachung immer weiter auseinander.“

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Die bis dato immer noch nicht vollständig abgeschlossene Renaturierung an der ehemaligen Ostgrube sollte nach Angaben der Umweltschützer bereits 2005 abgeschlossen sein. Aktuell versuche das Unternehmen nun schon wieder, für eine Fläche von fast 250.000 Quadratmetern, die bereits seit 2015 hätte vollständig renaturiert sein müssen, die vorgeschriebenen umfangreichen Umwelt- und Wiedergutmachungsmaßnahmen um fast eine ganze Menschengeneration auf das Jahr 2038 zu verschieben. „Und das offensichtlich nur, weil die Natur- und Umweltinteressen dem stetigen Fortgang von Rohstoffabbau und Gewinnmaximierung untergeordnet werden. Anstatt die alten Löcher erst einmal zu stopfen, werden fleißig schon wieder neue gebuddelt“, kritisieren Duffner, Kreft und Klösel.

Bilder: Bannwald erhalten oder Kies abbauen?

Dass „der sachbezogene Diskurs offensichtlich nicht mehr möglich ist“, wie Sehring kritisiert, liege vor allem daran, dass dem BUND-Ortsverband Langen/Egelsbach trotz  wiederholter Versuche – auch über das Regierungspräsidium – konsequent die Teilnahme am Renaturierungausschuss verweigert werde. Inzwischen habe sogar die Trinkwasserförderung im Neu-Isenburger Stadtteil Zeppelinheim wegen des Fortgangs der Kiesförderung im Langener Stadtwald eingestellt werden müssen, erklären Kreft, Klösel und Duffner: „Beispiele, dass die Firma Sehring ihren ökologischen Pflichten über das Maß hinaus nachkommt, so wie Stefan Sehring seine Sicht der Dinge darstellt, sind das alles sicherlich nicht. Und manchmal haben wir daher den Eindruck, dass das Darmstädter Regierungspräsidium bei der hochkomplexen Gemengelage der verschiedensten Änderung- und Genehmigungsverfahren, die das Abbauunternehmen geschickt platziert, als Aufsichtsbehörde offensichtlich auch nicht mehr immer Herr der Lage ist.“

Daher ist es den Umweltschützern besonders wichtig, dass die missliche Gesamtsituation durch die beiden anhängigen Klageverfahren des BUND-Landesverbandes umfassend und grundsätzlich vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel überprüft wird. (ble)

Rubriklistenbild: © dpa

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