In die Treibjagd verirrt

Unbekannte entfernen Schilder, die vor laufender Jagd warnen

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Vorsicht Treibjagd: Wer vor diesen Warnschildern steht, sollte als Unbefugter lieber nicht weitergehen. Unbekannte haben während der jüngsten Treibjagd im Langener Stadtwald die Schilder verschwinden lassen – kein Dummejungenstreich, sondern ein gefährlicher und damit strafbarer Eingriff.

Langen - Der Stadtwald ist regelmäßig Schauplatz von Treibjagden – was sein muss, muss sein. Die jüngste Treibjagd hat allerdings ein Nachspiel: Unbekannte pfuschten den Jägern ins Handwerk, indem sie einen Großteil der Warn- und Hinweisschilder verschwinden ließen. Von Holger Borchard 

Alles andere als ein Dummejungenstreich – die Jägerschaft hat es der Polizei gemeldet. „Zum Glück ist nichts passiert“, bilanziert Manfred Strohfeldt die jüngste Treibjagd. „Aber es hätte etwas passieren können! Wer geht denn her und schafft einfach mal Warnschilder fort und riskiert damit, dass Menschen verletzt werden?“
Letzteres nicht etwa durch wild umherschießende Jäger, auf diese Feststellung legen Strohfeldt & Co. großen Wert, sondern vielmehr durch aufgescheucht umherlaufendes Wild und die es treibenden Jagdhunde. „Eine Gesellschaft von etwa 50 Schützen und 40 Treibern samt Hunden war am Freitagmittag im Wald in Bereich zwischen Bundesstraße 486, Kiesgrube und Krötseeschneise unterwegs auf der Jagd nach Wildschweinen“, schildert Strohfeldt. Dann aber sei die Jagd unter- und schließlich abgebrochen worden, weil es zu Begegnungen mit Spaziergängern beziehungsweise Pilzsammlern gekommen sei und sich herausgestellt habe, dass Absperrungen und Warnschilder in weiten Teilen nicht mehr dort aufzufinden waren, wo die Jäger sie vorab platziert hatten.

Eine durchaus gefährliche Situation – die aber zum Glück nur beiderseitige Aha-Effekte zur Folge hatte, wie Strohfeldt exemplarisch beschreibt. So sei die Jägerschaft auf eine Dame getroffen, die Pilze sammeln wollte. „Als wir sie fragten, ob sie denn die Hinweisschilder auf die Treibjagd nicht gesehen habe, antwortete sie: ,Doch, heute Morgen habe ich sie gesehen, aber vormittags waren sie ja schon wieder weg.’“ Und so habe die Dame dann doch noch von daheim ihr Sammelkörbchen geholt und sich ans Pilzsuchen gemacht.

Nicht zuletzt dank dieser Begegnung können die Jäger ungefähr den Zeitraum eingrenzen, während dem einer oder mehrere Unbekannte die Warnhinweise verschwinden ließen. „Die meisten Schilder haben wir in einem Radius von 50 bis 100 Metern um die Aufstellorte im Gebüsch oder Unterholz wiedergefunden“, sagt Strohfeldt. Den Kopf schütteln lässt ihn und die anderen Jäger sowohl der Antrieb als auch der Aufwand hinter dieser Tat. „Immerhin standen die Schilder in alle Himmelsrichtungen verteilt an den Zugängen zum Revier.“

Von einem Streich oder Spaß könne freilich nicht die Rede sein, meinen die Jäger – und haben die Langener Polizeistation eingeschaltet. Deren Leiter Michael Köllisch sieht das nicht anders und betont: „Wir hoffen auf Hinweise von Spaziergängern, die am Freitagvormittag Verdächtiges im Stadtwald beobachtet haben.“ Hinweise werden unter 90300 entgegengenommen.

Wildschweine auf dem Friedhof gejagt

Die nächste Jagd kommt – in zwei Monaten: Für Dezember ist eine sogenannte Staatsjagd im Langener Stadtwald angesetzt, die das Land Hessen an der Seite der Jagdpächter verantwortet. Letztere haben aus dem jüngsten Vorfall gelernt und wollen künftig gut auf ihre Schilder aufpassen.

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