Zweimal mit Polizisten angelegt

Unfall und Beamtenbeleidigung: Mann aus Langen kommt mit Geldstrafe davon

Ein Polizist nimmt einen Mann fest. (Symbolbild)
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 „Der Beschuldigte war arrogant, ausfallend und hat unsere Anweisungen in keinster Weise befolgt“, sagte ein Polizist über den Langener. (Symbolbild)

Eine Trunkenheitsfahrt mit Unfall und zweifache Beleidigung von Polizeibeamten: Diese Straftatbestände kommen einem 26-jährigen Immobilienverwalter teuer zu stehen.

Langen – Unter laufender Bewährung legte der Langener sich kurz vor Mitternacht des 29. Januar bei einer Kontrolle mit der Polizei an. Gut zwei Monate später rammte er ein parkendes Fahrzeug in der Bahnstraße – Sachschaden 8909 Euro – und beschimpfte bei seiner Festnahme erneut Beamte.

Beide Vorfälle passierten im Rausch: Zum Zeitpunkt des Autounfalls hatte der junge Mann mindestens 2,3 Promille plus Kokain im Blut. Richter Volker Horn brummt dem Angeklagten am Langener Amtsgericht satte 13 200 Euro, die Prozesskosten und ein sechsmonatiges Fahrverbot auf. Will er wieder ein Fahrzeug führen, muss er noch eine hohe vierstellige Summe für die MPU zahlen. Mitunter kommen Rückforderungen seines Autoversicherers obendrauf.

„Trotz verminderter Schuldfähigkeit infolge alkoholbedingter Enthemmung verbuche ich ein großes Minus auf ihrem Konto: die Vorstrafe wegen Körperverletzung mit laufender Bewährung“, konstatiert Staatsanwältin Cyd Hergenröder und fordert sogar 14 400 Euro als angemessene Summe. Verteidiger Stefan Eisenbach räumt ein: „Die Vorwürfe sind alle richtig, doch darf bei den Beleidigungen nicht die Vorgeschichte unter den Tisch fallen. Die Beamten sind meinen Mandanten extrem hart angegangen. Da hat er sauer reagiert.“ Bastarde, Hurensöhne, Missgeburt, Wichser – an Schimpfworten sparte der Angeklagte nicht.

Doch was wirklich auf der Straße, im Streifenwagen und auf dem Revier passiert ist, bleibt überwiegend im Dunkeln. Offen ist auch, ob die Staatsanwältin hierzu weiter ermittelt: „Indem Moment, wo Sie vor Gericht eine Straftat erklären, muss ich ein Verfahren eröffnen!“ Entweder wegen falscher Beschuldigung der Polizei durch den Angeklagten oder wegen physischer Gewalt im Dienst durch die Beamten.

Denn in seinem letzten Wort rückt der Immobilienverwalter damit heraus, er sei von den Beamten ins Gesicht geschlagen worden. Richter Horn bleibt nichts anderes übrig, als noch mal in die Beweisaufnahme einzusteigen. Der wegen der Geständigkeit als Zeuge schon wieder abgeladene Polizeioberkommissar aus Langen wird zurück in Saal D beordert. Er berichtet: „Der Beschuldigte war arrogant, ausfallend und hat unsere Anweisungen in keinster Weise befolgt. Da mussten wir mit einfacher körperlicher Gewalt nachhelfen.“ Der junge Mann sei zur Durchsuchung mit dem Gesicht auf den Tisch gedrückt worden. Später, als er sich nicht wieder setzen wollte, hätten ihn die Beamten zu Boden gebracht. Eine ärztlich bescheinigte wunde Oberlippe und ein Hämatom an der Stirn zeugen davon, das tatsächlich Druck im Spiel war – als Ursache kommen beide Schilderungen in Frage. „Mein ganzes Gesicht war blau!“, behauptet der Langener. Er fügt aber hinzu, dass er „die ganze Sache bereue“.

Die erste Beleidigungsgeschichte hingegen war aus einer anderen Situation heraus entstanden: Der 26-Jährige saß im Wagen eines Freundes, der sich mit einem Golffahrer eine straßenverkehrstechnische Auseinandersetzung lieferte. Der Mann im Golf folgte dem Fahrzeug bis zum Zielpunkt, wo beide Fahrer in Streit gerieten. Ein Nachbar informierte die Polizei, die auch den Angeklagten kontrollierte. Der konnte sich nicht ausweisen („euch Bastarden sag ich gar nichts“). Die Ordnungshüter sollen dann seinen Kopf auf die Motorhaube geknallt haben. Erst als seine Mutter aus dem Haus kam, habe er seinen Namen genannt. Die Folge: Abtransport zur Wache.

„Nur weil Sie hier vor Gericht einen guten Eindruck gemacht haben und die Vorstrafe mit dieser Sache nichts zu tun hat, will ich es mit gutem Willen bei einer Geldstrafe belassen. Normalerweise wäre heute eine Freiheitsstrafe dran gewesen“, schärft Richter Horn dem Angeklagten ein. Der junge Langener will sich nun in Therapie begeben: „Ich will weg vom Alkohol. Viele Dinge sind nur deswegen passiert.“ (Von Silke Gelhausen)

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