Unmut bei Fahrradhändlern:

Städtischer Wertstoffhof nimmt keine Gewerbeabfälle mehr an

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Noch wächst der Reifenstapel, nur was dann? „Ein Container würde sich für uns gar nicht lohnen“, sagt Ulrich Klingler von Zweirad Schneider. Für ihn ist es diese Saison ein echtes Problem, dass der Wertstoffhof Gewerbeabfall nicht mehr annimmt.

Langen - Schnell kaputt gefahren, schnell ausgetauscht – gerade jetzt im Sommer kommt für Fahrradhändler einiges an alten Reifen zusammen. Bis vor Kurzem konnten sie diese auf dem Wertstoffhof abgeben. Doch die Stadt nimmt den Gewerbeabfall nicht mehr an. Das hat vor allem für kleine Geschäfte teure Folgen, denn sie müssen ihren Müll privat entsorgen lassen. Von Julia Radgen

Der Stapel alter Fahrradreifen in Ulrich Klinglers Autoanhänger wächst und wächst. „Momentan sammeln wir halt“, sagt der Inhaber des Fahrradgeschäfts Zweirad Schneider. Was er macht, wenn der Anhänger voll ist, muss er sich noch überlegen. Denn es ist die erste Saison, in der Klingler die Altreifen nicht mehr einfach auf dem Wertstoffhof der Kommunalen Betriebe Langen (KBL) abgeben kann. „Die ganze Zeit haben wir unsere Altreifen zum Bauhof gebracht“, erklärt Klingler. Jetzt nehme der Wertstoffhof aber keinen gewerblichen Müll mehr an. „Das ist ein echtes Problem für uns.“.

Die Stadt habe ihm Adressen von Entsorgungsfirmen geschickt, erzählt Klingler. Denn die Händler müssen sich jetzt selbst um eine private Entsorgungsmöglichkeit ihrer Abfälle kümmern. „Uns wurde vorgeschlagen, dass wir einen Container an den Laden stellen – gegen horrende Bezahlung“, erzählt der Fahrradhändler. Dafür habe er gar nicht den Platz. „Und der wäre vielleicht so in zwei Jahren voll“, führt Klingler aus, warum diese Option für ihn nicht in Frage kommt.

Hintergrund ist die neue Gewerbeabfallverordnung, die in Langen zum Jahreswechsel in Kraft getreten ist, erklärt SabineDexheimer von der städtischen Pressestelle. Diese gelte in Langen seit dem Jahresbeginn, bundesweit gab es schon seit vergangenem Sommer Neuregelungen. Die Verordnung schreibt vor, dass Gewerbetreibende ihren Abfall strikter und bereits im Betrieb trennen müssen. Zudem müssen die Unternehmen ihre Mülltrennung dokumentieren. „Die Gewerbetreibenden konnten vorher kostenlos ihren Abfall auf dem Wertstoffhof entsorgen, jetzt müssen sie einen Nachweis darüber erbringen, was sie entsorgen“, sagt Dexheimer. Das gilt für alle anderen gewerblichen Abfälle wie Bauschutt oder Grünschnitt.

Die Vorgaben sollen das Recycling unterstützen, sind aber vor allem für kleine Firmen mit hohem Aufwand verbunden. Aber auch den KBL, die den Wertstoffhof betreiben, beschert die neue Verordnung organisatorische Schwierigkeiten: Die Materialien müssen unterschiedlich gesammelt und gewogen werden. Zudem müsse alles dokumentiert und den Gewerbetreibenden entsprechende Bescheinigungen ausgestellt werden. „Das ist für den normalen Betrieb des Wertstoffhofes viel zu aufwendig“, so die Rathaussprecherin. Der Wertstoffhof könne daher keinen Gewerbeabfall mehr annehmen. Die Regelungen für Privatpersonen bleiben hiervon unberührt.

Getunte E-Bikes machen zunehmend Radwege unsicher

Das erregt verständlicherweise Unmut bei den Fahrradhändlern: Ihnen bleibt nun nichts anderes übrig, als sich an eine alternative Entsorgungsfirma zu wenden – die entsprechend kostet. Die anderen Langener Geschäfte gehen unterschiedlich mit der Neuerung um. Harald Meyer von Ciclisti Bikes sagt: „Wir müssen die Abfälle von privaten Anbietern abholen lassen – das ist teuer.“ Momentan lagere man den Müll zunächst und suche nach einer Lösung. Für Klaus Hohla von Biketechnik stellt die Neuregelung zum Gewerbeabfall kein Problem dar. „Wir arbeiten ohnehin mit einem Recyclingunternehmen zusammen.“ Karl-Heinz Müller, Inhaber des Fahrradgeschäfts Werner und Dutiné, hat eine Lösung für die Entsorgung der alten Reifen. „Die geben wir an die Herstellerfirmen zurück, die werden jedes Vierteljahr abgeholt.“ Mehr Schwierigkeiten machten die Verpackungen der neuen Fahrräder, die auch nicht mehr angenommen werden. Die „Riesenkartons“ müsse man entsprechend zerkleinert in den Papiermüll geben.

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