Unterirdische Energiequelle

Blockheizkraftwerk im Lärmschutzwall erregt weithin Aufsehen

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Technikführung: Im Blockheizkraftwerk unterm Lärmschutzwall stellten sich zum Erinnerungsfoto (von links): Frank Gottschling, Stadtwerke-Prokurist Gerd Fitterer, Frank Weber, SPD-Fraktionsvorsitzende Margrit Jansen, Rainer Bicknase, Klaudia Schweig-Eyrich, Christian Rücker, Dagmar Losert und Stadtwerkedirektor Manfred Pusdrowski.

Wer auf der Nordumgehung unterwegs ist und die inzwischen mit Graffiti verunstalteten Lärmschutzwände sieht, ahnt vermutlich nicht, dass in dem Wall darunter ein unterirdisches Kraftwerk Wärme für ein ganzes neues Wohnviertel erzeugt.

Langen – Es ist das jüngste Blockheizkraftwerk (BHKW) der Stadtwerke Langen. Diesem galt nun ein Besuch der SPD-Fraktion.

„Wärme zentral zu erzeugen und ortsnah zu verteilen, ist aus ökologischer Sicht sinnvoller, als viele Einzelheizungen in jeder Wohnung oder jedem Haus zu bauen und zu befeuern“, erläutert Stadtwerkedirektor Manfred Pusdrowski, der mit der SPD-Fraktion die Stufen in die geräumige Anlage im Erdwall hinabsteigt. Draußen ist im Grunde nichts zu hören von dem kraftvollen Heizwerk, das innen zwar schallschutzgedämmt, aber doch deutlich vernehmlicher arbeitet. Und zu sehen gibt es von außen eigentlich auch nicht viel mehr als eine doppelflügelige Stahltür und einen langen Abluftschornstein.

„Das ist bundesweit eines der ersten BHKW, das unter der Erde in einem Lärmschutzwall arbeitet. Das hat sogar außerhalb Deutschlands Beachtung gefunden. Und das nicht nur, weil wertvoller Bauplatz so anderweitig genutzt werden kann“, sagt Pusdrowski.

Von Gerd Fitterer, Prokurist der Stadtwerke und verantwortlich für den Fernwärmebereich von der Planung bis zum Betrieb, erfährt die SPD, dass im Baugebiet rund um die Elisabeth-Selbert-Allee insgesamt zwölf Wohnblöcke mit über 1000 Wohneinheiten mit Wärme versorgt werden können. „Das machen wir im Verbund mit dem BHKW im Sportzentrum Nord. Der Verbund stellt die Wärmeversorgung zu jeder Zeit sicher. Das heißt, sollte es einmal eine Störung in einem der BHKW geben, übernimmt das andere.“ Damit sei garantiert, dass in allen angeschlossenen Häusern und Wohnungen immer genug Wärme zur Verfügung stehe, vom Duschwasser bis zur Fußbodenheizung.

„Die hohen Investitionen, immerhin rund 800 000 Euro an dieser Stelle, und der Wärmeverbund lohnen sich nur, wenn möglichst viele Häuser im Quartier angeschlossen werden. Für das große Baugebiet Liebigstraße, in dem ein weiteres BHKW vorgesehen ist, werden wir daher eine Anschluss- und Benutzungsverpflichtung für die Bauherren vorschlagen, die vom Stadtparlament zu beschließen ist“, erläutert Stadtwerke-Chef Pusdrowski. Ausnahmen seien nur bei regenerativer Selbstversorgung möglich.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Rainer Bicknase betont, dass für eine solche Satzung mit Anschlussverpflichtung das Vertrauen in den kommunalen Energieversorger Voraussetzung sei. „Die Wärmekunden der Stadtwerke müssen und können sicher sein, dass – salopp gesagt – keine Abzocke stattfindet, weil die Stadtwerke das Privileg nicht missbrauchen werden, Platzhirsch bei der Fernwärme zu sein.“ Dem stimmen die Verantwortlichen der Stadtwerke zu und weisen darauf hin, dass durch transparente Verträge und überprüfbare Preisformeln einer ungerechtfertigten Preisgestaltung ohnehin ein Riegel vorgeschoben sei.

Auf die Frage, ob denn der Gasbetrieb von Blockheizkraftwerken auf Dauer der umweltfreundlichste sei, erfährt die SPD-Fraktion, dass auch da die Stadtwerke Langen schon vorausdenken. Für die Zukunft sei eine schrittweise Umrüstung der BHKW von Gas auf regenerative Energiequellen möglich.
ble

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