Drei Jahre und neun Monate Haft für Geschäftsführer

„Fake Shop“-Betrug in Langen: Zwei Angeklagte müssen ins Gefängnis

Das Trio hatte 2017 gehofft, im Fahrwasser einer betrügerischen Versandfirma unkompliziert viel Geld zu verdienen: Die Wirtschaftskammer des Landgerichts Frankfurt verurteilte gestern den Geschäftsführer K. der Frankfurter KKG-Technik GmbH zu drei Jahren und neun Monaten Haft.

Frankfurt –  Das Urteil für die beiden Mitangeklagten E. und T. lautet drei Jahre Haft beziehungsweise 21 Monate auf Bewährung. Außerdem muss K. 122.000 Euro zahlen, für E. macht es 35.000 Euro, für T. 2000 Euro.

Der Vorsitzende Richter Martin Bach lässt keinen Zweifel, für was er die drei hält, für Befehlsempfänger einer Firma, der es darum ging, sich erst ein seriöses Renommee als Online-Händler zu verschaffen, um sich dann als Vorkasse Geld überweisen zu lassen, ohne die günstigen Fernseher, Laptops oder Waschmaschinen liefern zu wollen. Der messbare Schaden beläuft sich auf 5,1 Millionen Euro. Auch wenn 9.301 Anzeigen eingingen, dürften bei 28.000 Bestellungen im Gesamtumsatz von 11,4 Millionen Euro etliche Kunden ihr Geld einfach abgeschrieben haben.

Es sei wie so oft, die eigentlichen Macher zögen die Strippen aus der Türkei. „Vor Gericht sitzen Strohmänner,“ konstatiert Richter Bach. Das schützt den Geschäftsführer K. nicht davor, auch wegen Steuerhinterziehung dran zu kommen. Für vier Monate hatte der 55-Jährige die Umsatzsteuervoranmeldung unterlassen. Der Fiskus moniert 1,6 Millionen Euro.

K. habe 15 Prozent des Umsatzes in Aussicht gestellt bekommen, dann aber nur 6000 Euro Gesamtgehalt erhalten. Er und sein gleichaltriger Bekannter E. seien vom Gutdünken der Hintermänner abhängig gewesen. Einmal habe K., der mit seinem deutschen Namen der KKG-Technik einen verlässlichen Anstrich als Geschäftsführer geben sollte, zwar 16.000 Euro für eigene Zwecke abgehoben, diese aber gleich wieder eingezahlt, aus Angst vor Repressalien. Zwei andere Male habe er je 70.000 Euro abgehoben, um sie Mittelsmännern zu geben. Für seine Flucht nach Fernost bekam K. jedoch 100.000 Euro.

Niemals hätte K. eine Tatherrschaft ausgeübt, ebenso wenig wie E., der als türkischer Staatsbürger vor allem als Verbindungsmann fungierte und insgesamt für knapp sechs Monate ein Gehalt von 15.000 Euro bezog. Geschäftsführer K. bekommt 45 Monate Gefängnis, Kollege E. 36 Monate. Allen nicht vorbestraften Angeklagten attestiert der Richter ehrliche Reue.

Billigkopien von Markenprodukten erkennen

Den 33-jährigen T., den Anwalt Ferhat Tikbas vertritt, hielten die Drahtzieher besonders knapp. Er holte zum Zwecke der Geldwäsche 15-mal Handys im Gesamtwert von 2,1 Mio. Euro bei der Post ab, verschickte gefälschte Quittungen, die belegen sollten, dass KKG-Technik bei einer Firma in Heusenstamm Gold im Wert von 3,1 Millionen Euro gekauft habe. Dafür steckte T. insgesamt 490 Euro ein. Jetzt stehen 21 Monate Haft auf Bewährung plus 2000 Euro in seinem Vorstrafenregister.

T. muss jedoch nichts an geschädigte Kunden zahlen, so wie die beiden Hauptschuldigen. Deren Tatbeitrag vergleicht der Richter jedoch, „mit einem Gehilfen, der einem Einbrecher die Leiter hält. Das kann jeder“.

Von Stefan Mangold

Rubriklistenbild: © Symbolbild: picture alliance/dpa

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