Uschi Mardeck leitet den Mittagstisch für Senioren

Glücklich, wenn es allen schmeckt

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Speis und Trank für Senioren gibt es einmal in der Woche im Katharina-von-Bora-Haus der Evangelischen Gemeinde. Uschi Mardeck leitet das Angebot mit großem Engagement.

Langen - Viele Angebote in der Stadt wären ohne das große Engagement von Ehrenamtlichen nicht möglich. Eine von jenen, die selbstlos helfen, ist Uschi Mardeck. Die 69-Jährige leitet unter anderem den Mittagstisch für Senioren im Katharina-von-Bora-Haus. Von Marina Zimmer 

Es ist Dienstagmittag kurz nach 12 Uhr, wenn es am evangelischen Gemeindezentrum in der Westendstraße turbulent wird. Kleine Grüppchen von munteren Senioren zieht es in das Katharina-von-Bora-Haus, denn dort wird einmal in der Woche groß aufgetischt – im wahrsten Sinne des Wortes! Auf die betagten Damen und Herren wartet ein Drei-Gänge-Menü, das Woche für Woche frisch zubereitet wird. Das federführende Gesicht hinter der regelmäßigen Kochaktion ist das von Uschi Mardeck. Die geborene Schlesierin, die richtigerweise Ursula heißt (aber noch nie so genannt wurde), ist 1971 mit ihrem Mann, ihrer Mutter und zwei Geschwistern nach Deutschland gekommen und von Anfang an in Langen geblieben. Seit vielen Jahren ist sie als Küsterin in der evangelischen Gemeinde tätig und unterstützt ganz selbstlos, wo immer sie nur kann: Sie backt Kuchen für Treffs und Veranstaltungen, schmiert fleißig Brötchen für Sitzungen und Tagungen, sie ist eine der letzten Helfenden, die nach dem jährlichen Flohmarkt das Haus verlassen, und ist stets mit dabei, wenn es um Dekoration und Blumenschmuck für Feste und Feiern geht.

Nicht wenig davon steuert Uschi Mardeck aus dem eigenen Garten bei, der im Sommer als reines Blütenmeer erstrahlt. Auch die Pflanzen im und um das Gemeindehaus im Westend hat die rüstige Rentnerin mit ihrem grünen Daumen voll im Griff.

Als Pfarrer Steffen Held von der Idee eines Mittagstisches für Senioren erzählte, war Mardeck sofort begeistert und geht darin nun gänzlich auf. „Schon sonntags auf dem Sofa schreibe ich eine Einkaufsliste, die ich montags abarbeite“, berichtet die 69-Jährige, die den Mittagstisch für Senioren seit dem ersten Tag im Mai 2015 leitet. Was im ersten Durchlauf mit etwa 20 Gästen begann, ist schon in der zweiten Woche auf 30 Teilnehmer angestiegen und jede folgende Woche wurden es mehr. „Bei 40 Personen sollte eigentlich Schluss sein“, berichtet Mardeck von dem unerwarteten Erfolg des Angebotes, bringt es aber nicht übers Herz, auch nur einem neuen Gast den Zugang zu verwehren.

Für jeden bekannten und auch jeden neuen Esser hat Uschi Mardeck immer ein nettes Wort übrig, was sie bekannt und beliebt macht. Und so bekocht sie mit ihrem Team von mittlerweile zehn Helferinnen und ihrem ebenfalls helfenden Mann nun wöchentlich zwischen 50 und 60 Senioren. Viele kommen regelmäßig jede Woche und haben schon ihren Stammplatz am liebevoll gedeckten Tisch.

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Um genau halb eins kommt dann mit einer frischen saisonalen Suppe der erste Gang aus der Küche. Mardeck und ein bis zwei Helferinnen erledigen schon am Montagnachmittag anfallende Vorarbeiten wie Kartoffeln schälen, Fleisch anbraten oder Suppe kochen. Am eigentlichen Kochtag wird der frische Salat gezupft und gründlich gewaschen, Gemüse gekocht und alles zu einem köstlichen Mahl zusammengefügt. Für fünf Euro Kostenpauschale wird jeder Gast reichlich satt. „Auf einen großen Nachschlag verzichten viele Gäste“, verrät die leidenschaftliche Gärtnerin mit einem Augenzwinkern, „denn sie wissen, dass es immer noch einen leckeren Nachtisch gibt – für den muss Platz im Magen bleiben!“

Die Abläufe beim Mittagstisch für Senioren haben sich reibungslos eingespielt – Empfangskomitee, Kochabteilung, Deko- und Bewirtungsdamen sowie die Spül-Mädels arbeiten Hand in Hand. „Nur wenn alle tatkräftig mit anpacken, schaffen wir es, gegen halb vier mit allem fertig zu sein“, sagt Mardeck, die es gerne sieht, wenn nach dem gemeinsamen Essen noch Kleingruppen zum Austausch zusammen bleiben. Währenddessen wuseln in der Küche schon wieder alle helfenden Hände, um Saal und Material in seinen Ursprungszustand zurückzuversetzen.

Nach dem großen Weihnachtsessen mit Entenbrust, Rotkohl und Klößen in dieser Woche kann Uschi Mardeck nun eine Woche Mittagstisch-Pause einlegen. Am Heiligen Abend und dem ersten Weihnachtsfeiertag werden sie die Kirchenbesucher bei ihren Aufgaben als Küsterin antreffen. Den zweiten Feiertag verbringt sie im Kreise ihrer Familie, die aus dem hohen Norden Deutschlands und auch aus Frankreichs Hauptstadt Paris anreisen wird. Dass Uschi Mardeck sich trotz ihres bevorstehenden 70. Geburtstags bald zur Ruhe setzen wird, ist wohl nicht zu erwarten, denn auf einem kürzlich besuchten Küster-Seminar hat sie erfahren, dass es für diese Tätigkeit glücklicherweise keine Altersbegrenzung gibt.

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