VVV Langen widmet dem Brezelstein eine Feier

Ein Stück Geschichte an seinem Platz

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Ohne Kurt Werner hätte die Geschichte des Brezelsteins schon geendet, als das neue Freibad gebaut wurde, denn er bewahrte das historische Teil seinerzeit vor dem Schuttcontainer.

Langen - Im Hegweg, an der nördlichen Begrenzung des Schwimmbads, steht seit Neuestem eine kleine Mauer aus Rotliegendem Sandstein. In diese Mauer eingearbeitet findet sich ein Stein, der eine Brezel zeigt. Von Daniel Untch 

Dieser Stein hat mehrere Umzüge und eine bewegte Geschichte hinter sich, die nun um ein Kapitel reicher ist. Die neue Mauer mit dem Brezelstein steht. Zur Einweihung unter Regie des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV) versorgen Professor Frank Oppermann, Peter Holle und Stadtarchivar Heribert Gött circa 70 Zuhörer mit historischen Infos über den Stein und zur Mythologie der Brezel. Die Begrüßung übernimmt Walter Metzger, Vorsitzender des VVV, der seinen Teil zur Rettung des Steins beigetragen hat. Erster Stadtrat Stefan Löbig hat ebenfalls einige Worte vorbereitet, denn die Stadt unterstützt das Vorhaben ebenfalls.

Oppermann erzählt, dass die Mauer, in der der Stein ursprünglich zu finden war, einen Weingarten begrenzte. „Darauf ließ die Gemarkungsbezeichnung Wingert schließen.“ Gehört habe dieser Weingarten Johan Nickelaus Sehring, dessen Name im Brezelstein verewigt ist. Da Sehring Bäcker gewesen sei, habe er die Brezel als Zeichen der Bäckerzunft in seine Mauer eingearbeitet.

Bis 1993 habe der Stein ein unsichtbar-unscheinbares Dasein in der Mauer geführt. Als jene schließlich abgerissen wurde, sei es dem Langener Kurt Werner zu verdanken gewesen, dass der Brezelstein nicht auf der Schutthalde gelandet sei. „Werner entdeckte ihn und nahm ihn mit. Von dem Stein wurde schließlich eine Kopie aus Kunststein angefertigt und in eine neue Mauer eingesetzt“, schildert Oppermann. „Das Original befindet sich seitdem im Langener Stadtmuseum.“

In der neuen Mauer, die 1997 eingeweiht wurde, sei der Stein schließlich regelmäßig Opfer von Vandalismus durch Sprayer geworden. Daher habe man beschlossen, die nun abermals fällige neue Mauer hinter den Zaun des Schwimmbads zu bauen. Weil sie ebenfalls aus Rotliegendem Langener Sandstein bestehe, füge der Brezelstein sich perfekt ein.

Dass es gar nicht so einfach ist, genügend solcher Steine zu bekommen, davon weiß Stadtarchivar Gött ein Lied zu singen. „Wir haben zum Beispiel die Information bekommen, dass ein Haus aus entsprechendem Stein in der Wilhelmstraße abgerissen werde“, erinnert er sich. Also sei er mit Unterstützung schnell dorthin geeilt und habe die Steine gesichert. „Danach habe ich erfahren, dass es sich um das Haus des ehemaligen Chefs des Ordnungsamts, Manfred Weil, gehandelt hat“, erzählt er. Dieser habe den „Steinediebstahl“ positiv aufgenommen. Drei weitere Fuhren seien nötig gewesen, bis genügend Material für die neue Heimat des Brezelsteins beisammen war. Zuletzt spricht der Stadtarchivar ein paar mahnende Worte: „Man braucht in einer Stadt nicht nur Neubauten, man muss auch seine Geschichte hegen und pflegen. Mit dem Brezelstein haben wir ein Stück Langener Geschichte wieder lebendig gemacht.“

Peter Holle berichtet den Anwesenden ausführlich von einer Legende, die die Entstehung der Brezel beleuchtet. So habe ein Bäcker diese erfunden, der von seinem Grafen beauftragt worden sei ein Gebäck zu erfinden, durch das dreimal die Sonne scheinen könne und das ihm besser schmecke als alles, was er bisher gekannt habe. Nur dann solle der Bäcker, der seinen Grafen beleidigt hatte, begnadigt werden. In seiner Verzweiflung – und im Zusammenspiel mit vielen Zufällen – erfand jener Bäcker also schließlich die Brezel.

Zum Abschluss der leider verregneten Zeremonie übernimmt das Posaunen-Quartett der Musikschule die musikalische Untermalung. Dazu lassen die Gäste sich Ebbelwoi und natürlich Brezeln schmecken und nahmen den Brezelstein unter die Lupe.

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