Aus aller Welt

Volkstanzfestival in der Stadthalle: Kaleidoskop der Kulturen

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Schwerstarbeit: Die chilenische Volkstanzgruppe „Pehuén“ führte einen traditionellen Tanz der Osterinsel auf – Steinskulptur inbegriffen.

Langen - Tanz ist bewegte Lebensfreude und ebenso ein Stück Kultur von Regionen, Volksstämmen und Völkern. In diesem Sinne bewahren Volkstänze Kultur – egal, wo sich die zugehörigen Menschen gerade aufhalten. Von Leo F. Postl 

Das Langener Festival der Volkstänze trägt dem seit mehr als zwei Jahrzehnten Rechnung, am Pfingstsonntag wurde es zum 24. Mal gefeiert. Dem türkischen Journalisten Mehmet Canbolat war es ein Anliegen, die facettenreiche Kultur seines Landes auch in der neuen Heimat Langen zu erhalten. So bat er vor 24 Jahren erstmals zu einem Treffen, bei dem in der Region lebende Gruppen aus der Türkei ihre überlieferten Volkstänze vorführen sollten. Bald kamen Tanzgruppen aus ganz Deutschland und sogar aus der Türkei hinzu, das Festival gewann an Größe, Bedeutung und Renommee, die Darbietungen wurden von Kultur- und Tanzexperten bewertet.

Irgendwann justierte Canbolat die Wettbewerbsregeln neu: Fortan durften auch interessierte Gruppen anderer Nationalitäten auf die Bühne – und so entwickelte sich das Volkstanzfestival, wie es am Pfingstsonntag auf der Stadthallenbühne zum 24. Mal zu erleben war. „Wir haben den Wettbewerbscharakter weggelassen, das Kulturspektrum komplett geöffnet und wie man sieht, hat sich das bestens bewährt“, resümiert Canbolat.

Wie seit Jahren wurde auch die diesjährige Auflage des Festivals von Serpil und Kubilay Sarikaya locker moderiert. Den Bühnenreigen eröffneten zwei junge Tänzer der Kindertanzgruppe Suthot aus Stuttgart, deren Choreografie ganz der Tradition des Ölringens folgte. Der „Sieger“ erhielt von Festival-Chef Canbolat persönlich die Siegerschleife umgehängt. Im Grußwort blickte Canbolat noch mal kurz zurück auf die 24-jährige Geschichte des Tanzfestivals und dankte allen, die dazu beigetragen haben, dass es zu dem geworden ist, was es heute darstellt – „eine Veranstaltung mit internationalem Flair“. Für die Jubiläumsveranstaltung des 25. Festivals im kommenden Jahr kündigte Canbolat im Übrigen wieder einen integrierten Wettbewerb der türkischen Volkstänze an.

Viel Lob für das Engagement von Canbolat im Besonderen und das Volkstanzfestival im Allgemeinen hatte die Langener Stadträtin Klaudia Schweig-Eyrich parat. Gleiches galt für den türkischen Generalkonsul aus Frankfurt, Burak Kararti. „Es freut mich sehr, dass diese traditionell gewordene Veranstaltung vor vier Jahren eine neue Dimension bekommen hat und sich seitdem für Volkstänze weiterer Länder und Kulturen öffnet“, betonte Kararti. „Der Volkstanz bringt Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen zusammen, und heute begegnen sich die verschiedensten Nationen aus aller Welt hier in Langen,“ Besonders stellte der Generalkonsul die lange Partnerschaft von Langen und Tarsus heraus, die ebenfalls auf das Engagement von Mehmet Canbolat zurückgeht.

Fest ohne Grenzen

Im Rahmen des Festivals erlebten die Besucher mehrere Stunden lang Tänze aus nahezu sämtlichen Regionen der Erde. Enormen Aufwand betrieb die chilenische Gruppe „Pehuén“: Sie wuchtete zu ihrem Tanz erst einmal eine jener berühmten Monumentalfiguren der Osterinsel (gehört politisch zu Chile) auf die Bühne, um sodann um diese herum zu tanzen. So farbenfroh die Kleidung der Tänzerinnen aus Mexiko, so lebensfroh die Tänze aus Kolumbien, Venezuela und Ecuador. Ebenso viel Beifall gab es für die Tanzdarbietungen aus Brasilien, der Ägäis oder Russland. Tänze aus verschiedenen türkischen Regionen durften selbstverständlich nicht fehlen, diese Gruppen wurden von ihren zahlreichen Fans besonders gefeiert.

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