Vor der Höhe

„Was ist das für eine Schnapsidee?“ – Ärger über Halteverbot und Busverkehr in Langen

Einmal die Stunde kommt jetzt der Stadtbus: Da der OF-72 durch die Straße Vor der Höhe umgeleitet werden muss, herrscht auf der kompletten Südseite (links im Bild) Halteverbot.
+
Einmal die Stunde kommt jetzt der Stadtbus: Da der OF-72 durch die Straße Vor der Höhe umgeleitet werden muss, herrscht auf der kompletten Südseite (links im Bild) Halteverbot.

Vor allem am Wochenende sei es ziemlich schwierig, einen Parkplatz in der Nähe des Hauses zu finden, erzählt die Anwohnerin aus der Straße Vor der Höhe. „Wenn man mit den Einkäufen kommt, ist es einfach Glückssache.“

Langen – Seit Ende September fallen in der Straße rund 50 Prozent aller Parkplätze weg, denn seitdem gilt auf der kompletten Südseite Halteverbot. Schuld ist eine Baustelle in der Dieburger Straße: Ein privates Bauunternehmen errichtet in Höhe der Hausnummern 5 bis 11 (ehemals Getränke-Barth) zwei Mehrfamilienhäuser. Durch die Größe der Baustelle ist die Fahrbahn verengt – und die Dieburger vorübergehend zur Einbahnstraße umgemodelt worden. Der Stadtbus OF-72 muss daher in Richtung Steinberg eine Umleitung nehmen: durch die Straße Vor der Höhe. Und damit genug Platz für den Bus ist, wurde dort das Halteverbot eingerichtet.

„Es ist nicht zu glauben, dass wegen einer Baustelle in der Dieburger Straße ein Stadtbus vier Monate lang mitten durch die Straße Vor der Höhe fahren soll“, echauffiert sich Meyerhöfer über die Regelung, die noch bis bis zum 29. Januar gilt. Nicht nur für die Privatautos ergeben sich Probleme: Meyerhöfers Ehemann ist selbstständiger Raumausstatter, muss mehrmals pro Woche in der Straße seinen Firmenbus beladen oder Materiallieferungen entgegennehmen. „Sollen die Paletten mit Bodenbelägen, Schienen, Unterlagen und Insektenschutzfenstern vielleicht von der Südlichen Ringstraße hergetragen werden?“, fragt Christine Meyerhöfer.

Busverkehr in Langen: Schulleiter der Geschwister-Scholl-Schule nicht begeistert

Hinzu kommt, dass Vor der Höhe auch die Geschwister-Scholl-Schule angesiedelt ist. Zu den Bring- und Abholzeiten breche dort sowieso regelmäßig das Chaos aus. „Und nun soll der Stadtbus sich hier durchzwängen? Mit Schulkindern, die jeden Tag mehrmals die Straße überqueren? Was ist das für eine Schnapsidee?“, so Meyerhöfer, deren achtjährige Tochter ebenfalls die Scholl-Schule besucht. Da nun die eine Straßenseite konstant frei bleibe, habe obendrein die Raserei zugenommen. „Jetzt ist Feuer frei“, klagt die 46-Jährige. Auch der Bus fahre „wirklich nicht langsam“.

An der Geschwister-Scholl-Schule sind sie ebenfalls nicht begeistert. „Ich hätte es gut gefunden, man hätte einen anderen Weg gefunden“, sagt Schulleiterin Manuela Mück. Die Parksituation sei schon vorher chaotisch gewesen. „Das liegt an den Eltern, die zum Teil mitten auf der Fahrbahn halten. Aber jetzt will da eben auch noch ein Bus durch.“

Das erhöhte Verkehrsaufkommen führe dazu, dass viele Eltern ihre Kinder nun wieder morgens begleiten – obwohl sie ihnen den Schulweg zuvor alleine zugetraut hatten. „Die Eltern finden das alles gar nicht witzig“, sagt Mück. „Dieses Alleine-Zurechtfinden im Verkehr kann sich jetzt bei den Kindern nicht richtig entwickeln.“ Das sei „schade und bedauerlich“, so Mück.

Die Stadtwerke sehen keine andere Lösung. „Das war die einfachste Variante und ist mit dem Ordnungsamt abgestimmt“, erklärt Juan Lopez, zuständig für den Öffentlichen Personennahverkehr. Er verweist darauf, dass durch die Baustelle in der Dieburger Straße zurzeit die Haltestellen Hügelstraße und Schwimmbad wegfallen. Würde man nun die Haltestelle Vor der Höhe ebenfalls nicht mehr anfahren, „wäre ein ganzes Karree abgehängt“.

Busfahrpläne in Langen sind zu eng getaktet

Eine Schwierigkeit seien auch die eng getakteten Busfahrpläne. Würde man den OF-72 etwa über die Südliche Ringstraße zur Haltestelle Vor der Höhe fahren lassen, wären das „schon einige Meter mehr“, so Lopez, „aber da zählt jede Minute“. Für die Grundschüler sehe er keine Gefahr: „Der Bürgersteig ist breit genug“, betont Lopez.

Ob der Bus zu schnell fahre, werde im Fahrtenschreiber festgehalten und vom Busunternehmen kontrolliert. Auf die Pkw-Raser könne man mit mobilen Blitzern reagieren. Lopez betont aber auch: „Die Situation ist nur temporär und hat sich sowieso bald wieder erledigt.“

Doch noch einmal zurück zur Baustelle in der Dieburger Straße, die schließlich für den ganzen Rattenschwanz verantwortlich ist. Weshalb ragt die Baustelle eigentlich so weit auf die Straße hinaus? Wie Stadt-Sprecherin Sabine Dexheimer erklärt, ist die Baugrube so groß, dass das Material auf Bürgersteig und Straße gelagert werden muss. „Das ist ganz üblich“, sagt Dexheimer. (Manuel Schubert)

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Bewohner in Langen über den Busverkehr ärgern. 2019 stellt die Stadt den Busverkehr bereits komplett um – worüber sich vor allem Pendler sehr ärgerten.

In einer älteren Version dieses Artikels war fälschlicherweise die Rede von einem Parkverbot. Richtig ist Halteverbot. Wir bitten, diese Ungenauigkeit zu entschuldigen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare