Wasserlauf, Bäume und Lichtstelen

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Planer-Vision für eine attraktivere Innenstadt: Ob es zur Umgestaltung des Lutherplatzes samt Wegfall des Kreisels kommt, hängt davon ab, wie sich die Finanzen der Stadt entwickeln.

Langen ‐ Finanzkrise hin, Finanzkrise her: Der Magistrat will beim Umbau der Stadtmitte stärker auf die Tube drücken als noch vor ein paar Monaten verkündet. Aus den im August 2010 vorgestellten drei Konzepten hat die Stadtregierung zwei ausgewählt, die in kombinierter Form umgesetzt werden sollen. Von Frank Mahn

„Kirschenmäander“ und „Blütenträume“ heißen die Zauberworte, mit denen die Planer dem Zentrum ein neues Gesicht geben wollen. Damit sollte – nach dem bis dato letzten Stand – nicht vor 2014 begonnen werden. Gestern gab sich Erster Stadtrat Klaus-Dieter Schneider verhalten optimistisch, schon 2013 loslegen zu können. „Wenn alle Planungsschritte zügig beschlossen werden.“

Der Magistrat hat in einem Grundsatzbeschluss Prioritäten gesetzt. Er will mit der oberen Bahnstraße anfangen, mit der Romo-Anlage weitermachen und mit dem Lutherplatz das Finale einläuten. So weit die Theorie. Denn ob die finanzielle Entwicklung der Stadt es tatsächlich hergibt, alle drei Abschnitte zu realisieren, ist fraglich. „Dafür kann man heute keine gesicherte Prognose abgeben“, sagt Fachbereichsleiter Carsten Weise.

Einkaufen, flanieren, verweilen – über allem steht die Steigerung der Aufenthaltsqualität. Sichtbar werden soll das als Erstes zwischen der Zimmerstraße und dem Lutherplatz durch die Verwirklichung des Konzepts „Kirschenmäander“, dessen Name in diesem Fall leicht in die Irre führt. Es greift für die Nordseite der oberen Bahnstraße die an der Bahnlinie beginnende Platanenreihe auf und führt ebendiese (und keine Kirschbäume) als verbindendes Element einreihig bis zum Lutherplatz fort. Dazwischen sollen vereinzelt Behinderten- und einige Kurzzeitparkplätze sowie Sitzbänke angeordnet werden. Mehr als 40 Parkplätze würden wegfallen, allerdings nicht ersatzlos. Auf freien Grundstücken an der Taunusstraße und damit nur wenige Gehminuten von den Geschäften entfernt will die Stadt neue Abstellflächen anlegen. „Unterm Strich werden es mehr sein als bisher“, versichert Weise.

Für die Gestaltung der Südseite sind keine Bäume vorgesehen. Dafür soll als besondere Gestaltungsnote ein offener Wasserlauf entlang der Fahrbahn vor sich hin plätschern. Außerdem sind Sitzgelegenheiten, Fahrradständer und Lichtstelen angedacht.

Die Planer wollen die Kreuzungsbereiche aufpflastern, um den Autofahrern „Fuß vom Gas“ zu signalisieren. Das soll auch mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger bringen.

Ob die „Blütenträume“ in der Romorantin-/Long-Eaton-Anlage und auf dem Lutherplatz wahr werden, steht in den Sternen. Dabei sollen zahlreiche Kirschbäume ihre Pracht entfalten und zu anderen Stadtbäumen einen Kontrast bilden. Gepflanzt werden sollen sie an Stellen, die sich besonders für Erholung, Unterhaltung, Sport und Spiel eignen. So könnten sie ein Schachfeld oder Spielgeräte in der Anlage einfassen.

Drei dieser „Aktivitätsräume“ sollen die mittlere Bahnstraße bereichern. Die Verbindung stellt – ähnlich wie jetzt auch schon – eine Fußgängerallee her. Weitere Bestandteile sind Sträucher und Rasenflächen mit Frühjahrsblühern. Einbezogen werden soll die Fläche vor der Erk-Schule. Dort und auf den anderen Plätzen wären dann kleinere Veranstaltungen möglich. Außerdem könnte der Wochenmarkt vom Jahnplatz in die Anlage umziehen.

Am meisten würde die Neugestaltung des Lutherplatzes das Gesicht der Innenstadt verändern. Die Vision der Planer: Wo jetzt der Verkehr kreiselt, sollen eines Tages Wasserspiele die Passanten anlocken, Kirschbäume blühen, Leute im Freien ihren Kaffee trinken. Das hehre Ziel: „Wir wollen erreichen, dass der Lutherplatz zu einem Stadtplatz und echten Mittelpunkt wird“, so Schneider. Fließen könnte der Verkehr weiterhin von der Bahnstraße in die Rheinstraße und umgekehrt. Zur Zukunft der Seitenstraßen – abhängen oder nicht – will der Erste Stadtrat derzeit keine verbindliche Aussage treffen.

Beim Blick auf die Kosten spricht die Stadt nach den jüngsten Erfahrungen mit den Kreiseln von „Daumenwerten“ und legt einen „Toleranzrahmen“ von 30 Prozent zugrunde. Für die obere Bahnstraße liegt der Daumenwert bei 1,3 Millionen, für die Romo-Anlage bei 860 000 und für den Lutherplatz bei einer Million Euro. Dazu gibt’s Zuschüsse aus dem Landesprogramm Stadtumbau in Hessen. „Wenn wir die in Aussicht gestellte Förderung optimal in Anspruch nehmen wollen, dürfen wir nicht bummeln“, meint Schneider. Er hofft auf einen positiven Beschluss der Stadtverordneten zur Konzeptplanung am 17. März.

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