Regierungspräsidium erlässt neuen Hauptbetriebsplan für Firma Sehring

Weiteren Kiesabbau genehmigt: Rodung von 8,1 Hektar Wald

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Langen - Die Firma Sehring darf mit Erlaubnis des Regierungspräsidiums Darmstadt am Waldsee weitere 8,1 Hektar Bannwald fällen. Naturschützer haben bereits Klage eingereicht. Von Markus Schaible 

Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt hat den Weg frei gemacht für die Firma Sehring, im Bannwald südöstlich des Waldsees auf weiteren 8,1 Hektar Bäume zu roden und Quarzsand und -kies abzubauen. Vor wenigen Tagen genehmigte die Behörde, die von der Politikerin Brigitte Lindscheid (Grüne) geleitet wird, den Hauptbetriebsplan 2017-2019; die neuerliche Auskiesung ist Teil dieses Plans. Nach Angaben von Stefan Sehring, Vorstand der Sehring AG, handelt es sich bei der Abbaufläche um den Teilabschnitt 2A östlich der Mitteldicker Allee. Naturschützer laufen erwartungsgemäß Sturm gegen die Entscheidung. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat nach eigenen Angaben bereits Klage gegen den Hauptbetriebsplan eingelegt. Zugleich sei die Aufhebung des Sofortvollzugs beantragt worden, um die Rodung zu verhindern.

Herwig Winter, Vorstandsmitglied des BUND, nennt es „einen Skandal, dass schon wieder Bannwald gerodet werden soll“. Ob die bisher genehmigten Abbauflächen schon vollständig erschöpft sind, sei für die Naturschützer nicht überprüfbar. Auf jeden Fall drücke die Firma Sehring bei den Vorbereitungen für die neuerlichen Rodungen wieder mächtig aufs Tempo, um damit im Bannwald Tatsachen zu schaffen, bevor der seit vier Jahren anhängige Rechtsstreit entschieden ist. Aktuell ist das Verfahren gegen die Gesamtmaßnahme (Genehmigung einer Abbaufläche von 63,7 Hektar) vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel anhängig. Ein Verhandlungstermin ist noch nicht festgelegt.

Die jetzige Genehmigung ist bereits die dritte, seitdem Sehring die Südosterweiterung begonnen hat. Die ersten beiden Flächen waren 7,5 und 4,2 Hektar groß. Doch der BUND reklamiert für sich, durch seine „intensiven Bemühungen“ auch einen wichtigen Teilerfolg errungen zu haben: Der neue bergrechtliche Hauptbetriebsplan sei um acht Hektar kleiner als sein Vorgänger. Die „Entlassung“ dieser Fläche aus dem Bergrecht sei ein erster wichtiger Schritt, damit die am Waldsee ansässigen Betriebe, die nichts mit dem Kiesabbau zu tun haben, zurückgebaut werden und dort wieder Wald aufgeforstet werden könne. Der neue Hauptbetriebsplan erstreckt sich über die gesamte Fläche des Langener Waldsees einschließlich der Ostgrube und umfasst 214 Hektar.

Bilder: Bannwald erhalten oder Kies abbauen?

Die Firma Sehring hatte nach eigenen Angaben bis gestern Mittag noch keine Kenntnis über die weitere Klage des BUND. Eine Stellungnahme sei deshalb noch nicht möglich. Gleichzeitig sorgt der Kiesabbau auch an anderer Stelle für Diskussionen. Bekanntlich will die Koalition von CDU und SPD in der Regionalversammlung das Gesamtareal im Regionalplan wieder zu einer „Vorrangfläche für den Abbau von Kiessand“ machen und für den Waldsee ein neues Konzept für Freizeit und Erholung erarbeiten lassen. Derzeit ist der Bereich noch Vorranggebiet für Forst, Regionalpark und Grundwasserschutz, wie es die Vorgängerkoalition aus SPD und Grünen beschlossen hatte.

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Geht es nun nach den Grünen im Kreistag, sollen dessen Vertreter in der Regionalversammlung gegen dieses Ansinnen stimmen. Ein entsprechender Antrag steht auf der Tagesordnung der Kreistagssitzung am 13. September. „SPD und CDU setzten ein falsches umweltpolitisches Signal und wollen weitere Waldvernichtung am Langener Waldsee ermöglichen“, wettert Fraktionsvorsitzender Reimund Butz gegen die „Betonkoalition“ in der Regionalversammlung. „Mit dieser Kehrtwende in der Politik gegen den ungehemmten Raubbau an den ökologischen Grundlagen eines der wichtigsten Klima- und Trinkwasserschutzgebiete mitten im Ballungsraum machen SPD und CDU erneut deutlich, dass ihre Sonntagsreden zum Klimaschutz nichts wert sind.“

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