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RTW nach Langen: Stadt plant Bau eines weiteren Gleises

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Von: Julia Radgen

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Die weitere RTW-Planung ist Thema im Stadtparlament. Dabei geht es auch um die bevorzugte Gleis-Variante. © pixelio

Die Stadt Langen will den nächsten Schritt in Sachen RTW-Planung nehmen. Dafür ist ein weiterer Stadtverordnetenbeschluss notwendig.

Langen – Die im Sommer abgeschlossene Vorplanung hatte zwei wichtige Erkenntnisse gebracht. Erstens ist eine Anbindung nach Langen nach aktuellem Stand technisch machbar, zweitens zeichnet sich die sogenannte „Stellwerksvariante“ als bevorzugte Option ab, um die RTW-Züge an den Langener Bahnhof zu integrieren. Sie sieht den Bau eines notwendigen Bahnsteiggleises auf der Bahnhofwestseite vor, wo sich heute der Park-and-ride-Platz befindet. Sie stellt aber nach Angaben des Magistrats einen weit geringeren Eingriff in die Bahnhofssubstanz dar als die anderen Varianten „Taschengleis“, „Mittelbahnsteig“ oder ein südliches Wendegleis.

Die Stellwerksgleis-Variante bedeutet für Nutzer, dass sie zu einem separaten RTW-Bahnsteig außerhalb des Bahngeländes müssen. Diese Variante verbessere die Erschließung, da ein niveaugleicher Zugang zum RTW-Bahnsteig vom westlichen Bahnhofsvorplatz gewährleistet sei. Das wichtigste Argument ist aber, dass es für diese Variante – im Gegensatz zum zwischendruch von der Stadt favorisierten Taschengleis – die Zustimmung der Deutschen Bahn vorliegt. Auch die Feuerwehr und der Brandschutz des Kreises, mit denen sich die Stadt zur Erreichbarkeit des Stellwerksgebäudes über den geplanten Bahnübergang abgestimmt hat, sind mit dieser Option d’accord. Das Bestandsgebäude neben dem Stellwerk Langen, das die DB Immobilien aktuell als Lager nutzt, könne für den Gleisneubau ersatzlos abgerissen werden.

Langen: Zwei Untersuchungen zu weiterem Gleis stehen noch aus

Die Stadt resümiert also: „Diese Variante greift zwar in den P+R-Platz auf der Bahnhofwestseite ein. Allerdings gibt es hier mittel- bis langfristig sowieso Überlegungen, ein Parkhaus zu errichten, um die Nutzung der Parkfläche zu intensivieren. Der leichte Eingriff in das angrenzende Privatgrundstück wurde vorsorglich mit dem Investor frühzeitig besprochen und vertraglich abgesichert.“ Somit sei die Realisierbarkeit dieser Variante durch Dritte nicht gefährdet.

„Gemeinsames Ziel der RTW-Planungsgesellschaft und der Stadt war es, dass biszum Sommer 2022 alle Untersuchungsergebnisse vorliegen sollten. Dies ist leider nicht gelungen“, heißt es in der Beschlussfassung der Vorlage. Derzeit fehlten nach Angaben des Magistrats noch die aktualisierte Untersuchung zur Wirtschaftlichkeit (NKU) und die Eisenbahnbetriebswirtschaftliche Untersuchung (EBWU), die beide noch belegen sollen, dass die RTW-Anbindung Langens wirtschaftlich und betrieblich machbar ist. Beide Gutachten seien aber beauftragt und werden derzeit erstellt. Mit den Ergebnissen rechnen Planungsgesellschaft und Stadt aber frühestens im vierten Quartal dieses Jahres. „Nach aktuellem Stand werden bei beiden Untersuchungen positive Ergebnisse erwartet“, so die Stadt.

Gesellschafter müssen von Anbindung Langens trotz Mehrkosten überzeugt werden

Der zustimmende Stadtverordnetenbeschluss aus Langen sei nun nötig, damit es nicht zu zeitlichen Verzögerungen durch Langen kommt: Denn sobald die Ergebnisse da sind, will RTW-Geschäftsführer Horst Amann – der den Sachstand im Bauausschuss vorstellte, wo die Vorlage einstimmig angenommen wurde – umgehend die Erweiterung des RTW-Projektes vom Bahnhof Dreieich-Buchschlag bis zum Bahnhof Langen im Gesellschafterkreis zur finalen Entscheidung vorlegen.

Dies sei derzeit für die Novembersitzung geplant. Das Ergebnis dort muss laut Magistrat einstimmig sein. „Das heißt, dass auch die Gesellschafter überzeugt werden müssen, die von einer Anbindung Langens ,nichts haben‘, aber die Mehrkosten mitfinanzieren müssen. Um diese Überzeugungsarbeit leisten zu können, müssen alle Ergebnisse auf dem Tisch liegen, sie müssen insbesondere fundiert und seriös sein und dürfen keine Fragen mehr offenlassen“, heißt es in der Magistratsvorlage.

Beim Stellwerksgleis schwenkt das Gleis im nördlichen Bereich des Bahnhofs über eine Weiche westlich des bestehenden Stellwerks aus und verläuft über einen Abschnitt der Monzastraße und den Parkplatz bis zu der Treppenanlage an der Unterführung. Der zum Parkplatz führende Bereich der Monzastraße müsste baulich angepasst werden. grafik: stadt
Beim Stellwerksgleis schwenkt das Gleis im nördlichen Bereich des Bahnhofs über eine Weiche westlich des bestehenden Stellwerks aus und verläuft über einen Abschnitt der Monzastraße und den Parkplatz bis zu der Treppenanlage an der Unterführung. Der zum Parkplatz führende Bereich der Monzastraße müsste baulich angepasst werden. grafik: stadt © Grafik: Stadt

Langen: Neben RTW-Planung stehen auf der Tagesordnung weitere Themen

Zur Finanzierung

Noch offen ist laut Stadt die Frage der Finanzierung beziehungsweise wie sich Langen an dieser in der RTW-Planungsgesellschaft beteiligt. Grundsätzlich gebe es zwei Möglichkeiten: Zum einen könnte die Stadt Langen anstreben, Gesellschafterin zu werden. In diesem Fall müsste sie rund 1,5 Prozent aller Kosten tragen. Das wären laut Auskunft von RTW-Geschäftsführer Horst Amann allein für die Jahre 2023 bis 2029 rund 3,9 Millionen Euro. Noch nicht berücksichtigt sind bei diesen Beträgen die Kosten, die durch eine Anbindung der RTW nach Langen entstehen sowie Steigerungen bei Bau(neben)kosten.
Die zweite Möglichkeit der Finanzierungsbeteiligung wäre über den Kreis Offenbach als Gesellschafter. Dies ist bei der Stadt Dreieich der Fall, die „lediglich“ über die Kreisumlage beteiligt ist. Diese Variante setzt allerdings die Zustimmung des Kreises voraus. Zur Finanzierung soll es eine separate Beschlussvorlage geben.

Wenn die Ergebnisse der NKU und der EBWU vorliegen, werden sie den städtischen Gremien umgehend nachgereicht. Die Finanzierung ist noch nicht geklärt, hier gibt es mehrere Varianten. Die RTW-Planung steht auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung am heutigen Donnerstag um 20 Uhr im Rathaus (Raum 140). Neben diversen Fraktionsanträgen sind weitere Themen der Haushaltsplan 2023 und die Satzungsänderung zur Heraufsetzung der Altersgrenze im Langener Jugendforum. (Julia Radgen)

Eine große Befürworterin der RWT-Anbindung Langens ist die FWG-NEV. „Für uns wäre es wichtig, die RTW auf den S-Bahn-Gleisen zu führen, denn dies würde erhebliche Kosten sparen“, sagte der NEV-Chef Heinz-Georg Sehring vor einigen Monaten.

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