BÜRGERMEISTERWAHL Entscheidung fällt am 15. März / SPD-Kandidatin nur auf Platz drei

Dr. Werner und Löbig in der Stichwahl

Großes Interesse: Rund 250 Besucher verfolgten im Saal des Rathauses die Präsentation der Ergebnisse. Fotos: Strohfeldt

Langen – Dr. Jan Werner gegen Stefan Löbig – in diesem Duell wird die Bürgermeisterwahl in knapp zwei Wochen (15. März) entschieden. Und damit ist klar: Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Verwaltungschef Langens kein SPD-Parteibuch mehr. VON MARKUS SCHAIBLE

Denn Angela Kasikci landete im gestrigen ersten Wahlgang nur auf dem dritten Platz und ist damit in der Stichwahl ebenso wenig dabei wie Claudia Trippel, Joost Reinke und Stephanie Tsomakaeva. Allerdings gab erneut nicht einmal jeder zweite wahlberechtigte Langener seine Stimme ab.

Es ist 18.25 Uhr, als die erste Ergebnismeldung eines Wahlbezirks auf der Leinwand im Saal des Rathauses erscheint. Rund 150 Bürger und Angehörige der sechs Bewerber haben sich eingefunden (im Laufe des Abends werden es noch knapp 250) und sie sehen schon da das spätere Endergebnis. Zumindest ungefähr. Zwar ändern sich die Prozentzahlen mit jedem neuen Zwischenergebnis ein wenig, aber Einzelbewerber Dr. Werner pendelt immer so um die 40 Prozent, gefolgt von Erstem Stadtrat Stefan Löbig (Grüne), der bei 25 Prozent liegt. Immer so fünf Prozent hinter seinem der rote Balken, der das Ergebnis von SPD-Frau Kasikci vermeldet.

Von Anfang an ist auch klar: Claudia Trippel (FWG-NEV) sowie die beiden Einzelbewerber Joost Reinke und Stephanie Tsomakaeva spielen im Rennen um die beiden Plätze in der Stichwahl keine Rolle; zu niedrig sind ihre Prozentzahlen von Anfang an.

„Es ist ein Ergebnis, das ich erwartet habe“, sagt Amtsinhaber Frieder Gebhardt, noch während die letzten Bezirke ausgezählt werden. „Die Bürgermeisterwahl ist nun mal eine Personenwahl und da kommt es auf den Bekanntheitsgrad an. Und da sind die beiden einfach bekannter als unsere Kandidatin.“ Obwohl er keinen Hehl daraus macht, dass er Kasikci am ehesten die Leitung der Verwaltung zugetraut hätte.

Die wird aber nun auch in den kommenden sechs Jahren (Amtsantritt ist am 1. Juli) in Männerhand bleiben. Einig sind sich die beiden verbliebenen Bewerber vor allem in einem: Die kommenden zwei Wochen werden noch mal anstrengend und intensiv. Und beide hoffen auf Unterstützung aus Reihen der anderen Kandidaten.

„Ich bin zufrieden, ich hatte es so erwartet“, sagt Dr. Jan Werner, nachdem er zahlreiche Glückwünsche entgegengenommen hat. Er weiß aber auch: „Es ist überhaupt noch nichts gewonnen“ – und er erinnert an die Wahl vor sechs Jahren, als er im ersten Wahlgang gar noch besser abgeschnitten und letztlich doch verloren hatte. Aber er sei „vorsichtig optimistisch“.

Eine genaue Erwartung des Wahlausgangs habe er nicht gehabt, gibt Stefan Löbig zu Protokoll. Doch er habe eigentlich gedacht, dass die drei aussichtsreichsten Kandidaten näher beieinander liegen. Dass die drei „Abgeschlagenen“ keine Chance haben würden, sei ihm klar gewesen, wobei er Trippel etwas stärker eingeschätzt habe, wohingegen Reinke mehr Stimmen errungen habe als gedacht.

Die bisher geleistete Arbeit habe sich auf jeden Fall gelohnt, so Löbig. „Und nun müssen wir schauen, ob und wie sich die Parteien, die nicht mehr im Spiel sind, entscheiden.“ Er hoffe natürlich auf eine Wahlempfehlung der SPD, und auch von hochrangigen Vertretern der NEV habe es schon positive Signale gegeben. Dr. Werner sagt ganz allgemein: „Ich freue mich über jede politische Gruppierung, die sich hinter mich stellt.“ Absprachen im Vorfeld habe es aber nicht gegeben.

„Die Stimmung ist gut“, sagt die Drittplatzierte, Angela Kasikci. Sie sei mit ihrem Ergebnis zufrieden, zumal in der Kürze der Zeit, da sie ja zuvor nicht politisch in Erscheinung getreten war. Natürlich sei die Bürgermeister- eine Persönlichkeitswahl, so ganz frei von bundespolitischen Einflüssen sei aber auch sie nicht. Die Grünen seien im Höhenflug, die SPD stehe dagegen derzeit schlecht da. Und sie kündigt an: „Ich werde nun nicht wieder aus der Kommunalpolitik verschwinden.“ Und schließt ihr Statement mit einem vielsagenden: „Nach der Wahl ist vor der Wahl.“

Nicht unzufrieden sind auch die drei anderen: „Ich bin immer noch gelassen“, sagt Claudia Trippel. „Es war wie erwartet.“ Wobei, ein bisschen mehr hätte sie sich schon erhofft. Aber mit dieser Stichwahl habe sie gerechnet. Wobei sie Kasikci ein „respektables Ergebnis“ attestiert, aber dennoch zufrieden ist, „dass der SPD-Erbhof endet“.

Joost Reinke verweist darauf, dass er mit 1400 Euro das bei Weitem kleinste Wahlkampfbudget hatte und gegen die Marketing-Maschinerie von Dr. Werner, Grünen und SPD kein Staat zu machen sei. „Ich bin mir aber sicher, dass meine Stimme im Stadtparlament nun mehr Gewicht bekommt.“

Zwei Prozent in zwei Monaten Wahlkampf, damit sei sie zufrieden, so Stephanie Tsomakaeva. „Aber sich für so etwas Neues zu entscheiden, wie wir es fordern, ist schwierig.“ Auch sie kündigt an, aktiv und mit den „Pinkwesten“ präsent zu bleiben.

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