Frankfurt-Darmstadt

Radschnellweg-Engstelle sorgt wieder für Ärger: Protest bei Minister-Besuch

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir stellte sich in Langen den Fragen und der Kritik der Anwohner zum Radschnellweg.
+
Verkehrsminister Tarek Al-Wazir stellte sich in Langen den Fragen und der Kritik der Anwohner zum Radschnellweg.

Die Radschnellverbindung Frankfurt-Darmstadt soll eine attraktive Alternative für Pendelverkehr, Freizeit und Alltags sein. Doch eine Engstelle in Langen sorgt bei Anwohnern für Bauchschmerzen.

Langen – Es geht voran auf der Baustelle für die Radschnellverbindung Frankfurt-Darmstadt. Nachdem vor knapp sieben Wochen der Spatenstich für den Teilabschnitt zwischen Langen und Egelsbach erfolgt ist, sind die Fortschritte deutlich zu sehen. Anwohner nutzten den Baustellen-Besuch von Tarek Al-Wazir, um ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen.

In den ersten Bereichen zwischen dem Egelsbacher Bahnhof und der Langener Goethestraße ist bereits die neue Wegführung zu erkennen und wird aktuell ausgebaggert oder ist teils schon geteert. Im dahinterliegenden Wohngebiet ist die Straße Im Wiesengrund nahezu fertiggestellt, die Walter-Rietig-Straße (die zur Fahrradstraße wird) wird neugestaltet.

Langen: Radschnellweg sorgt weiter für Ärger – Al-Wazir besucht Baustelle

Um sich persönlich ein Bild von den Entwicklungen der Baumaßnahmen des Pilot-Projektes zu machen, hat der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) die Baustelle besucht. Vorbildlich auf einem E-Bike kommt er zusammen mit Bürgermeister Jan Werner und dem Ersten Stadtrat Stefan Löbig zwischen den Absperrungen angefahren. „Wir wollen die Verkehrswende und müssen den Radfahrern auch passende Möglichkeiten bieten“, betont er. Durch den Boom von E-Bikes und Pedelecs würden große Distanzen für Pendler und Bürger möglich, „die sonst nur die hart gesonnenen geschafft haben.“ Die insgesamt über 35 Kilometer lange Fahrradautobahn zwischen Darmstadt und Frankfurt biete dabei eine attraktive Alternative für Pendelverkehr, Freizeit und Alltag.

Neben Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Mitte) waren auch Jan Werner, Langens Bürgermeister (links), und sein Amtskollege Tobias Wilbrand aus Egelsbach vor Ort.

Zwischen die große Politik-Prominenz aus Minister und Bürgermeistern der beiden Kommunen, den Landtagsabgeordneten Katy Walther (Die Grünen) und Oliver Stirböck (FDP) sowie Landrat Oliver Quilling (CDU) mischen sich auch einige Anwohner, die das Vorhaben mit großen Bauchschmerzen betrachten. Simone Sanetra wohnt direkt Im Wiesengrund und hat sich mit einigen Nachbarn und weiteren Bürgern zu einer formlosen Bürgerinitiative zusammengeschlossen, die rund 160 Unterschriften gegen die – aus ihrer Sicht problematische – Wegführung gesammelt hat.

Radschnellweg: Problematische Wegführung – Anwohner aus Langen kritisieren Engstelle

Vor ihrer Tür führt der Radschnellweg auch an der bekannten Engstelle zwischen Goethestraße und der Trasse in Richtung Egelsbach vorbei, an der sich die Fahrbahn von über vier Metern auf rund die Hälfte verschmälert. „Diese Verengung ist mit unter zwei Metern nicht einmal für einen normalen Fahrradweg – geschweige denn für eine Fahrradautobahn – breit genug. Jeder Radfahrer, der dort durchfahren will, begibt sich in Lebensgefahr!“, kritisiert sie die Verantwortlichen.

Aber auch der Verlauf durch die Straße Im Wiesengrund sei keinesfalls sicher. Durch die Beengtheit käme es bereits jetzt zu brenzligen Situationen. „Ich hatte schon öfters beinahe einen Radfahrer an meinem Kühlergrill hängen. Wie soll das erst werden, wenn hier noch mehr Radfahrer mit noch viel höheren Geschwindigkeiten durchrauschen? Da sind doch Unfälle vorprogrammiert“, meint die Anwohnerin. Der Minister entgegnet, dass Radschnellverbindungen ganz bewusst an Wohngebiete oder Bahnhöfe heran gelegt würden, um nahe an den Bürgern zu sein. „Sie sind zentrales Element eines Netzes, das den Umstieg auf das Fahrrad im Alltag erleichtert.“

Um diese Engstelle geht es. Die Anwohner nervt auch, dass sie den Weg ins Grüne nicht mehr benutzen dürfen.

Langen: Alternative Route um Wohngebiet soll kommen

Sanetra hakt jedoch nach: „Viele Leute nutzen täglich die belebte Straße und den Weg in Richtung der Rechten Wiese, um mit dem Hund Gassi zu gehen oder den Kinderwagen auszufahren. Wie sollen diese Fußgänger in Zukunft in die Natur kommen?“ Daraufhin stellt Manfred Ockel, Geschäftsführer der verantwortlichen Regionalpark Rhein-Main GmbH, klar, dass tatsächlich der kleine Weg zwischen den Häusern nicht mehr für Fußgänger bestimmt sein wird. „Wir werden aber eine alternative Route um das Wohngebiet herum schaffen“, verspricht er.

Auch Bürgermeister Jan Werner schaltet sich ein. „In Egelsbach hat auch zunächst große Skepsis geherrscht und jetzt ist der Radweg gar nicht mehr wegzudenken“, meint der Langener Rathauschef. Auf die Frage nach einer alternativen Streckenführung entgegnet er, man habe seinerzeit extra bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises nachgefragt und dabei festgestellt, dass einige Anwohner ihre Gärten illegal in das Naturschutzgebiet erweitert hätten. „Die aktuelle Wegführung ist aber keine Retourkutsche für diese Annexion“, versichert er. Es sei schlicht kein anderer Weg genehmigt worden. Ockel verspricht daraufhin den Anwohnern einen Rundgang, um ihnen den Kompromiss für die Wegführung der Fußgänger genauer zu erläutern. Außerdem würden Temposchwellen an der Verengung angebracht, um die Geschwindigkeit der Fahrräder im Wohngebiet zu drosseln. Das halten die Anwohner für eine gute Idee – und wollen den Termin abwarten. (Moritz Kegler)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare