Naturschützer kritisieren Rodung

Mal wieder Streit um Bäume

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Der Stein des Anstoßes: Der BUND vermutet, dass es für die Rodung von Bäumen und Sträuchern auf dem Wall keine Erlaubnis gab, das Regierungspräsidium und die Sehring AG sprechen von einem genehmigten Gehölz-Rückschnitt.

Langen - Hat die Firma Sehring am Waldsee ohne Genehmigung Bäume und Büsche gerodet? Diese Frage wirft der örtliche Ableger des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) auf – und attackiert gleichzeitig das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt ob seiner Informationspolitik. Von Markus Schaible 

Das wiederum spricht ebenso wie die Sehring AG von einem genehmigten „Rückschnitt von Gehölzen“ und nicht von einer Rodung. Längere Zeit war es relativ ruhig in der öffentlichen Debatte rund um den Sand- und Kiesabbau im Langener Stadtwald. Die Sehring AG fördert die Rohstoffe auf den Flächen, auf denen sie mittels Sofortvollzug-Genehmigungen des RP den ehemaligen Bannwald hatte roden dürfen. Ansonsten warten sowohl das Unternehmen als auch die Naturschützer darauf, dass vom Verwaltungsgerichtshof in Kassel endlich ein Verhandlungstermin für die Klagen des BUND angesetzt wird.

Doch in diese relative Ruhe platzt nun eine Mitteilung des BUND. Dieser will festgestellt haben, dass am Waldsee durch die Firma Sehring Baumfällungen erfolgt sind, die nach Ansicht der Naturschützer nicht durch die vorhandenen Erweiterungsgenehmigungen abgedeckt seien.

Konkret geht es dabei um den bestehenden Schutzwall zwischen der Westgrube und den neuen Kiesabbauflächen der Südosterweiterung. Dort seien von Sehring auf einem größeren Abschnitt sämtliche Bäume und Gehölze gerodet worden, obwohl dieser Damm dort ein wichtiges Rest-Habitat für die bedrohte Tierwelt darstelle. Zudem diene der Bewuchs auf diesem Wall auch dem Sicht- und Immissionsschutz, um Störungen aus dem laufenden Abbaubetrieb vom Strandbad fernzuhalten, sagt Rainer Klösel, Vorsitzender des BUND-Ortsverbands Langen/Egelsbach.

Alles zum Streit um Kiesabbau in Langen

Der Verdruss richtet sich vordringlich gegen das Darmstädter Regierungspräsidium: Bereits im November vergangenen Jahres sei schriftlich um Informationen zu der neuerlichen Baumfällaktion nachgefragt worden. „Aber bis heute haben wir vom Bergamt keine ausreichende Erklärung auf die Nachfragen erhalten“, moniert Klösel.

Dies bestätige den BUND wieder einmal in der langjährigen Kritik und in der Erfahrung, dass die zuständige Aufsichtsbehörde bei kritischen Nachfragen erst einmal abtauche, Informationen nur häppchenweise herausgebe oder offensichtlich manchmal auch gar nicht immer so genau informiert sei, was sich am Waldsee so alles tue.

Auf Anfrage unserer Redaktion weist die Pressestelle des RP die Kritik der Naturschützer zurück: „Der Rückschnitt von Gehölzen wurde im letzten Hauptbetriebsplanantrag thematisiert und mit Bescheid vom 26. Oktober 2015 zugelassen. Da es sich bei dem Wall nicht um Wald handelt, stellt der Rückschnitt der Gehölze auch keine Rodung dar. Dies wurde dem BUND in der vergangenen Woche bereits so mitgeteilt“, schreibt Sprecher Dieter Ohl.

Impressionen vom Waldsee

Ebenso wie das RP betont Geschäftsführer Stefan Sehring die Rechtmäßigkeit der Fällarbeiten. Sie seien erforderlich gewesen, da „zur Erschließung und Wahrung der Betriebssicherheit in der östlichen Hälfte des derzeit genehmigten Abbauabschnitts die Herstellung einer weiteren Zufahrtsmöglichkeit in der Südostecke der Westgrube geplant ist“. Hart kritisiert Sehring „die unerträglichen und falschen Auslassungen der BUND-Protagonisten“; er hoffe, dass diese endlich aufhören. [Mehr über die umfangreiche Stellungnahme der Sehring AG lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe]

Spaziergängern im Stadtwald ist zudem aufgefallen, dass dort Bereiche abgesteckt wurden – so, als ob sie als Markierungen für weitere Rodungen dienen. Dem sei nicht der Fall, betont RP-Sprecher Ohl: „Die Absperrungen östlich des derzeitigen Tagebaubetriebes stehen nicht im Zusammenhang mit der Gewinnung von Sanden und Kiesen am Langener Waldsee, sondern sind bedingt durch die forstfachliche Bewirtschaftung des Waldes.“ Sie seien nicht auf Veranlassung des Unternehmens geschehen, ergänzt Sehring.

Auch beim BUND ist man relativ entspannt, was weitere Rodungen betrifft. Noch habe Sehring augenscheinlich genug auf dem aktuellen Gelände zu tun, heißt es aus Kreisen der Naturschützer. Ein weiterer Antrag auf Sofortvollzug noch vor Beginn der Vegetationsperiode sei wohl nicht zu befürchten. Deshalb hoffe man, dass der Verwaltungsgerichtshof in Kassel, bei dem zwei Klagen des BUND anhängig sind, noch vor weiteren Rodungsanfragen entscheide. Einen Verhandlungstermin gibt es aber noch nicht, allerdings habe das Gericht mitgeteilt, dass Stellungnahmen bis März abgegeben sein müssen.

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