Roland Olschok verwandelt Stadthalle in sein Wohnzimmer

Es wird gespielt, was Spaß macht

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Roland Olschok (rechts) holt im Laufe des Abends auch Tommy Scharf auf die Bühne, die sich im Unplugged Music Projekt ganz den Oldies verschrieben haben.

Langen - „Womit hab ich das verdient?“, sagt Roland Olschok demütig, als er auf die Bühne tritt und in die dicht besetzte Stadthalle blickt. Von Timo Kurth 

Damit hat das Langener Urgestein wohl doch nicht gerechnet: Gut 200 Personen sind am Samstagabend gekommen, um ihm und seinen musikalischen Weggefährten zu lauschen. Unter der Überschrift „Roland Olschok & Friends“ konnte der Langener einen ganzen Abend sein heimisches Publikum begeistern. Erwartungsfroh stehend und sitzend begrüßen seine Besucher den Künstler mit einem warmen Applaus.

„Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen nervös“, verrät selbst der erfahrene Bühnengänger Olschok, bevor es losgeht. Doch spätestens als die ersten Töne erklingen, ist davon kaum noch etwas zu hören. Gemeinsam mit der Sängerin Elena Keller, mit der er die Band InTact bildet, schmeißt der Musiker die Zuschauer in sein buntes Blumenbeet aus Songs der Vergangenheit und Gegenwart. Mit dem Titel „Change the world“ von Eric Clapton legen die beiden zunächst rein akustisch los – letztlich stellt sich der Beginn allerdings als Ruhe vor dem Sturm heraus.

Denn schnell finden mit Boris Pons und Detlef Möbius auch Bass und Schlagzeug den Weg auf die Bühne und das akustische Gewand wird gegen kratzig-rockige Töne eingetauscht. „Nobodys Home“ von Avril Lavigne wird angespielt, was wieder einmal zeigt: Olschok und seine Friends legen sich an diesem Abend nicht auf eine Genreschublade fest. Es wird gespielt, was Spaß macht - und das kommt an. Das Publikum freut sich klatschend über den vielseitigen Mix.

Ein Künstler von Olschoks Format hat selbstverständlich nicht nur eine Band. Sein Unplugged Music Project mit Frontmann Tommy Scharf hat sich ganz und gar Oldies verschrieben. Seine Freunde, laut eigenen Angaben „allesamt ältere Semester“, kennen sich schon, seit sie in den 70ern Rocksongs am Lagerfeuer spielten. Auch ohne Lagerfeuer gelingt es der Band, mit Klassikern wie „Hotel California“ oder „Stairway to Heaven“ die Rockfans der Stadthalle auf ihre Seite zu ziehen. Bandleader Olschok lässt dabei seine Gitarrensaiten schwingen und ein Solo jagt das nächste. „Und das trotz unserer Bandscheibenvorfälle“, konstatiert der Chef, wobei auch seine Bandkollegen lachen müssen.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Olschok ist ein musikalischer Autodidakt durch und durch. Er improvisiert bei allem, was er auf der Bühne tut. „Ich hätte vielleicht mal eine Gitarrenstunde nehmen sollen“, sagt er lachend, als er bei einem Song versehentlich das Gitarrenkapodaster an die falsche Stelle zieht. Der Künstler hat jahrzehntelange Bühnenerfahrungen, weshalb ihm solche Kleinigkeiten nicht aus der Ruhe bringen können. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass vieles spontan läuft. „Wir hatten nicht viel Zeit zum Üben, deshalb machen wir jetzt quasi eine öffentliche Probe auf der Bühne“, sagt er schmunzelnd, bevor die unterfränkische Sängerin Kerstin Wirsing zu ihm tritt. Als diese dann voller Inbrunst den Evergreen „Don’t stop believing“ anstimmt, hält es viele nicht mehr auf den Stühlen und vor der Bühne bildet sich eine dichte Tanzgruppe.

Auch Eigenkompositionen werden präsentiert. Liedermacher Markus Fischer kennt Olschok bereits seit 40 Jahren. „Es wird Herbstzeit überall im Land“ schallt seine hohe Männerstimme zunächst weich und zurückhaltend durch den Raum, bis der Herbst schließlich seine stürmische Seite zeigt und das Werk in einem beeindruckend kraftvollen Gitarrensolo endet.

Seine Band InTact bildet schließlich Beginn und Endpunkt. Zu den funkigen Klängen aus den Boxen wird noch einmal deutlich, dass hier für jeden etwas dabei ist. Beim bebenden Abschlussapplaus grinst einer an seiner Gitarre vor sich hin: Roland Olschok hat es geschafft, all seine musikalischen Seiten unter einen Hut zu bekommen und die Stadthalle in sein persönliches musikalisches Wohnzimmer zu verwandeln.

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