Wohnen und Natur verbinden

Für Wohngebiet Liebigstraße werden weitere Weichen gestellt

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Wo derzeit Brachflächen, das Gleisschwellenwerk und der Wertstoffhof sind, soll in den kommenden Jahren Wohnraum für 3000 Menschen entstehen.

Langen - Es ist das größte Siedlungsprojekt seit der Entstehung von Oberlinden in den 1960er Jahren: An der Liebigstraße will die Stadt auf gut 20 Hektar Wohnraum für etwa 3000 Menschen schaffen. Solch ein Projekt braucht seine Zeit. Von Markus Schaible 

Doch nun steht wieder ein entscheidender Schritt an: In Kürze wird der Erschließungsträger für den nördlichen Teil ausgewählt. Von Bahnhof bis (fast) zur Nordumgehung und dann nördlich der bestehenden Bebauung bis zur Hans-Kreiling-Allee: Das Wohngebiet Liebigstraße hat enorme Ausmaße. Bis zu 1200 Wohneinheiten sollen entstehen, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt. Allerdings nicht komplett von heute auf morgen, sondern gestaffelt, wie Simon Valerius, oberster Stadtplaner im Rathaus, erklärt. Die Firma HBB, die am Südende ein Einkaufszentrum samt Hotel errichten will, peilt den Herbst als Baubeginn an. Kommendes Jahr will die Firma Weisenburger auf dem Gelände des Gleisschwellenwerks beginnen. Der Bauträger aus Rastatt, der auch im Belzborn aktiv wird, hat das Areal vom Unternehmen Rail One, das bekanntlich wegzieht, gekauft. Bleibt der Bereich nördlich davon und bis zur Kreiling-Allee: „Ziel dort ist es, 2020 mit dem Gebäudebau zu beginnen“, sagt Valerius. Doch dazu sind viele Vorarbeiten zu erledigen: „Derzeit läuft die Ausschreibung für einen Erschließungsträger. Sie ist kurz vor dem Abschluss, im Mai werden wir wissen, wer das Gebiet in Angriff nimmt.“

Für ihre Gestaltungsideen für das Wohngebiet Liebigstraße prämiert wurden (von links) die Studenten Amelie Ewert, Rebecca Faller, Beatrix Baltabol, Jeremias Heinze, Tim Großblotekamp und Thorsten Wagner.

Kernaufgaben werden sein: die in unterschiedlichem Besitz befindlichen Grundstücke organisieren, die Erschließung (also Bau von Straßen, Versorgungsleitungen etc.) in Angriff nehmen und das Gebiet dann für eine Bebauung durch Bauträger vermarkten. „Damit hat der Erschließungsträger ein paar Jahre zu tun“, weiß Valerius aus Erfahrung. Und so gelte für sämtliche Zeitpläne: „Wie es dann in der Realität aussieht, bleibt abzuwarten.“ Dass Bedarf für derart viel Wohnraum besteht, bestätigt Andreas Ostermann, Vorstand beim Bund Deutscher Baumeister Frankfurt: „In der Rhein-Main-Region fehlen etwa 184 000 Wohnungen.“ Ostermann saß mit in der Jury eines Wettbewerbs der Frankfurt University of Applied Sciences (wie sich die einstige Fachhochschule heute nennt) für angehende Stadtplaner. Und die hatten zur Aufgabe, genau die 20 Hektar an der Liebigstraße zu beplanen. Für das Gebiet gibt es zwar bereits einen von den Stadtverordneten beschlossenen Rahmenplan, doch vielleicht fließt noch die ein oder andere Idee in die künftige Gestaltung ein: „Alle Beteiligten erhalten die Konzepte an die Hand, dann muss man schauen, wie es sich entwickelt“, so Valerius. Das Gute daran sei, so Bürgermeister Gebhardt: „Die Studenten bringen schon eine ganze Menge Fachkompetenz, aber auch Unbefangenheit mit ein.“ Und damit auch neue Sichtweisen.

So gab es bei dem Wettbewerb einen Sonderpreis für ein ungewöhnliches Konzept: Es bezieht die im Norden vorhandene Feldstruktur der Grundstücke mit ein und geht dort mit vier- bis achtgeschossigen Punkthäusern in die Höhe. Damit bleibt Platz für Freiflächen – zur Bahn hin planen Jan Schmidt, Benjamin Schmid, Andrea Leinung, Kristin Gerster und Sebastian Nawroth gar einen Sportplatz und einen See. Etwas konservativer sind die beiden gleichermaßen prämierten Preisträger herangegangen: Beatrix Baltabol, Rebecca Faller und Amelie Ewert stellen sich ein durchgängig verkehrsberuhigtes Quartier mit klarer Blockstruktur vor. Ihr Konzept verzahne die Stadt besser mit der umgebenden Kulturlandschaft, heißt es in der Jury-Begründung. Auch der Entwurf von Thorsten Wagner, Jeremias Heinze, Mareike Brehm und Tim Großblotekamp versucht, Stadt und Freiraum besser miteinander zu verbinden: Sie könnten sich zwei Flanierstreifen und im Norden einen großzügigen Freiraum unter anderem mit Mietergärten vorstellen.

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„Die Ideen sind hilfreich“, betont Gebhardt: „Und selbst, wenn sie nicht umgesetzt werden, profitieren wir als Stadt davon.“ Im Herbst wird es einen weiteren Studentenwettbewerb geben – aufbauend auf den jetzigen Konzepten geht es um die Hochbauentwürfe. Die studentischen Arbeiten sind bis Mitte Mai im Foyer des dritten Obergeschosses des Rathauses zu sehen.

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