Gesund durch die Jugend

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Jens Köhler beantwortet den Schülern auch Fragen zur Gesundheit, die sie mit ihren Eltern nicht besprechen möchten.

Langen - „Wer möchte bei einem kleinen Experiment mitmachen?“, fragt Jens Köhler die Schüler der siebten Klasse. Die meisten zögern noch, doch Hannah springt direkt auf und meldet sich. „Alles klar“, sagt Köhler. Von Daniel Untch

„Dann drehen wir dich jetzt 15 Mal im Kreis und danach versuchst du, möglichst sauber das Haus vom Nikolaus an die Tafel zu zeichnen. “ Gesagt, getan. Unter lauten Anfeuerungsrufen ihrer Klassenkameraden drehen Köhler und seine Kollegin Nadja Zejewski Hannah immer wieder im Kreis. Dann kommt sie auf wackeligen Beinen vor der Tafel zum Stehen und zeichnet, erstaunlich schnell und gut, das Haus vom Nikolaus auf den Schiefer. Als Belohnung gibt es Applaus. Damit ist das Eis gebrochen. Mehr Schüler, als es der Zeitrahmen zulässt, melden sich, um es auch einmal zu versuchen.

Jugendlichen haben sehr viele Fragen

So sieht natürlich kein normaler Unterrichtstag in den siebten Klassen der Dreieichschule aus. Doch an diesem Vormittag steht für alle Siebtklässler ein doppelstündiger Workshop der Initiative zur Förderung der Jugendgesundheit auf dem Stundenplan. „Die Aktion findet bei uns an der Schule zum zweiten Mal statt, nachdem es im vergangenen Jahr durchweg positive Rückmeldungen gab“, sagt Lehrer Sebastian Klaar, der am Gymnasium für die Koordination von Schule und Gesundheit zuständig ist. Dabei gehe es darum, die Kinder für die Signale zu sensibilisieren, die der Körper während der Pubertät sendet. Unter anderem mit solchen – wie oben geschilderten – „Körpererfahrungsspielen“, wie sie Jens Köhler nennt. „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren rund 300 Workshops geleitet“, erzählt Köhler von der Arbeit des Teams und ergänzt: „Dabei haben wir immer wieder gemerkt, dass die Jugendlichen sehr viele Fragen haben.“

Dass solch eine Veranstaltung auf vieles aufmerksam machen, aber nicht alle Fragen beantworten kann, ist klar. Deshalb erzählen die Leiter immer wieder von der Jugenduntersuchung J1, denn auf diese will die Initiative zur Förderung der Jugendgesundheit aufmerksam machen. „Die J1 ist bei den Eltern noch relativ unbekannt“, konstatiert Köhler. Lediglich ein Drittel aller Jugendlichen zwischen zwölf und 14 Jahren nimmt teil. Dabei können bei dem kostenlosen Angebot mögliche Probleme und Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt werden. Zudem haben Jugendliche im Beratungsgespräch die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die sie mit ihren Eltern möglicherweise nicht besprechen möchten.

Dazu bietet auch der Workshop einen sicheren Raum. Im zweiten Teil der Veranstaltung wird die Klasse nach Geschlechtern aufgeteilt. Köhler und seine Kollegin übernehmen dann die entsprechenden Gruppen. „In dieser Phase haben sowohl die Jungs als auch die Mädchen vier Themengebiete zur Auswahl und entscheiden sich für eines, das besprochen wird“, erklärt er das Vorgehen. Die Wahlmöglichkeiten lauten: Liebe und Sex, Zoff mit anderen, Drogen oder Sport und Ernährung.

Ob durch die hessenweite Arbeit von Köhler, Zejewski und dem Rest ihres Teams die Zahl der Jugendlichen, die zur J1 gehen, steigt, kann aus Gründen des Datenschutzes nicht ermittelt werden. Eines ist für die Workshopleiter aber klar zu erkennen: „Wenn wir uns von den Gruppen verabschieden, ist die Bereitschaft, zum Arzt zu gehen, sehr groß.“

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