Das Gepolter unterbrechen

Workshop in Langen: Rechten Parolen entgegentreten

Die Teilnehmenden des Argumentationstrainings gegen rassistische Positionen beim Erproben von Strategien.
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Die Teilnehmenden des Argumentationstrainings gegen rassistische Positionen beim Erproben von Strategien.

Sarah Krause ist beruflich viel mit der Bahn unterwegs. „Insbesondere im Zug und am Bahnhof höre ich immer wieder abwertende Redensarten“, erzählt die Egelsbacherin. Aber auch im privaten Umfeld komme das vor. „Und da ist es besonders schwierig, dem entgegenzutreten“, findet die 29-Jährige. Sie wolle sich „besser vorbereitet fühlen“.

Langen – Deswegen nimmt Krause an einem Argumentationstraining im Martin-Luther-Gemeindehaus teil, das Gemeindepädagogin Carolin Jendricke vom Evangelischen Dekanat Dreieich organisiert hat. Das Seminar trägt den Titel „Widersprechen – aber wie?“ und soll helfen, rechten, rassistischen und andere diskriminierenden Positionen entgegenzutreten. Gefördert wird das Projekt von der Partnerschaft für Demokratie „Vielfalt in Langen“ innerhalb des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport.

Hans-Jürgen Ladinek aus Ludwigshafen und seine Tochter Sarah sind ausgebildete Argumentationstrainer und leiten den siebenstündigen Workshop. Den Teilnehmern zwischen 17 und 70 Jahren geht es vor allem darum, mehr Sicherheit im Umgang mit diskriminierenden Äußerungen zu gewinnen. Zu Beginn sammelt die Gruppe Beleidigungen und despektierlichen Phrasen, die die Teilnehmenden im Alltag wahrgenommen haben. Schnell kommen mehrere eng beschriebene Flipchart-Papiere zusammen. Gemeinsam wird am Vormittag erarbeitet, was Stammtischparolen kennzeichnet und warum es so schwerfällt, sich ihnen gegenüber angemessen zu positionieren.

Der 17-jährige Jonathan Bari nimmt derlei abschätzige Bemerkungen oft auf dem Schulhof wahr: „Die Entwicklung der Gesellschaft ist zum Teil beängstigend. Mir begegnen immer wieder Situationen, in denen ich nicht weiß, wie ich mich am besten verhalte“, sagt der Vorsitzende des Langener Jugendforums. „Aber ich nehme mit, dass es nicht vorrangig darum geht, mein Gegenüber zu überzeugen, sondern meinen Standpunkt klar zu machen und zu verdeutlichen, dass ich mit dem Gesagten nicht einverstanden bin.“

Am Nachmittag widmet sich die Gruppe verschiedenen Taktiken im Umgang mit entsprechenden Aussagen. In Rollenspielen werden diese erprobt, anschließend tauschen sich die Teilnehmer darüber aus, wie es sich anfühlt, in eine solche Diskussion einzusteigen. Eine besonders effektive Vorgehensweise ist das Fragenstellen: „Mit Fragen bringe ich mein Gegenüber in Erklärungsnot und unterbreche das Gepolter“, gibt Trainerin Sarah Ladinek den Mitwirkenden an die Hand. „Das Ziel ist nicht, als Sieger vom Feld zu gehen, aber ich sollte meine ‚Duftmarke‘ hinterlassen“, ergänzt ihr Vater. Der pensionierte Polizeihauptkommissar hat mittlerweile unzählige solcher Trainings durchgeführt.

„In der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, argumentieren zu können“, stellt Karin Maier fest. Die 70-Jährige hat vor Kurzem eine unerfreuliche Situation beim Einkaufen erlebt und sich daraufhin für den Workshop im Luther-Gemeindehaus angemeldet. „Ich möchte nicht, dass rassistische und diskriminierende Sprüche bei uns die Oberhand gewinnen. Der Tag heute hat mir dafür hilfreiche Strategien an die Hand gegeben“, freut sich die Rentnerin.

Am Schluss sind sich alle einig, dass sie nun über ein Instrumentarium verfügen, das es ihnen erleichtert, adäquat auf herabwürdigende Aussagen zu reagieren. Als Fazit gibt Trainer Ladinek den Teilnehmern noch einen wichtigen Satz mit auf den Weg: „Wir sind oft sprachlos, aber wir sind nicht hilflos.“ (cj)

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