Wutbürger wollen gefragt werden

Langen - Ginge es um die Gründung eines Vereins, einer Bürgerinitiative oder einer Partei, wäre es die konstituierende Sitzung gewesen. Doch gerade das ist nicht die Absicht der Initiatoren des ersten Langener Bürgerstammtisches, der im SSG-Center über die Bühne ging. Von Enrica Sauda

„Aber, wenn Sie das wollen, sind wir natürlich offen“, sagt Holger Kintscher, der mit Werner Keim den Anstoß zu diesem Treffen gab. „Und wenn wir nach einigen Malen einen Bürgermeisterkandidaten hätten, wäre das auch eine schöne Sache“, fährt Kintscher fort – doch das ist wohl als Scherz gemeint.

„Die Idee zu diesem Stammtisch entstand bei der Demonstration am 1. Dezember“, erklärt er. „Unser Ziel ist es, Alternativen zu entwickeln. Lasst uns mitreden darüber, für was Geld ausgegeben wird in unserer Stadt. Die Selbstherrlichkeit der Stadtverordneten soll aufhören“, fordert Kintscher. Auf die Verwaltung einzuprügeln helfe nicht weiter, „wir müssen über grundsätzliche Dinge nachdenken“.

Die Langener Wutbürger – „ja, so könnte man uns tatsächlich nennen“, sagt Kintscher – fordern unter anderem mehr Transparenz und Mitsprache beim städtischen Haushalt. So etwas wie diesen Bürgerstammtisch habe es zuvor in der Sterzbachstadt noch nicht gegeben, so der Organisator: „Der Bürgerzorn ist in Langen angekommen und soll kanalisiert werden.“

Geht es nach den 30 Langenern, die zum ersten Treffen gekommen sind, soll aus dem Stammtisch etwas Bleibendes gedeihen. „Das sind mehr Teilnehmer, als wir erwartet haben“, ist Kintscher zufrieden. Glücklich ist er auch über die sachliche Art, in der die Runde diskutiert. „Ich hätte mehr Egoismen erwartet. Auf dieser Basis können wir weiter reden.“

Lange Liste

Dabei ist die Liste der Themen, die an diesem Abend angesprochen werden, lang. Da geht es um vermeintliche Fehlinvestitionen beim Bau der Stadt-Info im Rathaus (245.000 Euro), Bau und Abriss des Grillplatzes mit Wingertshäuschen (rund 260.000 Euro), um den Kanalsanierungszuschlag in Höhe von vier Prozent, der auf die Langener zukommt, um die „Millionenkreisel“ sowie um den Umbau der Bahnstraße, um die Straßenbeitragssatzung und um die Kosten, die für die Erstellung von Gutachten entstehen.

Zentrale Fragen des Abends sind jedoch: Wie organisieren wir uns und wie kommunizieren wir, was wir erarbeiten? Eine Möglichkeit wäre, zur Bürgermeistersprechstunde zu gehen.

Termin für weitere Treffen soll jeweils der letzte Dienstag im Monat sein (19 Uhr, SSG-Center). Am Ende eines jeden Bürgerstammtischs wollen die Teilnehmer festlegen, um was es bei der nächsten Zusammenkunft geht. Bis zum 28. Februar wollen sich die Interessierten schlaumachen über die Straßenbeitragssatzung und den zweiten Kreisel.

„Es gehen zu wenig Leute ins Rathaus, um denen dort auf die Finger zu gucken und hinterher ist das Geschrei groß“, mahnten die Anwesenden. Das soll in Zukunft anders werden. „Bürger müssen sich beteiligen“, so der Konsens. Deshalb ist es nach dem Dafürhalten von Holger Tschischkale wichtig, „dass wir den Verantwortlichen bei der Stadt sagen, was uns alles nicht gefällt. Wir wollen gefragt werden, ob wir Projekte überhaupt wünschen.“

Doch bei dem Treffen fanden die engagierten Teilnehmer nicht nur Negatives, sondern suchten auch nach Lösungen und Sparmöglichkeiten. So wurde im sozialen Bereich eine engere Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen Egelsbach, Dreieich und Neu-Isenburg angeregt. Auch kam zur Sprache, dass Langen mit Innovationen Geld verdienen könnte – warum sollten die Stadtwerke nicht zum Stromerzeuger werden?

Rubriklistenbild: © Stephan Bratekgeralt/pixelio.de

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