Notizbuch der Woche

Kommentar: Zeit ist immer wieder Geld

Zugegeben, angesichts der Katastrophe in Haiti und der Sorgen der Menschen dort, über die wir ja auch heute wieder berichten, fällt es ein wenig schwer, sich den ungleich geringeren Problemen hierzulande mit gleicher Intensität zu widmen. Von Markus Schaible

Jedoch, das Leben geht auch hier weiter, wenngleich es zumindest auf politischer Ebene zu Jahresbeginn noch relativ ruhig abläuft. Themen, die die Langener bewegen, gibt es natürlich trotzdem… Da wäre die Stadthalle: Gut zweieinhalb Monate ist sie nun eröffnet, viele Bürger haben sie schon bei Veranstaltungen besucht. Und wenn sie Pech hatten, wurde ihr Genuss durch die technischen Probleme gemindert. Dies ist nicht schön, wird aber wohl noch einige Zeit so weitergehen. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass es ein halbes bis ein Jahr dauert, bis alles perfekt läuft“, sagte Stadthallen-Chef Joachim Kolbe unserer Zeitung. Nur sind das eben Aussagen, die schnell wieder vergessen werden, weil sich wohl jeder vom Glanz des neuen Hauses blenden ließ.

Und: Da ging Kolbe noch davon aus, die Halle in ordnungsgemäßem Zustand zu übernehmen. An Fehler in irgendwelchen Kabeln, Steckern und hoch technischen Geräten war da nicht gedacht. Stellt sich die Frage, ob der Zeitplan – der ja letztlich auch nicht eingehalten wurde, was zur Verschärfung des Problems führte – nicht doch zu ehrgeizig war. Aber Zeit ist Geld, also sollte die Schließung der Halle so kurz wie möglich gehalten werden. Bleibt nur zu hoffen, dass nun nicht zu viele einen schlechten Eindruck bekommen, denn einen schlechten Ruf hätte Langens Prunkstück nun wirklich nicht verdient. Und die Besucher können sicher sein: Das Team, selbst extrem genervt von den Unzulänglichkeiten, wird alles dazu tun, die Technik so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen.

Dass die Bahn ihre Probleme auf der Linie S3 in den Griff bekommt, erscheint da schon eher fraglich. Zwar sollen Ende März/Anfang April endlich die neuen Züge zum Einsatz kommen, die zumindest ein Plus an Komfort mit sich bringen. Aber ob allein die schnellere Beschleunigung dazu beiträgt, die häufigen Verspätungen zu vermeiden, darf bezweifelt werden. Und die Änderungen an der Strecke, die ein Bahnsprecher ankündigt, dürften so schnell nicht kommen – dazu gibt es viel zu viele Beispiele, wie langsam sich die Zahnräder im Bürokratie-Getriebe des einstigen Staatsunternehmens bewegen. Aber auch hier gilt halt: Zeit ist Geld. Soll in diesem Fall heißen: Je mehr Zeit man sich lässt, die Probleme wirksam anzugehen, desto länger muss man kein Geld ausgeben. Und die Fahrgäste zahlen ja trotzdem – den jährlich steigenden Preis.

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