In der Zeitmaschine

Letzter Neujahrsempfang: Bürgermeister Gebhardt würzt seinen Abschied mit Humor

Hausgemacht: Für die Musik beim Neujahrsempfang sorgt mit dem Alexander-Hanke-Quartett die Combo eines Langener Musikschullehrers (links).
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Hausgemacht: Für die Musik beim Neujahrsempfang sorgt mit dem Alexander-Hanke-Quartett die Combo eines Langener Musikschullehrers (links).

Reichlich Lacher und lang anhaltenden Beifall: Bei seinem letzten Neujahrsempfang als Bürgermeister hat Frieder Gebhardt am Donnerstagabend nicht nur – wie all die Jahre – seine Sicht der aktuellen lokalen Lage kundgetan, sondern durch einen humorigen Blick in die Zukunft auch für viel Heiterkeit gesorgt.

Langen – Und dabei wirkte der scheidende Verwaltungschef absolut mit sich im Reinen. .

Die Reise mit der Zeitmaschine „ins Jahr 20xy“ beginnt mit Blitzlicht und lauter Musik – und sie führt in eine Zeit, in der die Stadtwerke ein FAST (Flug-Anruf-Sammel-Taxi) installiert haben, der Zug der Regionaltangente West am Hauptbahnhof Langen endet, aber die B 486 noch immer nicht ausgebaut ist. Okay, alles kann in der Zukunft nicht rosig sein. Doch etliches von dem, was Gebhardt so in seiner Fantasie sieht, könnte tatsächlich einmal Wirklichkeit werden. Vielleicht nicht das Schlosshotel Wolfsgarten, vermutlich auch nicht der Abriss der beiden Hochhäuser an der Ecke Dieburger Straße/Rheinstraße samt Wiederherstellung der dortigen historischen Gebäude (Café Krone, alte Münch’sche Apotheke). Aber eine verkehrsberuhigte Bahnstraße, deutliche Verbesserungen für den Radverkehr, ein Technologie-Campus westlich des Bahnhofs, ein umfänglich renaturierter Sterzbach, eine neue Georg-Sehring-Halle und eine wiederbelebte Schererhalle – wer weiß ...

„Langen hat Zukunft“, das hat Gebhardt auch schon gesagt, bevor er die Zeitmaschine anwirft. Denn deutlich wird: Selbst wenn die finanzielle Lage noch immer angespannt ist, der Bürgermeister blickt mit Stolz auf das zurück, was Verwaltung, Politik und Bürger in den vergangenen Jahren gemeinsam erreicht haben: „Es ist sehr viel passiert in unserem Langen – mehr, als viele Skeptiker für möglich gehalten haben.“

„Wir betreuen die meisten Kinder inzwischen ganz selbstverständlich weit über die Mittagszeit hinaus, wir unterhalten Schwimmbäder, Sportplätze, Turnhallen, Bibliotheken und Straßen, wir haben ein Auge auf die öffentliche Sicherheit und Ordnung, wir kümmern uns um den Müll und das Abwasser und sind zur Stelle, wenn es brennt. Wir stellen Pässe und Geburtsurkunden aus und wir geben Flüchtlingen ein würdevolles Zuhause. Wir machen unsere Stadt attraktiv für Unternehmen, für den Einzelhandel“, sagt Gebhardt: „Bei alledem vermissen wir eine angemessene finanzielle Unterstützung aus Wiesbaden, auch wenn die Landesregierung nicht nachlässt, ihre Wohltaten anzupreisen“, macht er aber deutlich, wo er klare Versäumnisse sieht. 

Schluss mit lustig: Neben seinen humorigen Zukunftsvisionen widmet sich der Bürgermeister auch ernsten aktuellen Problemen.

Versäumnisse, die wiederum zulasten der Langener Bürger gehen. „Anstatt sich immer wieder neue und mitunter schwer zu durchschauende Umverteilungsmechanismen auszudenken und medienwirksam Schecküberbringer zu entsenden, ist eine angemessene finanzielle Ausstattung der Kommunen längst überfällig“, sendet er deutliche Worte Richtung Landeshauptstadt. Und er legt nach: „Der hessische Rechnungshof hat festgestellt, dass die Haushaltskonsolidierung in vielen Städten Hessens über Einsparungen bei Sport und Kultur erfolgt, da dies freiwillige Ausgaben der Kommunen sind – auch wenn beides als Staatsziel in der Landesverfassung festgelegt ist. Da stimmt irgendetwas nicht.“

Ernste Worte schlägt der Rathauschef zudem bei einem anderen aktuellen Thema an: Hass, Hetze und daraus resultierende Gewalt. Dies dürfte keine Normalität werden. Dass in Frankfurt ein Schild mit der Aufschrift „Respekt – Kein Platz für Rassismus“ am Römer einer Fraktion ein Dorn im Auge ist, nimmt Gebhardt zum Anlass, ein Zeichen zu setzen: Genau solch ein Schild wird künftig am Eingang zum Langener Rathaus hängen.

VON MARKUS SCHAIBLE

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