Ziemliche Sauerei im Alten Rathaus

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Was für eine Sauerei: Treiber Klaus Vogl und „Julchen vom Sterzbach“ gehörten zu den erfolgreichsten Teams der 1. Langener Schweinerenngemeinschaft. Foto: p

Langen (fm) - Das britische Ascot ist berühmt für Pferderennen, Dubai für Kamelrennen – und Langen? Die Stadt am Sterzbach war in den 1980er Jahren eine angesagte Adresse für Schweinerennen.

Eine von Stadtarchivar Herbert Bauch organisierte Ausstellung im Museum Altes Rathaus mit dem Titel „Schwein gehabt“ zeigt das wohl schrägste Kapitel aus dem örtlichen Vereinsleben: Die Geschichte der 1. Langener Schweinerenngemeinschaft, die nicht nur für ausgewiesene Freunde des Borstenviehs hohen Unterhaltungswert haben dürfte.

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Sie ließen die Sau raus

Zahlreiche Fotos, mehrere hundert Sparschweine und ein 14-minütiger Film über die Rennen und die Namenstaufe eines Rennschweins erzählen eine Geschichte, wie sie schweinischer nicht sein könnte. Am Anfang stand eine Schnapsidee. Im damals gar nicht mehr ländlichen Langen gründeten 1982 einige Spaßvögel mit Sinn für Sport, Witz und Kreativität die 1. Langener Schweinerenngemeinschaft. Rennen gab es bereits im Odenwald – teilweise mit mehreren tausend Zuschauern.

Die Initiative ging von Karl-Heinz Dütsch, dem damaligen Juniorchef und späteren Besitzer des Hotels „Deutsches Haus“ aus. Er hatte ein Ferkel geschenkt und von einem Gast einen Zeitungsartikel über Schweinerennen in Norddeutschland in die Hand gedrückt bekommen. Als gastronomischer Betrieb verfügte das Hotel noch über Schweineställe, hielt aber keine Tiere mehr. Das Jungschwein konnte somit in eine stattliche Behausung einziehen. Aber niemand wollte, dass es als Schnitzellieferant endete. Stattdessen machte es als „Julchen vom Sterzbach“ Karriere.

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 3. Februar, um 20 Uhr. Geöffnet ist bis zum 29. April samstags von 11 bis 14 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Außerdem gibt es ein Programm für kleine und große Rennschweinfreunde: Am 2. und 14. März um 19 Uhr führen Karl-Heinz Dütsch und Klaus Vogl durch die Schau. Darüber hinaus bietet das Museum Bastelstunden und Führungen für Kitas und andere Gruppen an. Anmeldungen im Stadtarchiv (Tel.: 06103/910475).

Zum ersten Langener Schweinerennen kam es am 4. September 1982. Rund 350 Zuschauer verfolgten das Ereignis. Jedes Rennschwein hatte einen „Jockey“ an der Seite, der beim Wettbewerb mitlief – eine sportliche Herausforderung also für Mensch und Tier. Schon ein Jahr später holten Julchen und ihr Treiber Klaus Vogl den Hessenpokal in Froschhausen. Neben Julchen gab es weitere klangvolle Namen im Langener Schweinerennstall wie „Karl von der Adeck“, „Walli von Schönbrunn“ und „Germania vom Sterzbach“ die ebenfalls auf Wettbewerben glänzten.

Die Schweinerenngemeinschaft, die sieben Jahre existierte und rund 80 Mitglieder zählte, war kein gewöhnlicher Verein, sondern eine Aktiengesellschaft. Spenden und Überschüsse gingen an wohltätige Einrichtungen.

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