Winterpause ist beendet

Frühlingserwachen im Zirkuszelt

Die Lieblinge des Dompteurs: Die Zebras sind Andy Ortmann ganz besonders ans Herz gewachsen.
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Die Lieblinge des Dompteurs: Die Zebras sind Andy Ortmann ganz besonders ans Herz gewachsen.

Langen – Die Winterpause ist beendet: Der Zirkus Rolina wird das Jahr 2019 beginnen, wie er das Jahr 2018 beendet hat: mit Auftritten der Artisten, Clowns und Dompteure in Langen. Von Nicole Jost

Mit seiner lässigen Trainingshose steht Andy Ortmann in der Manege. Über ihm ein Sternenhimmel in der dunkelblauen Kuppel des Zirkuszeltes. Es riecht nach frischen Spänen und ein bisschen nach Kamel.

Ivan, Dunja, Ahmed und Katja traben mit etwas schläfrigen Augen um Andy Ortmann herum. Die Kamele sind noch im Pausen-Modus. Seit Mitte November sind die Tiere des Zirkus Rolina nicht mehr vor Publikum aufgetreten. Das Ensemble ist gerade in der Winterpause im Industriegebiet in der Monzastraße. Aber so langsam nimmt der Dompteur im Training mit seinen Vierbeinern ein bisschen Fahrt auf. Seine Helfer halten die dicken Planen zur Seite und eine Gruppe Lamas, Esel und Hochlandrinder mit gewaltigen Hörnern trabt in die Manege zu den Kamelen. Alles hört auf das Kommando von Ortmann. Die Tiere bleiben auf Ansage stehen, sie drehen sich und schauen mit viel Neugier zu ihrem Chef. Immer wieder fällt nämlich ein Leckerchen ab.

Richtig rasant wird es dann in der nächsten Runde. Als die Rinder und Lamas das Zelt verlassen haben, kommen die Zebras dazu. Die kleinen, gestreiften Steppenpferdchen sind die Lieblinge von Andy Ortmann. „Ich habe Kenai schon, seit er ein halbes Jahr alt ist“, deutet er auf eines der ausdrucksvollen Tiere. „Sie sind so schlau und schnell, es macht sehr viel Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“

Die 60 Tiere des Zirkus Rolina sind die Stars des Familienunternehmens. Neben den genannten Exoten haben die Ortmanns auch Pferde, Ponys, einen Königspudel und Reptilien in der Manege. Natürlich gibt es auch Akrobatik, Jonglage und Clownerie, die die Zirkusfreunde unterhalten.

Etwas mehr als drei Monate verlief das Zirkusleben bei Direktor Freddy Ortmann und seinen vier Söhnen mit ihren Familien etwas langsamer als gewöhnlich. Die Glitzer-Kleidung und der Direktoren-Zylinder blieben in den Schränken in den vielen Wohnwagen. „Wir haben die Tiere versorgt, ein bisschen trainiert, aber eben auch mal Pause gemacht“, sagt der Chef des Familienbetriebs, der schon in der sechsten Generation existiert.

Ganz schön breit: Die Hochlandrinder des Zirkus Rolina beeindrucken mit ihren gewaltigen Hörnern.

Langen sei ein guter Ort für die Familie: „Wir hatten hier im November tolle Auftritte und in den vergangenen Wochen haben uns die Langener gut aufgenommen und sehr unterstützt. Wir haben hier einen super Winter verbracht“, ist Andy Ortmann dankbar. Immer wieder kamen Anwohner auf das Zirkusgelände, gaben Futterspenden ab und haben auch mal bei der Arbeit zugesehen. Es seien keine einfachen Zeiten für kleine und mittlere Zirkusbetriebe wie den Zirkus Rolina, erläutern Vater und Sohn. Das Schwierigste sei, einen Platz zu finden, auf dem all die Wohnwagen, das Zelt und vor allem ausreichend Auslauf für die Tiere vorhanden ist. Die Pferde, die Zebras, die Kamele, sie alle müssen tagsüber zwischen den Vorstellungen frei auf möglichst großen Wiesen laufen. „Die Städte sind nicht mehr bereit, solche Grundstücke zur Verfügung zu stellen“, weiß Andy Ortmann. In Langen haben sie Glück: Das Software-Unternehmen Advancis vermietet ihnen ihr Grundstück neben dem Firmengebäude und dort gibt es für alle ausreichend Platz.

„Wunderwelt-Zirkuszelt“ im Zirkus Chicana: Bilder

Zirkus Chicana 2017: Bilder zu „Wunderwelt-Zirkuszelt“
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Das zweite große Thema seien Tierschützer, die mit Plakaten vor der Vorstellung demonstrieren. „Dabei lieben wir unsere Tiere. Sie bekommen regelmäßig einen Tierarzt und einen Hufschmied, sie werden geimpft und ausreichend gefüttert. Sie sind unsere Lebensgrundlage und ich bin mit ihnen aufgewachsen. Mir ist es wichtig, dass es ihnen gut geht“, sagt Ortmann glaubwürdig. Demonstrationen hat es in der Sterzbachstadt nicht gegeben. Aber das Veterinäramt war in den vergangenen Wochen vier Mal zu Kontrollzwecken im Zirkus Rolina. „Es gab keine Beanstandungen. Das war eine gute Zusammenarbeit. Das habe ich in anderen Städten auch schon anders erlebt“, ist Senior Ortmann zufrieden.

Jetzt bereiten sich alle Artisten, Dompteure und Clowns auf die ersten Auftritte des Jahres 2019 vor. Am kommenden Samstag spielt in der Manege des Zirkus Rolina wieder die Musik. Bis zum 3. März gibt es fast täglich Vorstellungen, bis die Familie Ortmann dann ihre Zelte abbaut und mit den Wohnwagen und Tiertransportern in Richtung Darmstadt weiterzieht. Das ganze Jahr über sind Shows in Süddeutschland geplant. „Nach Langen kommen wir sehr gerne wieder. Hier sind wir sehr freundlich empfangen worden“, sagt Andy Ortmann zum Abschied.

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