Zukunft des Stadtbusses ist zu klären

E-Shuttle „Hopper“ auch für Langen geplant – Doch was wird aus dem Busverkehr?

So sieht der Hopper aus: Der Kleinbus in der Elektrovariante ist im Ostkreis in Seligenstadt, Haiburg und Mainhausen schon sehr erfolgreich unterwegs. Die Langener Ausschüsse haben nun für die Einführung gestimmt. Das Stadtparlament entscheidet am 15. Juli.
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So sieht der Hopper aus: Der Kleinbus in der Elektrovariante ist im Ostkreis in Seligenstadt, Haiburg und Mainhausen schon sehr erfolgreich unterwegs. Die Langener Ausschüsse haben nun für die Einführung gestimmt. Das Stadtparlament entscheidet am 15. Juli.

Mit dem „Hopper“ soll der öffentliche Nahverker ein Stück weit klimaneutraler werden. In Langen nahe Offenbach wird jetzt seine Einführung diskutiert.

Langen – Der Hopper der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF) bringt Fahrgäste flexibel, per Online-Buchung bargeldlos und vollelektrisch zu ihrem Wunschziel. In der Theorie klingen die grün-weißen Shuttles auf Abruf prima. Doch es gibt ein paar Punkte, die den Stadtverordneten beim Konzept Sorgen bereiten. Das wurde in der Ausschussberatung deutlich.

Dennoch votiert die Mehrheit im Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr und im Haupt- und Finanzausschuss für den Grundsatzbeschluss zur Einführung des Hoppers in Langen. Nach über zwei Stunden Diskussion im Bauausschuss und einer wesentlich kürzeren Beratung im Hafi ist das Abstimmungsverhalten weitgehend identisch: CDU, Grüne und FDP stimmen für den Hopper, die FWG-NEV dagegen, die SPD (im BUA ein Grünen-Mitglied) enthält sich. Somit ist der Vorschlag mehrheitlich angenommen, dass die Stadt den Hopper einführt. Das könnte nach Zeitplan der kvgOF bereits Mitte nächsten Jahres möglich sein. Die Probephase soll bis 2024 laufen.

Eine Arbeitsgemeinschaft aus Kreisverkehrsgesellschaft, Stadt Langen, Gemeinde Egelsbach und Stadtwerken soll das genaue Einführungskonzept abstimmen. Um die Kosten zu senken, sollen die Stadtwerke möglichst zeitgleich mit Beginn des Hoppers das Anruf-Sammeltaxi (AST) aufgeben und die Stadtbusleistungen um zehn Prozent reduzieren.

„Hopper“ für Langen – Aber was passiert mit dem Langener Stadtbusverkehr?

Wie mit dem Stadtbus zukünftig umzugehen ist, ist auch eine der Haupt-Sorgen der Ausschussmitglieder. „Wir finden die Idee des Hoppers großartig und halten ihn für eine super Ergänzung des Öffentlichen Nahverkehrs“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Gött, schiebt jedoch als großes Aber nach: Es gelte die Stadtbusproblematik zu lösen – spätestens ab 2027. Dann liefe die sogenannte Übergangsphase des Hoppers aus und die Vertraglaufzeiten für die Stadtbuslinien OF 71, 72, 73 und 75 enden. „Wir müssen Erfahrungen mit dem Hopper machen und das Nutzerverhalten analysieren. Und dann schnell nach der Einführung diskutieren, was mit dem Stadtbus passieren soll“, so Gött.

Jens Duffner (Grüne) sieht noch andere Punkte kritisch. „Bisher war der ÖPNV bei uns kommunal organisiert, der Hopper läuft auf Kreisebene.“ Das sei ein Systembruch für Langen. „Wir verlieren den Zugriff“, meint Duffner. Hinzu käme der stolze Preis für den Betrieb des elektrischen Minibusses. Die Stadt soll sich 2022 mit rund 115 000 Euro beteiligen, 2023 mit knapp 230 000 Euro. „Das ist eine Menge Geld“, sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende. Positiv sehen die Grünen allerdings, dass die Stadt mit dem Hopper einen Schritt in Richtung Elektromobilität macht. „Das Thema E-Mobilität war beim Stadtbus ja nicht so einfach, jetzt wird es konkret“, freut sich Duffner.

Ähnlich sieht es Christian Jaensch (FDP): „Es ist dringend notwendig, dass wir diese Chance, die sich bietet, ergreifen.“ Dennoch merkt der Liberale an, dass man nun der kvgOF ausgesetzt sei. Jaensch verweist darauf, dass man wegen der Elektroladung sicher mehrere Fahrzeuge benötige.

Langen: FWG-NEV sieht keinen Bedarf für „Hopper“ – „Eine Nummer zu groß“

Keinen Bedarf für den Hopper hingegen sieht die FWG-NEV. „Das ist eine klassische freiwillige Leistung. Die Versorgung mit Bussen und AST ist optimal in Langen“, findet Heinz-Georg Sehring. Das Geld sei sinnvoller einzusetzen. „Wir unternehmen große Kraftakte für die Kinderbetreuung und die Kreisumlage wird erhöht. Da ist uns der Hopper eine Nummer zu groß“, sagt Sehring.

Daraufhin erwidert Gött, dass auch der Stadtbusbetrieb künftig teurer werden wird. „Und wir können nicht parallel den Stadtbus in seiner jetzigen Form und den Hopper betreiben“, sagt Gött. Zudem könne man sich durch den Hopper den barrierefreien Umbau einiger Bushaltestellen sparen, denn die Elektro-Vans sind nicht an feste Haltepunkte gebunden. Das wiege die Betriebskosten zum Teil wieder auf, argumentiert die CDU.

Der barrierefreie Umbau von Haltestellen dürfe kein Einsparpunkt sein, findet Frank Weber von der SPD. Seine Fraktion bezweifelt, dass der Hopper ein adäquater Ersatz für Stadtbusse ist – und für Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer genauso gut nutzbar. Weil die SPD unsicher war, ob sich der Hopper für Langen lohnt, hatte sie im Bauausschuss eine zweite Lesung beantragt, zu der man Vertreter der lokalen Taxiunternehmen einladen sollte – die will die Stadt laut Magistrat beteiligen. Doch die zweite Lesung wurde mehrheitlich abgelehnt. Für die SPD sind deshalb noch zu viele Fragen offen, weshalb sie sich enthält.

Selbst, wenn Langen keinen Hopper bekommt: Finanziell trägt sie ihn trotzdem mit

In Sachen Finanzierung merkt Bürgermeister Jan Werner an, dass die Stadt, auch wenn sie den Hopper nicht wolle, diesen trotzdem finanziell mittrage. Denn der ÖPNV soll ab 2022 über die Kreisumlage finanziert werden. Gemäß ÖPNV-Gesetz sei der Nahverkehr Aufgabe des Kreises. Den Betrieb kommunaler Stadtbusse durch die Stadtwerke würde sich Langen also als „Privatvergnügen“ obendrauf leisten. Im Kreistag gibt es eine Mehrheit für den Hopper und auch die Nachbarn in Egelsbach, mit denen sich die Stadt absprechen müsse, wollen ihn. „Wir sollten nicht das gallische Dorf spielen“, rät Werner. Danach sieht es momentan auch – trotz aller Kritikpunkte – nicht aus. Das letzte Wort hat aber die Stadtverordnetenversammlung, der Hopper steht auf der Tagesordnung am Donnerstag, 15. Juli, um 20 Uhr (Stadthalle). (Julia Radgen)

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