Zuwachs bei den Flugkünstlern

Nach einem Rekordjahr 2019 sind die Schwalben zurück in ihren Nestern 

Gefragte Kunstnester: Das Schwalbenhaus am Kreisel in der Lutherstraße im Egelsbacher Wohngebiet Brühl sorgt dafür, dass die Vögel trotz Beendigung der Bautätigkeiten eine Bleibe finden. Fotos: Strohfeldt
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Gefragte Kunstnester: Das Schwalbenhaus am Kreisel in der Lutherstraße im Egelsbacher Wohngebiet Brühl sorgt dafür, dass die Vögel trotz Beendigung der Bautätigkeiten eine Bleibe finden.

Die Schwalben sind zurück aus ihren Winterquartieren in Südafrika. Die Bestände nehmen jedoch schon seit Jahren ab. 

Langen/Egelsbach – Die Flugkünstler sind zurück aus ihren Winterquartieren in Südafrika: Mit ihrem fröhlichen Gezwitscher verkünden Schwalben am Himmel über Langen und Egelsbach den nahenden Sommer. Jedoch nehmen die Bestände generell schon seit Jahren ab.

Allerdings gibt es im hiesigen Bereich durchaus Erfreuliches zu vermelden. „Dank des guten Wetters und eines ausreichenden Nahrungsangebotes hatten wir ein außerordentlich erfreuliches Schwalbenjahr 2019“, sagt Schwalben-Fachmann Rudolf Lehmann vom Naturschutzbund NABU. Und damit sich dieser Trend fortsetzt, bittet er: „Habt ein Herz für die Schwalben.“

Sowohl bei Rauch- als auch bei Mehlschwalben habe es 2019 Rekordergebnisse im Vergleich zu allen Vorjahren seit Beginn der lokalen Zählungen 2009 gegeben. Bei den Rauchschwalben habe sich in Langen die seit 2016 beobachtete Erholung der Population auf 57 Brutpaare fortgesetzt. Damit wurde sogar der bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2011 (50) übertroffen. In Egelsbach gab es 121 Paare, 2009 waren es 49 gewesen. Auffällig dort ist laut Lehmann eine starke Abnahme im Reitstall Pferdetränke (Besitzerwechsel und Umbau der Stallungen in eine Hunde- und Katzenpension) bei gleichzeitiger extremer Zunahme im Reitstall Riemer/Fiebig. Allerdings: „Ob ein Zusammenhang besteht, kann nur vermutet werden“, sagt der Vogelschützer.

Bei den Mehlschwalben in Langen habe die starke Zunahme von 65 (2018) auf 94 Paare (2019) überrascht. „Vielleicht hängt es mit den zahlreichen Bautätigkeiten zusammen, wodurch die Schwalben genügend feuchtes, lehmhaltiges Baumaterial gefunden haben“, so Lehmann. Besonders auffallend sei auch die Verdoppelung der Brutpaare von elf auf 22 am Mehrfamilienhaus Annastraße 46-48, wo fast alle Natur- und alten Kunst- durch neue Kunstnester ersetzt wurden. In Egelsbach stieg die Zahl der Paare um weitere 20 auf 133.

Die Gründe für die Erholung der Bestände dürften vielfältig sein, einen Anteil aber haben mit Sicherheit die verstärkten Schutzmaßnahmen durch die NABU-Aktivitäten. Allerdings befürchten die Vogelschützer speziell bei den Rauchschwalben erhebliche Veränderungen und Verluste. Zum einen durch die Veränderungen im Reitstall Pferdetränke, zum anderen durch die Aufgabe des Brutgebietes Kronenhof im Langener Neurott wegen der Ansiedlung der amerikanischen Firma AAM und dem Neubau des Paul-Ehrlich-Institutes. Der NABU hatte in einer Stellungnahme explizit darauf hingewiesen.

Eigentlich sind Nester sowie Nestanfänge der Schwalben nach den Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes ganzjährig geschützt. Sanierungs- und Renovierungsarbeiten an Häusern sollten keinesfalls während der Brutzeit ausgeführt werden. Zum Schutz von Hausfassaden vor Verschmutzungen durch Schwalbenkot empfiehlt der NABU sogenannte Kotbretter.

Wer Rat sucht, wendet sich an die Vertreter des NABU Langen/Egelsbach: Simone Kiefer, 06103 929734, simone. kiefer@t-online.de; Klaus Kreft, 06103 42880, k.kreft@nabu-langen.de; Rudolf Lehmann, 06103-43380, rudolf@xlehmann.de " nabu-langen.de

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