In Langen freuen sich die Grünen, die SPD ist enttäuscht / WiLa erhält einen Sitz

Trendergebnis: Zwei Parteien liegen Kopf an Kopf

Wahlwerbung unter den wachsamen Augen des Brunnen-Löwen am Leuschner-Platz: Diese scheint den Langener Parteien unterschiedlich gut geglückt zu sein – zumindest wenn es nach dem Trendergebnis geht.
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Wahlwerbung unter den wachsamen Augen des Brunnen-Löwen am Leuschner-Platz: Diese scheint den Langener Parteien unterschiedlich gut geglückt zu sein – zumindest wenn es nach dem Trendergebnis geht.

Ohne klassischen Straßenwahlkampf, ohne große Wahlparty im Rathaus und glücklicherweise auch ohne pandemiebedingte Zwischenfälle ist diese Kommunalwahl in Langen über die Bühne gegangen. In den großen (Sport-)Hallen konnten die Langenerinnen und Langener gestern ihre Stimme abgeben.

Langen – Die Zahl der Briefwahlbezirke war von fünf auf zehn verdoppelt worden – und diese Möglichkeit wurde rege genutzt. Bis zum Wochenende hatten mehr als 9 000 Briefwähler ihre Unterlagen beantragt – zum Vergleich: Insgesamt hatten sich an der Kommunalwahl 2016 11 261 Langener beteiligt.

Die erste gute Nachricht, die auch feststeht, obwohl noch nicht alle Ergebnisse vorliegen: Die Wahlbeteiligung hat sich gesteigert und liegt bei 44,1 Prozent (2016: 41,2). Das ist nicht bahnbrechend, aber dennoch erfreulich im traditionell eher wahlunlustigen Sterzbachstädtchen. 27 998 Wahlberechtigte gab es diesmal.

Das Trendergebnis für die acht Parteien und Wahlgemeinschaften steht bekanntlich auf wackligen Füßen. Denn gestern wurden zunächst alle Stimmzettel ausgezählt, auf denen nur ein Listenkreuz gesetzt wurden – schätzungsweise erst gut die Hälfte der abgegebenen Stimmzettel. Die restlichen, auf denen kumuliert und panaschiert wurde, werden erst heute ausgewertet. Gegen 21.30 Uhr springt dann auch der Auszählungsbalken des letzten ausstehenden Wahlbezirks – Briefwahlbezirk 10 – auf Grün. Und Grün ist auch der am höchsten gewachsene Parteibalken. Das kann sich bekanntlich noch einmal gehörig verschieben. Aber: Auch wenn er mit viel Vorsicht zu genießen ist, lohnt ein Blick auf den Wahltrend.

Jubel bei den Langener Grünen, Enttäuschung bei der SPD

Demnach stehen die Langener Grünen bei 27,7 Prozent. „Hervorragend“ nennt das die Grünen-Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin Martina Dröll. „Wir freuen uns und bedanken uns für diese gehörige Portion Vertrauen.“ Ihre Partei habe die Themen scheinbar so gut bearbeitet, dass sie die Wählerinen und Wähler überzeugen konnte, den Grünen die Stimme zu schenken. Hierbei ginge es nicht nur um Waldsee und Bannwald, sondern auch um Kitaplätze, Klima und Radwege. Nach dem Trend wären die Grünen im Stadtparlament mit zwölf Sitzen (aktuell: acht) vertreten. Den wachsenden Balken haben die Grünen-Mitglieder in ihrer Chatgruppe kommentiert. Heute Abend ist die nächste reguläre Fraktionssitzung. „Da werden wir uns besprechen“, sagt Dröll, die gespannt ist, wie sich die Zahlen noch entwickeln.

Weniger gut ist die Laune beim SPD-Vorsitzenden Joachim Knapp mit dem Blick auf das Trendergebnis. „Ich sag’s ganz ehrlich, ich bin enttäuscht“, so der Fraktionschef. Die SPD liegt bei 14,9 Prozent und hätte nach aktuellem Stand ziemlich an Prozenten sowie drei Parlamentssitze eingebüßt. „Da wird sich sicherlich noch etwas dran verändern, aber trotzdem ist dieses Ergebnis absolut nicht zufriedenstellend“, bedauert Knapp, der sich nicht erklären kann, wie dieses schlechte Ergebnis für seine Partei zustande kommt. Das müsse man, wenn das Endergebnis feststeht, analysieren, so der Sozialdemokrat. „Wir müssen in Ruhe abwarten, was rauskommt und uns genau angucken, wie die Stimmen verteilt wurden“, so Knapp, der hofft, dass sich das SPD-Ergebnis durch Kumulieren und Panaschieren noch verbessert. Vielleicht färbten aber auch die Landes- und Bundestrends auf Langen etwas ab – zugunsten der Grünen, zu Lasten von SPD und CDU.

Die Langener Christdemokraten hätten nach dem Trend nur gering verloren: Sie liegen bei 26,2 Prozent (2016: 28,1). Fraktionschef Christian Gött betont, man müsse jetzt das Endergebnis abwarten. „Aber sagen wir mal so: Wenn wir das Ergebnis von 2016 halten, bin ich zufrieden.“ Über ihre Chatgruppe haben sich die CDUler über die Zwischenstände ausgetauscht. Viele von ihnen waren aber auch als Wahlhelfer im Einsatz. Laut Trend würde die CDU – so wie die Grünen – zwölf Parlamentssitze erhalten (derzeit: 13). Die FWG-NEV käme auf sechs Sitze (12,8 Prozent), auf jeweils drei kämen FDP (6,6) und Linke (5,9) . Die UWFB (2,3) hätte noch einen Sitz, genauso wie die neue WiLA, die aus dem Stand auf 3,7 Prozent kommt.

Von Julia Radgen

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