Corona-Pandemie

Beliebtes Fitnessstudio in Langen schließt – der zweite Lockdown war zu viel

Das Loslassen fällt schwer und die Gymnastikbälle sind letzte Überbleibsel: Doris Brysch (links) und Tanja Mieth nehmen Abschied von dem Frauenfitnessstudio Ladysport, in dem 37 Jahre lang trainiert wurde.
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Das Loslassen fällt schwer und die Gymnastikbälle sind letzte Überbleibsel: Doris Brysch (links) und Tanja Mieth nehmen Abschied von dem Frauenfitnessstudio Ladysport, in dem 37 Jahre lang trainiert wurde.

Keine Zumba-Kurse mehr im Ladysport in Langen: Das Fitnessstudio für Frauen muss nach 37 Jahren schließen. Den zweiten Corona-Lockdown übersteht das Unternehmen nicht.

Langen – Es ist ein trauriger Anblick: Das so oft belebte Sofa im Eingangsbereich des Ladysport steht einsam mitten im Raum, die Glasfassade zur Kinderbetreuung ist schon rausmontiert. Nach 37 Jahren geht im zweiten und dritten Obergeschoss in der Rheinstraße 37 bis 39 – hoch über dem Lutherplatz mitten in Langen – die Geschichte des Frauenfitnessstudios zu Ende.

Auf der Trainingsfläche, wo bis vor dem Lockdown im vergangenen November die Damen noch an den Chromgewichten schwitzten, ist der Boden blank poliert, alle Spiegel sind abgebaut und zwei Laufbänder warten noch darauf, von ihrem neuen Besitzer abgeholt zu werden. Studioleiterin Doris Brysch (53) kämpft mit den Tränen: „Das Ladysport ist mein Leben!“

Fitnessstudio in Langen: Vor Corona lag der Fokus auf Kursen für Frauen

Die Langenerin ist selbst noch Schülerin, als sie 1984 im Service in dem Sportstudio zu jobben beginnt – sie ist von Beginn an dabei. Brysch engagiert sich, steigt auf. 1999 übernimmt sie das Geschäft als Studioleitung. Der Schwerpunkt liegt auf den Kursen in dem großen Raum im dritten Stock, der einen fantastischen Blick über die Innenstadt bietet. Zumba, Step-Kurse, aber auch Pilates und klassische Rückenfitness stehen über Jahrzehnte hoch im Kurs bei den sportlichen Frauen. Mütter konnten ihre Kinder ruhigen Gewissens in der Betreuung abgeben und Sport machen.

„Wir waren bekannt für unsere familiäre Atmosphäre. Das Ladysport ist keine Kette, es geht um die persönlichen Kontakte. Mein Team und ich haben uns bemüht, dass sich jeder wohlfühlt. Wir haben, wenn es heiß war, duftende kalte Tücher gereicht. Es gab gekühlten, frischen Minztee und einen Prosecco, wenn es was zu feiern gab“, erzählt die Studioleiterin. Das Ladysport ist viel mehr als nur ein Ort, an dem Sport getrieben wird. Die Frauen treffen sich hier, Doris Brysch hat immer ein offenes Ohr, für das, was ihre Kundinnen umtreibt.

Fitnessstudio aus Langen muss schließen – Entscheidung hat „rein wirtschaftliche Gründe“

Und dann kommt im vergangenen Jahr Corona. Den ersten Lockdown im März 2020 überlebt das Ladysport noch. „Wir haben uns so viele Gedanken um unser Hygienekonzept gemacht. Wir haben Platz, konnten die Geräte weit auseinanderstellen, die Kurse in der Anzahl der Menschen gut beschränken“, berichtet die Langenerin. Die Entscheidung der Bundesregierung im November, wieder alle Geschäfte und Fitnessstudios wegen der Pandemie zu schließen, bricht dem Unternehmen das Genick. Eine Staatshilfe bekommt es nicht. „Die Entscheidung, das Ladysport nach 37 Jahren komplett zu schließen, hat rein wirtschaftliche Gründe“, sagt Brysch. Waren die Kundinnen im ersten Lockdown noch geduldig, verliert das Studio zum Jahresende 40 Prozent seiner Mitglieder. „Ich kann das meinen Kundinnen gar nicht übel nehmen. Sie bekommen keine Leistung von uns und haben vielleicht selbst mit Kurzarbeit und mangelnden Einnahmen zu kämpfen.“

Die übrig bleibenden Einnahmen decken nicht einmal die Miete für das 500 Quadratmeter große Studio. Brysch zieht die Handbremse – bevor, wie sie sagt, „jemand anderes darüber entscheidet, dass wir schließen müssen.“ Sie sieht keine Perspektive, niemand kann sagen, wann die Pandemie ein Ende hat und ein normaler Betrieb möglich wäre. Die fehlenden Einnahmen aus fast einem ganzen Jahr lassen sich in einem so kleinen Unternehmen einfach nicht auffangen.

Fitnessstudio schließt nach Lockdown: Kraftgeräte aus Langen hat ein Scheich aus Katar gekauft

Brysch fällt es sichtlich schwer, das Studio aufzulösen. Etwas Ladysport bleibt der Stadt erhalten: Die Spiegel und Spinde aus den Umkleiden übernimmt der TV Langen. Ein kleines Stück zieht raus in die weite Welt: „Die Kraftgeräte hat Scheich Hamad Khalid Al Thani gekauft. Sie werden in Deutschland überarbeitet und dann ins Emirat Katar verschickt“, freut Brysch sich, dass sie nicht in irgendeinem Muckibuden-Keller verschwinden. Dennoch überwiegt natürlich die Trauer über den Verlust des Lebenswerks, in dem all ihre Kraft und Leidenschaft steckt.

Betroffen von der Schließung ist auch ein Team von rund 20 bis 25 freiberuflichen Kursleitern, Frauen in der Kinderbetreuung und hinter der Empfangstheke – darunter auch Bryschs beste Freundin, Tanja Mieth, die in den vergangenen Wochen so manch eine Träne mit ihr vergossen hat. „Ich weiß nicht, was jetzt kommt. Ich muss alles abwickeln und verdauen. Und dann sehe ich weiter“, so Brysch, die am 15. April die Schlüssel übergibt und dann über ihre berufliche Zukunft nachdenken muss. Aufgebaut wird sie gerade von den Dutzenden Mails, die sie erreichen. Kundinnen, die ihr schreiben, wie schön es im Ladysport immer war und wie sehr sie das Training in der Rheinstraße vermissen werden. (Nicole Jost)

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