Stimmen der Vorsitzenden zum Endergebnis

Langener Wahlergebnis: Zwischen Frust und Freude

Grafik mit Wahlergebnis
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Das vorläufige Gesamtergebnis der Kommunalwahl 2021 in Langen.

Die Kommunalwahl hat auch in Langen das Kräfteverhältnis im Stadtparlament durcheinandergewirbelt. Zum Endergebnis haben wir Einschätzungen der Vorsitzenden der acht Parteien und Wählergemeinschaften zusammengetragen.

Langen – Die CDU bleibt mit zwölf Sitzen die stärkste Kraft, liegt aber nur 0,9 Prozentpunkte vor den Grünen, die elf Sitze haben. Drei Sitze hat die SPD eingebüßt (15,8 Prozent). Sie liegt ein halbes Prozent vor der FWG-NEV. Beide haben jeweils sieben Sitze. Die FDP hat nach wie vor drei Sitze, die Linke hat wieder Fraktionsstatus, die UWFB verliert diesen – und die neue WiLa darf mit zwei Sitzen einziehen. Dementsprechend ist die Gemütslage bei den Vorsitzenden über das Erreichte recht unterschiedlich.

„Eines unserer Ziele war, weiter die größte Fraktion zu bilden – das haben wir erreicht“, so der CDU-Vorsitzende Christian Gött. Dennoch mache der verlorene Sitz durch 2,2 Prozentpunkte weniger ein „bisschen traurig – aber wir können noch ganz zufrieden sein“. Der nächste Schritt sei, die Fraktion zu konstituieren. „Dann müssen wir sehen, was Gespräche bringen.“

Große Zufriedenheit bei den Langener Grünen

„Wir sind sehr zufrieden und froh, so viele Stimmen bekommen zu haben“, sagt Martina Dröll von den Grünen. Mit drei Sitzen mehr könne man einiges machen und die Arbeitsbelastung auf mehrere Schultern verteilen. „Es sind auch Leute hinzugekommen, die tolles Fachwissen mitbringen“, sagt Dröll. Sie freut auch, dass die Langener Grünen mit dem guten Ergebnis nicht alleine sind. „Der ganze Kreis Offenbach hat sich vergrünt“, so Dröll.

Enttäuscht ist die SPD. „Wir sind natürlich nicht begeistert, aber die Wähler haben es so gewollt“, sagt der Vorsitzende Joachim Knapp. Ob es auf den negativen Bundestrend zurückzuführen sei oder auf Themen wie Kinderbetreuung, könne die SPD nur mutmaßen. „Bei Kitathemen sind wir gescheitert, aber die Kitapolitik der Grünen war auch nicht ideal“, so Knapp. In jedem Fall sei die SPD deutlich abgestraft worden. „Wir haben in der Vergangenheit viel Wert auf Konsens gelegt. Das werden wir nicht mehr machen. Wir werden gute Dinge mittragen und eigene Themen voranbringen“, kündigt er an.

Mehr Konkurrenz bei den Wählergruppen durch die WiLa

Anna Sehring, Fraktionsvorsitzende der FWG-NEV, resümiert: „Wir sind eigentlich zufrieden, wir haben mehr Stimmen bekommen und unsere Sitze gehalten.“ Auch freue die NEV, dass sie sich im Vergleich zum Trend verbessern konnte. Es sei kein einfacher Wahlkampf gewesen, meint Sehring. Zudem sei durch die WiLa eine weitere Wählergruppe angetreten. „Alles in allem ist es aber ein schönes Ergebnis.“

Die FDP ist im Vergleich zu 2016 um 1,4 Prozentpunkte gefallen. „Wir haben unser Ziel verfehlt, uns bei dieser Wahl zu verbessern, aber haben unsere drei Sitze behalten“, fasst der Vorsitzende Rolf Diefenthäler zusammen. Somit halten die Liberalen ihre Position im Parlament – „deswegen sind wir nicht enttäuscht“, so Diefenthäler.

Die Linke hingegen hat prozentual leicht zugelegt, so dass es für einen zweiten Sitz reicht. „Wir sind zufrieden und freuen uns auch, dass die Wahlbeteiligung leicht gestiegen ist“, sagt Matthias Rohrbach. Als Fraktion einzuziehen sei erklärtes Ziel gewesen. „Das werden wir zu nutzen wissen“, verspricht Rohrbach. Der erste Antrag sei schon in der Mache. Die Linken wollen, dass Langen der AG Nahmobilität beitritt. Ein Antrag der Stadt dazu war schon im Dezember im Stadtparlament – aber mehrheitlich abgelehnt worden.

UWFB: Fortan alleine im Parlament

Enttäuschung hingegen bei der UWFB: Sie hat den Fraktionsstatus verloren, nur noch Michael Kraus sitzt künftig im Parlament. „Ich muss alleine kämpfen“, sagt er. Ein Lichtblick sei aber: Yvonne Hartwig ist für die Freien Wähler im Kreistag. Woran der Stimmenverlust liege, sei schwer zu sagen, der weggefallene Straßenwahlkampf und die Konkurrenz durch die WiLa spielten aber sicher eine Rolle. „Uns bleibt nur, es bei der nächsten Wahl besser zu machen“, so Kraus. Und bis dahin könne die UWFB bei Abstimmungen durchaus „das Zünglein an der Waage sein“.

Zufrieden ist hingegen die WiLa: „Wir freuen uns, dass wir unser Kernziel erreicht haben – eine Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung bilden zu können. Das ist für uns ein guter Anfang“, sagt Joost Reinke. Zudem führe die WiLa mindestens ein Prozent der leicht gestiegenen Wahlbeteiligung auf sich zurück – „denn wir haben viele Gespräche mit Menschen geführt, die Migrationshintergrund haben und die vorher nie in Deutschland gewählt hatten.“ Nun wolle sich die WiLa intern abstimmen, „welche Projekte wir zuerst anpacken“.

Von Julia Radgen

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