807 Hechte einzeln von Hand gesetzt

Interessengemeinschaft der Kinzigpächter zieht positive Bilanz nach Pilotprojekt

Karpfen (rechtes Bild) und Schleien wurden eimerweise, 807 Hechte per Hand gesetzt: Ehrenamtliche Helfer der Interessengemeinschaft der Kinzigpächter haben – teils im Belly-Boot auf dem Fluss oder vom Ufer aus – den Fischbestand in der Kinzig aufgestockt.
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Karpfen und Schleien wurden eimerweise auf der Flussstrecke zwischen Hanau und Gelnhausen gesetzt.

Die Kinzig steht unter einem hohen Angeldruck. Da sich die Fische so schnell nicht selbst wieder in der Zahl vermehren können, wie sie aus der Kinzig entnommen werden, hilft die Interessengemeinschaft der Kinzigpächter (IGK) regelmäßig nach. Zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr werden so immer wieder verschiedene Fischarten nachgesetzt. Die größte Aktion jährlich ist der Herbstbesatz, dazu brachte die IGK im November 2020 Hunderte Karpfen, Schleien und Hechte in den Fluss ein. Nun zieht der Verein eine positve Bilanz.

Region Hanau – Im vergangenen Jahr war die Aktion besonders aufwendig, denn die IGK startete ein Pilotprojekt, um den nachhaltigen Besatz der Fische zu garantieren. Dazu wurden 807 Hechte erstmals einzeln per Hand in der Kinzig freigelassen. Denn die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass der Raubfisch, wenn er in Gruppen ausgesetzt wird, kleinere Artgenossen attackiert.

Der Fisch für den Besatz wird eigentlich kiloweise bestellt, wie der Vereinsvorsitzende Thomas Brettmann verrät. „Wie viele Hechte es waren, wissen wir in diesem Jahr so genau, weil wir wirklich jeden einzelnen in der Hand hatten und an über 200 Stellen in die Kinzig eingebracht haben.“ Dass das aufwendige Projekt dem Neuberger und seinen zwölf Helfern, allesamt ehrenamtliche Kinzigfischer, gelungen sei, mache ihn sehr stolz. „Alle Beteiligten waren danach total erschöpft“, erzählt Brettmann. „Meist steht einer am Lkw und kärchert die Fische in Eimer und die anderen laufen mit den vollen Eimern ans Wasser. Das ist eine harte körperliche Arbeit.“

Schleien und Karpfen wurden zwischen Hanau und Gelnhausen ausgesetzt

Von 10 bis 18 Uhr seien der IGK-Vorstand und die Fischer der angeschlossenen Mitgliedervereine unterwegs gewesen, um die mit Wasser und Fisch gefüllten Eimer teilweise hunderte Meter weit vom Auto zu verschiedenen Stellen der Kinzig zu bringen und die Fische vorsichtig darin einzusetzen.

Die Besatzfische kamen Anfang November mit dem Transporter von der Fischzucht Rhönforelle in Gersfeld nach Erlensee. Dort wurden die Fische zum Weitertransport umgeladen, von Gewässerwartin Marion Pau begutachtet und zum Besatz freigegeben. Die Hechte wurden zunächst vorsichtig in zwei große Wasserbehälter mit permanenter Sauerstoffzufuhr umgesetzt. Dann teilten sich die Helfer in zwei Teams auf: Ein Team kümmerte sich um den Besatz von Karpfen und Schleien auf der Flussstrecke von Hanau bis Gelnhausen. Und ließen die Fischen über Eimer und Schlauchrutschen vorsichtig in die Kinzig.

Pilotprojekt soll „Kanibalismus-Attacken“ verhindern

Das andere Team widmete sich der aufwendigeren Aufgabe. An über 200 ausgewählten Besatzstellen verteilten die ehrenamtlichen Helfer die Hechte auf der Kinzig, mit sogenannten Besatzrohren vom Uferrand, oder in der Flussmitte von einem aufblasbaren Anglerboot, einem sogenannten Belly-Boot. Der Aufwand habe sich allerdings gelohnt, resümiert Brettmann einige Wochen später. In den vergangenen Jahren hätten er und die Vereinsmitglieder der IGK öfter beobachtet, dass die Fische übereinander hergefallen seien. Dabei hätten oft größere Fische die kleineren Jungfische gefressen.

„Der Hecht ist ein Jäger, der frisst alles, auch seine kleineren Artgenossen“, so Brettmann. Aufgrund dieser „Kanibalismus-Attacken“ habe sich die IG-Kinzig dazu entschieden, die Fische in einigem Abstand zu einander zu setzten. Auch um es natürlichen Feinden wie Fischreiher und dem Kormoran schwieriger zu machen, die Fische zu fangen. Denn wenn diese nicht im Schwarm auftreten, seien sie schwerer auszumachen.

Ehrenamtliche Helfer der Interessengemeinschaft der Kinzigpächter haben 807 Hechte teilweise vom Belly-Boot aus einzeln per Hand in die Kinzig gesetzt.

Während Aale und Forellen auch im Frühjahr oder Sommer gesetzt werden können, brauchen Karpfen und Hechte kältere Temperaturen: „Im Herbst und Anfang Winter ist der Sauerstoffgehalt im Wasser höher“, erklärt Brettmann. „Daher ist es für die Fische gesünder, sie zu dieser Zeit einzusetzen.“ Auch der Transport sei bei kälteren Temperaturen schonender.

Auch bei Fischsterben und Umweltschäden ist die IGK Ansprechpartner

Welche Fischart in welcher Menge nachgesetzt werden muss, sehen die Mitglieder der IGK auf alten Karten. Dort findet sich eine Fangliste, auf der Angler dokumentieren müssen, welche Fische sie am Köder hatten. Anhand der Liste können die Mitglieder der der IGK daher genau ablesen, welche Fische wie häufig gefangen wurden. „Daraus lässt sich eine sehr genaue Statistik erstellen“, erzählt Brettmann. Aber auch bei Fischsterben und Umweltschäden ist die IGK der erste Ansprechpartner, der sich um den Lebensraum der Fische kümmert.

In den vergangenen Jahren habe sich da vieles zum Positiven gewendet. Das sei ganz deutlich an der Population der Fische abzulesen. Denn eine Fischart, die über mehrere Jahre nicht mehr die Kinzig bewohnte, sei zurückgekehrt: „Wir haben seit Langem mal wieder Elritzen beobachtet“, berichtet Brettmann. „Diese Fische sind wie die Forelle ein Indikator für sauerstoffreiches und sauberes Wasser. Sie gelten als besonders geschützt und dürfen nicht geangelt werden.“

Ein Video zum Herbstbesatz und weitere Informationen rund um die Arbeit der Interessengemeinschaft gibt’s im Internet.

» ig-kinzig.de/news/

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