Prozess

Auf schlafenden Vater eingestochen: 19-jähriger könnte dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen werden

Zentrum für Forensische Psychiatrie Eickelborn
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Ein 19-Jähriger hat mit einem Messer auf seinen Vater eingestochen. Ihm droht eine zeitlich unbegrenzte Einweisung in die Psychiatrie.

Ein 19-jähriger hat in Horbach mit einem Messer auf seinen schlafenden Vater eingestochen. Jetzt hat der Prozess gegen den Mann begonnen.

Freigericht/Hanau –Mit 16 Jahren hat er das erste Mal Kontakt mit Drogen. Zwei Jahre später greift er offenbar zu einer der schlimmsten halluzinogenen Drogen: Dimethyltryptamin (DMT). Zusammen mit einer bestehenden Psychose eine lebensgefährlicher Cocktail, wie sich am 22. Juli dieses Jahres im Freigerichter Ortsteil Horbach gezeigt hat.

Am Abend sowie am frühen Morgen hat der inzwischen 19-Jährige Exstasy eingeworfen. Nach Darstellung von Staatsanwältin Lisa Pohlmann greift er dann zu einem Küchenmesser, geht ins Zimmer des Vaters und sticht den Schlafenden mehrfach in Kopf und Hals. Ohne ein ersichtliches Motiv.

Dann entschuldigt er sich und lässt das Messer fallen. Der 56-Jährige flüchtet sich zunächst ins Bad, begutachtet seine stark blutenden Wunden und geht unter die Dusche. Dort wird er erneut von seinem Sohn mit einem anderen Messer attackiert.

Beschuldigter womöglich schuldunfähig

„Der Vater schafft es, ihm das Messer zu entreißen. Er flüchtet zu einer Nachbarin. Der Beschuldigte flüchtet und lässt sich später widerstandslos festnehmen“, skizziert Pohlmann den Tatablauf, der eigentlich als versuchter Totschlag gewertet werden könnte.

Doch die Staatsanwältin bezeichnet den 19-Jährigen vor der 2. Jugendkammer des Hanauer Landgerichts nicht als „Angeklagten“, sondern nennt ihn „Beschuldigten“. Das ist ein großer Unterschied, denn die Anklägerin geht nach Abschluss der Ermittlungen davon aus, dass der mutmaßliche Angreifer im Zustand er Schuldunfähigkeit gehandelt hat.

Beschuldigter könnte in geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden

Somit droht ihm statt einer Freiheitsstrafe eine weitaus gravierendere Maßregel: die zeitlich unbegrenzte Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie. Darauf deuten die Aussagen der Polizisten hin, die an diesem Morgen als erste am Einsatzort eintreffen. Sie finden blutenden Vater und wissen, dass der Messerstecher geflüchtet ist.

Doch der 19-Jährige meldet sich bei der Rettungsleitstelle, hat offenbar Selbstmordgedanken. Die geschulten Einsatzsachbearbeiter der zentralen Leitstelle überzeugen ihn zum Ort des Geschehens zurückzukehren. „Wir haben rund 15 Minuten gewartet, dann kam er aus dem Wald – barfuß“, berichtet ein Beamter, der zuvor den Tatort durchsucht hat und diesen als „sehr unübersichtlich“ beschreibt.

Vater verweigert die Aussage gegen eigenen Sohn

Sein Kollege von der Spurensicherung, der eine Vielzahl von Blutspuren sichert, spricht von einem „unordentlichen“ Interieur. Sehr diplomatisch ausgedrückt. Denn die Fotos, die das Gericht zu sehen bekommt, zeigen ein heilloses Durcheinander, in dem der junge Mann mit seinem Vater gehaust hat.

Während das Opfer sein Recht in Anspruch nimmt, die Aussage gegen den eigenen Sohn zu verweigern, gibt die Mutter einen Einblick in das Martyrium ihres Sohns. Dieser habe mehrfach Gewaltfantasien entwickelt – fünfmal gab es bereits Zwangseinweisungen.

Mutter berichtet von Drogenproblemen und Gewaltfantasien

„Er war ein ganz normaler, tolle Junge“, sagt die Mutter aus. Doch dann begannen die Drogenprobleme. Die Psychose sei immer stärker geworden: „Er hat gedacht, er wäre der Teufel und könnte mit Blicken töten.“ Der psychiatrische Gutachter kommt schließlich zu einem eindeutigen Befund: Der junge Mann leide an einer schizophrenen Persönlichkeitsstörung, die durch Drogeneinfluss verstärkt werde.

Dadurch sei der Beschuldigte eine nicht berechenbare Gefahr für sich selbst und die Allgemeinheit, denn grundlose Attacken seien jederzeit möglich. Die Einschätzung des Gutachters: An der dauerhaften Unterbringung in einer Anstalt führe kein Weg vorbei. Der Prozess wird mit den Plädoyers sowie der Entscheidung der Kammer am Mittwoch, 9. Dezember, um 8.30 Uhr fortgesetzt.

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