Corona-Virus

Aufregung im Main-Kinzig-Kreis: Erfüllen die 66 000 Masken für Schüler und Lehrkräfte nicht die Anforderungen?

Der Aufdruck täuscht: Bei diesen Masken handelt es sich nicht um eine FFP 2-Maske.
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Der Aufdruck täuscht: Bei diesen Masken handelt es sich nicht um eine FFP 2-Maske.

Schock im Main-Kinzig-Kreis: Insgesamt 66 000 FFP2-Masken, die für Risikopersonen vorgesehen waren und an die Schulen geliefert wurden, sollen nicht dem dafür nötigen Schutzstandard entsprechen.

Main-Kinzig-Kreis – Die Erleichterung war zunächst groß: In der vergangenen Woche wurde an mehr als 100 Schulen im Main-Kinzig-Kreis Material ausgegeben, das sowohl Lehrkräfte als auch Schüler vor dem Coronavirus schützen sollte. Doch am Montagvormittag dann der Schock: Alle 66 000 FFP2-Masken, die für Risikopersonen vorgesehen waren, sollen nicht dem dafür nötigen Schutzstandard entsprechen.

Das geht zumindest aus einem Begleitschreiben hervor, das mit Desinfektionsmitteln, „normalen“ Atemschutzmasken, Handschuhen, Kitteln, Visieren und eben auch angeblichen FFP2-Masken in der vergangenen Woche über das Gefahrenabwehrzentrum des Main-Kinzig-Kreises verteilt wurden. Wörtlich heißt es in dem vierseitigen „Beipackzettel“ mit Briefkopf vom Hessischen Sozialministerium und vom Hessischen Innenministerium: „Auch wenn auf dem Produkt selbst fälschlicherweise Angaben wie CE oder FFP2 aufgedruckt sein sollten, handelt es sich nur um eine Pandemie-Atemschutzmaske und nicht um eine FFP2 oder FFP3-Maske. Darauf ist bei der Verteilung an die Beschäftigten deutlich hinzuweisen.“ Betitelt ist das Schreiben mit „Anwendungshinweise für von der Landesregierung beschaffte und verteilte persönliche Schutzausrüstung (PSA/FFP2/KN95-Masken) und Medizinischen Mundnasenschutz (MNS/OP-Masken)“, adressiert ist es „An die hessischen Krankenhäuser“.

Main-Kinzig-Kreis weist Schuld an den „falschen“ Masken von sich

Gelandet ist es allerdings samt Masken auf den Schreibtischen der Schulleitungen im Main-Kinzig-Kreis. Wo sie produziert wurden, verraten die chinesischen Schriftzeichen, doch wer hat geprüft, ob sie tatsächlich die erhoffte Schutzwirkung haben? Der Main-Kinzig-Kreis weist jede Schuld von sich: „Das Gefahrenabwehrzentrum des Main-Kinzig-Kreises hat die vom Land Hessen stammenden Materiallieferungen an die Schulen nach Anweisung des Landes konfektioniert und ausgegeben. Für inhaltliche Fragen wenden Sie sich bitte direkt an das Staatliche Schulamt in Hanau“, heißt es auf Nachfrage. In Hanau haben offenbar am Montagvormittag bereits die Telefondrähte geglüht. „Das HKM hat auf meine entsprechende Anfrage reagiert und versichert, dass die Masken geprüft und freigegeben wurden“, verweist Horst Scholz vom Staatlichen Schulamt auf eine Mitteilung des Hessischen Kultusministeriums (HKM).

Laut der dortigen Pressestelle waren die FFP2 beziehungsweise KN-95-Masken bislang dem medizinischen Bereich vorbehalten gewesen, worauf sich der beigefügte Hinweis beziehe. Dort sei von einer Dauernutzung beispielsweise im mehrstündigen OP-Einsatz auszugehen, die mit dem kurzzeitigen Schutzbedürfnis im schulischen Kontext nicht zu vergleichen sei.

Main-Kinzig-Kreis: Kultusministerium gibt Stellungnahme zu den Masken ab

„Bei den gelieferten KN-95-Masken handelt es sich um ein den FFP2-Masken gleichwertiges Produkt, das von der Materialprüfung der Task Force im Hessischen Innenministerium freigegeben wurde. Das Hinweisblatt an die Krankenhäuser sagt explizit aus, dass es ein gleichwertiges Produkt ist, weil die CE-zertifizierten Masken auf dem Markt nicht zu bekommen waren, was die EU-Kommission wiederum dazu veranlasst hat, die Beschaffung dieser gleichwertigen Produkte für diesen Ausnahmefall zuzulassen. Allgemein unterliegen Filter von Atemschutzmasken diversen Vorschriften und Standards auf der ganzen Welt. Diese Standards spezifizieren bestimmte erforderliche Eigenschaften und Leistungsmerkmale, welche die Atemschutzmasken einhalten müssen, um dem entsprechenden Standard zu genügen. So gelten unter anderem die Schutzmasken FFP2 (Europa EN 149-2001), N95 (United States NIOSH-42CFR84) und KN95 (China GB2626-2006) allgemein als „äquivalent“ in der Filterung von Bioaerosolen (z. B. Viren, Coronavirus)“, heißt es dazu weiter aus dem Kultusministerium.

Klar ist: Das Begleitschreiben hat an einem sowieso schon aufregenden ersten Schultag in Corona-Zeiten für große Verunsicherung bei den Verantwortlichen gesorgt, das Staatliche Schulamt verschickte wohl auch deshalb am Montagnachmittag eine E-Mail mit einer entsprechenden Erklärung an alle Schulen. Bis dahin hatten einige Schulleitungen angekündigt, die gelieferten Masken mit FFP2-Aufschrift zunächst nicht zu verteilen.

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